Der Kreis Herford vermeldete am 6. März 2020 den ersten Fall
Kommentar: Ein Jahr Corona

Herford -

Vor zwölf Monaten, am 6. März 2020, wurde der erste Corona-Fall im Kreis Herford bekannt. Seitdem ist der Alltag vieler Menschen im Wittekindskreis durcheinandergewirbelt worden. Auch nach einem Jahr im Ausnahmezustand müssen die gut 250.000 Einwohner im Kreisgebiet den Spagat zwischen Rücksichtnahme und Öffnung hinbekommen, schreibt HK-Redaktionsleiter Ralf Meistes in seinem Kommentar.

Samstag, 06.03.2021, 05:39 Uhr
Seit einem Jahr informiert der Kreis Herford fast täglich über das Infektionsgeschehen im Wittekindskreis. Foto: Moritz Winde

„Eine Weiterverbreitung des Corona-Virus scheint in diesem Fall erst einmal eher gering“, hieß es in der Pressemitteilung des Kreises Herford, als am 6. März 2020 der erste Fall des Covid-19-Virus im Wittekindskreis bekannt geworden war. Heute, ein Jahr später, wissen wir, dass das Virus unser Land in die schwerste Krise nach dem Zweiten Weltkrieg gestürzt hat.

Was bleibt nach einem Jahr Pandemie im Kreis Herford? Es ist immer noch ein Spagat, den Bürgerinnen und Bürger sowie die Verantwortlichen in den Verwaltungen üben müssen. Zum einen bleibt der Dreiklang zwischen Abstand, Maske und Rücksichtnahme bestehen, um eine dritte Welle nach Möglichkeit zu verhindern oder deren Auswirkungen möglichst gering zu halten.

Zum anderen muss durch beschleunigte Impfverfahren, Schnelltests und neuen Regeln zur digitalen Kontakterfassung ein Weg zu weiteren Öffnungen aufgezeigt werden. Ein erster Schritt dazu ist in dieser Woche gemacht worden.

Die monatelange Lähmung des öffentlichen Lebens hat den Menschen viel abverlangt. Es hat uns von Vlotho über Herford bis Bünde gezeigt, wie trostlos von Menschen verlassene Innenstädte sind.

Dass die Fußgängerzonen demnächst anders aussehen werden, wird am Beispiel Herford deutlich, wo im Lockdown Frequenzbringer wie H&M, Saturn und das Schuhhaus Reno ihren Rückzug verkündet haben.

Wir haben Gespräche mit Ladenbesitzern und Gastronomen geführt, die anfangs viel Verständnis aufgebracht haben, mittlerweile aber in ernsthafter Sorge um die Zukunft ihrer Betriebe sind und sich ebenso viele Sorgen um ihre Mitarbeiter machen.

Kitas und Schulen werden vorsichtig wieder geöffnet, weil die Abstinenz von Gemeinschaft, das Ausbleiben gemeinsamen Erlebens, schon jetzt vor allem den Jüngsten zugesetzt hat. Präsenzunterricht ist eben nicht zu ersetzen.

Und was es bedeutet, wenn es aus den Schulverwaltungen heißt, dass Homeschooling nicht in allen Familien gleich gut und konsequent umgesetzt worden ist, werden wir wohl erst in einigen Monaten erfahren.

Schwer gebeutelt waren in den zurückliegenden Monaten auch die Kulturschaffenden im Kreis, weil Museen, Theater, Kleinkunstbühnen und Veranstaltungssäle geschlossen bleiben mussten. Gleiches gilt für die vielen Sportvereine, die durch die Pandemie zur Inaktivität gezwungen, in finanzielle Schieflage geraten sind.

Besonders belastend war das einsame Sterben von Menschen in den Krankenhäusern und Altenheimen, weil Familienmitglieder und Freunde nicht in die Einrichtungen durften. Auch die Beisetzung im engsten Familienkreis, an der Freunde, die jahrzehntelang an der Seite der Verstorbenen waren und plötzlich nicht Abschied nehmen durften, waren und sind kaum zu ertragen.

Im zurückliegenden Corona-Jahr haben der Kreis und die neun Städte und Gemeinde in enger Abstimmung Beschlüsse gefasst, damit in Löhne plötzlich nicht andere Regeln gelten als in Hiddenhausen. Der Kreis ist enger zusammengewachsen.

Dennoch waren es zwölf Monate voller Zumutungen, Unsicherheiten und Ängsten. Wenn jetzt ein schnelleres Impfverfahren, selbstständig durchgeführte Tests und eine verbesserte digitale Kontaktnachverfolgung die Möglichkeit zu weiteren Öffnungen ermöglichen, so muss dies mit Augenmaß geschehen. Denn einen erneuten Lockdown, falls die Infektionszahlen wieder signifikant steigen, will wohl niemand riskieren.

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