Staatsanwältin beantragt Freispruch für 23-jährigen Bünder – Richter spricht Mann dennoch schuldig – Geldstrafe verhängt
DNA-Spur überführt Kioskeinbrecher

Bünde (WB) -

Dieses Urteil kommt überraschend: Obwohl die Staatsanwältin für einen mutmaßlichen Kioskeinbrecher einen Freispruch beantragt, verdonnert Amtsrichter Henning Zurlutter den 23-Jährigen am Montagmorgen zu einer saftigen Geldstrafe.

Montag, 01.03.2021, 19:10 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 09:44 Uhr
In der Datenbank der Polizei war der genetische Fingerabdruck des Angeklagten gespeichert. Foto: Frank Molter

Dem Angeklagten und seinem Verteidiger ist anzusehen, dass sie mit dieser Wendung vor dem Bünder Amtsgericht nicht gerechnet hätten. 100 Tagessätze á 10 Euro muss der Arbeitslose laut dem noch nicht rechtskräftigen Urteil berappen.

Der Anklagevorwurf lautet auf Diebstahl in einem besonders schweren Fall. Konkret wirft die Staatsanwaltschaft dem ALG2-Empfänger vor, in der Nacht auf den 12. Dezember 2018 mit einem Komplizen in den ehemaligen Bahnhofskiosk eingestiegen und Tabakwaren im Wert von 3000 Euro gestohlen zu haben. Zwar verläuft eine eilige eingeleitet Fahndung der Polizei damals negativ. Unweit des Bahnhofs – auf dem Parkplatz der Musikschule – werden aber ein Teil der Beute und eine Sturmhaube mit DNA-Spuren des polizeibekannten Angeklagten gefunden. Auch Taschentücher – ebenfalls mit der DNA des Angeklagten – werden in der Nähe des Tatorts sichergestellt.

Der Anwalt des Bünders erklärt: „Mein Mandant bestreitet die Vorwürfe. Er weiß auch nicht mehr, wo er an jenem Tag war, das ist schon zu lange her.“ Die gefundenen Taschentücher gehörten zwar wohl dem Angeklagten: „Aber er fährt immer mit der Bahn von Bünde nach Bielefeld und er hat eine Allergie und immer Taschentücher dabei.“

Die Sturmhaube gehöre hingegen keinesfalls seinem Mandanten. Seinerzeit sei der 23-Jährige aber öfters mit Freunden auf der Kartbahn Kirchlengern gewesen, habe sich dort mehrfach solche Hauben ausgeliehen. „Das kann somit durchaus sein, dass seine DNA dort gefunden wurde.“ Zwar existieren von dem Einbruch Videos einer Sicherheitskamera. Allerdings ist der dort zu sehende Täter maskiert.

In der Verhandlung kommt heraus, dass sich in der Sturmhaube auch DNA-Spuren einer weiteren Person befinden, die zunächst in den Fokus der Ermittler rückt. Es werde laut Richter Zurlutter aber ausgeschlossen, dass der zunächst Verdächtige der letzte Träger der Maske war. Auf den Angeklagten aufmerksam wird die Polizei später, weil sein genetischer Fingerabdruck bei anderen Straftaten entdeckt, ihm zugeordnet und in der LKA-Datenbank gespeichert worden war. In der Verhandlung fällt dem Bünder plötzlich ein, dass er kurz vor der Tat mit Freunden auf der Kartbahn war. Mit wem er dort war, daran könne er sich nicht mehr erinnern.

Während die Staatsanwältin nach der Beweisaufnahme keinen hinreichenden Tatverdacht gegen den Bünder sieht, weil die DNA auch auf anderem Wege an die Sturmhaube gekommen sein könne, reichen Richter Zurlutter die Beweise für einen Schuldspruch. „Der Umstand, dass ein Teil der Beute zusammen mit der Sturmhaube gefunden wurde, belegt für mich, das sie an der Tat beteiligt waren. Ihre Einlassung zu den DNA-Spuren an der Maske hat mich nicht keine Sekunde überzeugt.“

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