Jens de Raays Regentschaft beginnt turbulent – erster Königsanwärter macht unerwarteten Rückzieher Zweimal fällt die Krone

Enger (WB). »Das hat es in Dreyen noch nie gegeben!« Oberst Klaus Föste ist fassungslos. Zweimal musste das Adlerschießen gestern Nachmittag durchgeführt werden. Denn der erste König hat seine  Regentschaft nach einer Stunde bereits wieder abgetreten. Im zweiten Lauf schoss Jens de Raay schließlich dem Vogel die Krone vom Kopf.

Von Ann-Christin Lüke und Thomas Meyer
Im ersten Durchgang hat es nicht geklappt. Nachdem König Nummer eins abgesprungen war, schoss Jens de Raay dem Adler die Krone vom Kopf und wählte seine Frau Kerstin zur Königin. Gemeinsam werden sie das Regentenjahr, das turbulent begonnen hat, bestreiten.
Im ersten Durchgang hat es nicht geklappt. Nachdem König Nummer eins abgesprungen war, schoss Jens de Raay dem Adler die Krone vom Kopf und wählte seine Frau Kerstin zur Königin. Gemeinsam werden sie das Regentenjahr, das turbulent begonnen hat, bestreiten. Foto: Ann-Christin Lüke

Dafür wurden der Lagerist (46) und seine Frau Kerstin (45), die er zur Königin wählte, am späten Nachmittag von den Schützen, die noch auf dem Festplatz verweilten, frenetisch gefeiert. Und das obwohl der Verein erst wenige Stunden zuvor sich im Glauben befand, bereits einen Nachfolger für Detlef Schröder gefunden zu haben. Bereits mit dem 29. Schuss verlor der Vogel zum ersten Mal seine Krone.

Die Regentschaft hielt jedoch nur eine Stunde, wie Pressesprecher Sören Miersch mitteilte. »Es gibt einfach Menschen, die das nicht so ernst nehmen«, sage Miersch. Der Eine-Stunde-König habe keine Königin vorweisen können und auch keinen Thron zusammengestellt. Am Ende wurde er des Platzes verwiesen.

Zweiter Durchlauf

»Zum Glück hatten wir noch zwei Kandidaten in der Hinterhand«, setzte Oberst Klaus Föste hinzu. Dennoch sei er »zu tiefst getroffen« gewesen. Nun werde geprüft, wie es mit dem Mitglied des Vereins weitergehen soll. »Es ist eine Frage der Moral. Daher legen wir ihm einen Austritt nahe«, sagte Föste. Nach kurzer Überlegung setzten die Schützen einen zweiten Durchlauf des Schießwettbewerbes an. »Es war ein fairer Wettkampf, an dessen Ende sich Jens de Raay bereits mit dem achten Schuss durchsetzte«, betonte Miersch.

De Raay hatte schon im ersten Durchgang mitgeschossen. »Ich wollte König werden und habe immer drauf gehalten«, sagte der neue Regent, nachdem er mit seiner Königin einen vorgezogenen Tanz im Festzelt absolviert hatte, ehe die Schützen sich am Abend noch einmal zum Festball zusammenfanden. Den Apfel schoss Andreas Althoff ab, das Zepter Ulrich Meyer. Schampus-Königin wurde Anja Schröder.

Ehrungen beim Schützenfrühstück

Beim traditionellen Schützenfrühstück wurde zuvor Bürgermeister Klaus Rieke zum Ehrenmitglied ernannt. Geehrt wurde auch Wolf Detlef Kronsbein für 25 Jahre Mitgliedschaft im Deutschen Schützenbund. Die Ehrennadel des Westfälischen Schützenbundes erhielt Kirsten Miersch, das Ehrenabzeichen in Silber und das Ehrenschild gingen an Gisela Gensch. Mit der Ehrennadel des Deutschen Schützenbundes in Gold wurden Christa Bockermann und Ulrike Richters bedacht. Jürgen Scheer wurde die Ehrennadel in Silber überreicht. Den Ehrenteller des Vereins erhielt das scheidende Königspaar Detlef und Anja Schröder.

Am Morgen wurden zudem Beförderungen ausgesprochen: Michael Darnauer wurde zum Feldwebel, Julian Buschmann und Thomas Hengst zum Oberfeldwebel und Frank Föste wurden zum Oberleutnant ernannt. Bereits am Sonntag nahm Oberst Klaus Föste Ehrungen langjähriger und verdienter Schützen vor. Dabei erhielten Hans Gensch das Ehrenzeichen in Gold und Guido de Raay die Vereinsnadel des Westfälischen Schützenbundes (WSB). Für 40-jährige Mitgliedschaft wurden Wilfried Bollmann und Frido Richters, für 25-jährige Mitgliedschaft Bernd Buschmann und Manfred Krämer ausgezeichnet.

Nachwuchssorgen des Vereins

Föste nutzte die Gelegenheit, um auf aktuelle Probleme der Vereine hinzuweisen. »Vereine übernehmen wichtige Aufgaben in der Gesellschaft, sind Wirtschaftskraft und oft einzige Anlaufstelle in unseren Gemeinden. Ich frage mich nur: Warum kommt das bei den Bürgern nicht mehr an?«, sagte der Oberst.

Vereine litten unter Nachwuchssorgen, Mitgliederschwund und nur mangelhaftem Zulauf bei Veranstaltungen. Bei den Schützenvereinen helfe die gegenseitige Unterstützung, das Besuchen der Schützenfeste der befreundeten Vereine. »Aber wir brauchen Gäste. Nur in einem Miteinander ist das Überleben der Vereine garantiert«, appellierte Föste an die Bevölkerung.

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