Engeranerin (62) soll sich bei Familienbesuch in Belgien angesteckt haben
Kreis Herford meldet ersten Fall der brasilianischen Mutante

Enger/Herford (WB) -

Im Kreis Herford gibt es den ersten und bislang einzigen Fall einer Corona-Infektion mit der brasilianischen Mutationsvariante. Wie das Gesundheitsamt am Donnerstagnachmittag mitteilt, handelt es sich um eine 62-jährige Frau aus Enger.

Donnerstag, 15.04.2021, 17:08 Uhr aktualisiert: 15.04.2021, 17:52 Uhr
Dieses Foto zeigt eine Elektronenmikroskopaufnahme des Coronavirus. Foto: Niaid-Rml/ZUMA Wire/dpa

Nach derzeitigem Kenntnisstand habe sich die Frau bei einem Familienbesuch in Belgien infiziert und mit der Befürchtung, sich angesteckt zu haben, umgehend auf den Heimweg gemacht. Auf ihrer Rückfahrt mit dem Auto legte sie nach eigenen Angaben keinen Zwischenstopp ein und begab sich zurück in Enger ohne Umwege in die häusliche Isolierung, teilt der Kreis Herford mit. Einen anschließenden PCR-Test ließ sie auf eigenen Wunsch auch zu Hause durchführen.

„Sie hatte somit keine relevanten Kontakte zu anderen Personen im Kreis Herford und befindet sich nun in Quarantäne“, schreibt der Kreis Herford in einer Pressemitteilung. Diese könne die 62-jährige Engeranerin erst wieder verlassen, wenn sie nach Ablauf der Quarantänezeit keine Symptome mehr aufweise und negativ getestet werde. Mittlerweile habe die Frau deutliche Krankheitssymptome entwickelt.

Das Gesundheitsamt des Kreises Herford steht bezüglich des Falls mit den zuständigen belgischen Behörden in Kontakt.

Nach unseren Kenntnissen ist die brasilianische Variante etwa um das 1,4 bis 2,2-fache ansteckender als die übliche Virus-Variante.

Markus Altenhöner, Krisenstabsleiter Kreis Herford

„Die Dame hat sich nach unserem Kenntnisstand vorbildlich verhalten. Wir können derzeit also davon ausgehen, dass sich die brasilianische Variante bei uns im Kreis Herford – ausgehend von der Infizierten – nicht weiter verbreitet hat“ sagt Krisenstabsleiter Markus Altenhöner. „Die Dame verspürt Symptome und fühlt sich auch nicht gut. Allerdings ist ihr Zustand insofern stabil, als dass sie noch nicht ins Krankenhaus muss. Wir wünschen ihr natürlich, dass sie die Infektion gut übersteht und wieder gesund wird“, so Altenhöner weiter.

Bislang sind im Kreis Herford mehr als 1330 Infektionsfälle mit einer Mutationsvariante des Coronavirus bekannt geworden. Bis auf drei Fälle der südafrikanischen und jetzt einem Fall der brasilianischen Variante handelt es sich dabei ausschließlich um die britische Mutation.

„Wir mussten leider damit rechnen, dass nach der britischen und südafrikanischen über kurz oder lang auch die brasilianische Mutationsvariante bei uns im Kreis auftaucht“, sagt Markus Altenhöner. „Nach unseren Kenntnissen ist die brasilianische Variante etwa um das 1,4 bis 2,2-fache ansteckender als die übliche Virus-Variante. Sie führt auch häufiger zu stärkeren Symptomen und Krankheitsverläufen. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich bereits Infizierte im Nachhinein auch ein zweites Mal anstecken können“. Der Kreis Herford nimmt den Fall demnach sehr ernst.

Die Frage, ob die brasilianische Variante auch resistent gegen die Impfstoffe sei, die im Kreis Herford derzeit verimpft werden, könne derzeit noch nicht seriös beantwortet werden. „Nach all dem, was wir derzeit wissen, helfen die Impfstoffe grundsätzlich, schwerere Krankheitsverläufe zu mildern und zu verhindern. Wir gehen davon aus, dass das auch bei der brasilianischen Variante der Fall sein wird“, erklärt Altenhöner.

 

Kommentar von Kathrin Weege

Als sie den Verdacht hat, sich in Belgien mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, fährt eine Engeranerin direkt mit dem Auto nach Hause – ohne Zwischenstopp und begibt sich in häusliche Quarantäne. Sogar den Coronatest lässt sie zu Hause durchführen. Durch dieses vorbildliche Verhalten trägt sie dazu bei, dass sich die brasilianische Variante des Virus, von der man noch nicht genau weiß, ob der Covid-Impfstoff auch gegen sie wirkt, nicht weiter im Kreis Herford verbreitet. Dieses Verhalten ist vorbildlich, sollte gleichzeitig für alle selbstverständlich sein, wenn sie einen entsprechenden Verdacht haben.

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