Nach Zeitungsbericht über Youtube-Videos des TuS Bonneberg: Ordnungsamt wird eingeschaltet
Übungsleiterinnen müssen draußen drehen

Vlotho (WB) -

Melanie Windmüller-Gök und Sophie Kipp sind angeschwärzt worden. Die beiden Übungsleiterinnen dürfen die Fitness-Videos für den TuS Bonneberg nicht mehr in der gewohnten Form drehen. Das Problem: Laut Corona-Schutzvorschrift dürfen sie nicht im Trainingsraum zu zweit vor der Kamera stehen.

Montag, 01.03.2021, 16:46 Uhr
Sophie Kipp (links) und Melanie Windmüller-Gök dürfen nicht mehr gemeinsam im Tanzzentrum vor der Kamera stehen, um die Vlothoer fit zu halten. Foto: Frank Dominik Lemke

Für Ärger und einen Anruf des Ordnungsamtes hat der Zeitungsbericht „Bewegung kommt per Youtube – Der TuS Bonneberg ist mit der Aktion ‚Vlotho bleibt fit’ online“ gesorgt . „Wir machen weiter“ kündigen beide in einem auf Facebook veröffentlichten Video an. Das war bis Montag Mittag mehr als 1500 Mal aufgerufen und vielfach geliked und geteilt worden. Das neue Motto heißt: „Sport ist auch draußen möglich“. Die Videos sollen jetzt nach Möglichkeit an schönen Orten im Freien in Vlotho gedreht werden.

Die beiden Frauen dürfen nicht gemeinsam im Übungsraum vor der Kamera stehen.

Die beiden Frauen dürfen nicht gemeinsam im Übungsraum vor der Kamera stehen. Foto: Frank Dominik Lemke

Mit dem ersten Lockdown vor fast einem Jahr gingen die Videos an den Start. Seit dem 21. März laden die beiden Frauen aus den Vereinsräumen im Tanzzentrum ihre Fitnessübungen hoch. Wenn schon kein Gruppensport mehr möglich ist, dann soll wenigstens jeder für sich unter Anleitung Übungen für Bauch, Beine, Po und für die Kräftigung des ganzen Körpers machen können – mit dieser Idee haben sie seitdem viele Follower nicht nur im eigenen Verein gefunden. Das positive Feedback sei sehr motivierend. „Genau darum geht es, dass ihr in Bewegung bleibt und dass es euch Spaß macht“, sagen die Übungsleiterinnen in ihrer gemeinsamen Facebook-Botschaft aus dem Wohnzimmer.

Dem Ordnungsamt machen wir keinen Vorwurf

Melanie Windmüller-Gök

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Nach dem Zeitungsbericht habe sich ein Unbekannter aus der „Fitnessbranche“ beim Ordnungsamt beschwert: Laut Corona-Schutzverordnung sei es nicht erlaubt, zu zweit an einem öffentlichen Ort Sport zu treiben: „Das war uns so nicht bewusst, zumal wir immer drauf geachtet haben, Abstand einzuhalten und regelmäßig zu lüften.“ „Erschüttert und fassungslos“ sei sie darüber, dass derjenige, der sie beim Ordnungsamt angeschwärzt habe, den Sinn und Zweck der Videos offenbar nicht verstanden habe. „Dem Ordnungsamt machen wir keinen Vorwurf“, sagt Melanie Windmüller-Gök dem WESTFALEN-BLATT.

Bürgermeister lobt Ehrenamtliche

Wenn die Stadt über Verstöße gegen die aktuellen Corona-Schutzvorschriften informiert werde, müsse sie handeln, sagt Bürgermeister Rocco Wilken. Das Youtube-Angebot des TuS Bonneberg sei grundsätzlich vorbildlich. Es sei ein sehr gutes Beispiel für die großes Kreativität der Ehrenamtlichen in Vlotho: „Ich finde es gut, was sie machen.“ Aufgrund des gemeldeten Verstoßes habe man das Angebot gemeinsam „nachkorrigiert“. Eine Strafe sei nicht verhängt worden.

Kommentar von Jürgen Gebhard

Beide Übungsleiterinnen dürfen im Übungsraum nicht gemeinsam vor der Kamera stehen, wohl aber im Wohnzimmer. Wenn im Übungsraum eine der Frauen vor und die andere hinter der Kamera steht, dann ist das erlaubt: Über Sinn und Unsinn einzelner Corona-Schutzregeln kann man lange diskutieren. Weil in einer Verordnung nicht alle denkbaren Einzelfälle aufgelistet sein können, hilft es bisweilen, auf den gesunden Menschenverstand zu hören. Oberstes Gebot in Zeiten der Pandemie ist es, so möglichst viele Kontakte zu vermeiden. Nur darum geht es. Die beiden Frauen meinen es mit ihren Sport-Videos sehr gut. Über ihren Regelverstoß kann man sich ereifern. Man kann, wie hier geschehen, gleich nach der Ordnungsmacht rufen. Man hätte die Frauen aber auch – quasi unter Kollegen – erst einmal auf ihren Fehler aufmerksam machen können. Ein freundliches Wort kann viel bewirken – gerade in diesen nervigen Zeiten.

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