Regionalplan OWL: 178,3 Hektar potenzielle neue Siedlungsfläche in Bünde – Kritik vom Naturschutzbund
„Unsere Art des Bauens ist eine Sackgasse“

Bünde (WB) -

Flächensparend und nachhaltig – an diesen Leitlinien soll sich der Regionalplan OWL, der mittlerweile als Entwurf vorliegt, orientieren. Konkret ist damit die Siedlungsentwicklung im Bereich Wohnen, Arbeiten und Infrastruktur gemeint. Doch werden die Leitlinien auch befolgt?

Mittwoch, 03.02.2021, 05:42 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 05:52 Uhr

„Wenn man sich den Regionalplan für Bünde, der die städtische Entwicklung immerhin bis ins Jahr 2040 vorgibt, genau anschaut, entdeckt man von diesen Leitlinien allerdings herzlich wenig“, kritisiert Freyja Diebrok, stellvertretende Vorsitzende des Nabu-Kreisverbandes Herford, den Entwurf.

Unter anderem legt der Regionalplan, wenn er denn rechtsgültig geworden ist, fest, welche Flächen Bünde künftig für Wohnbebauung und Gewerbe bzw. Industrie zur Verfügung stehen. Für Letzteres ist ein Bedarf von 69 Hektar errechnet worden. Das entspricht in etwa der Fläche, die im Regionalplan als potenzielles Gewerbegebiet gekennzeichnet wurde. Aufgeführt werden beispielsweise Äcker zwischen den Straßen Im Obrock und Lübbecker Straße (für eine mögliche Hettich-Erweiterung), Nieder-Ennigloh (südlich Holser Straße/Schnellweg) und einen Acker im Bereich Hederkottenweg.

Ganz anders sehen die Zahlen schon bei möglicher Wohnbebauung aus. Hier ist ein Bedarf von 59 Hektar errechnet worden – und zwar auf Grundlage von Einwohnerzahl und Prognosen. Im Regionalplan sind aber 178,3 Hektar als potenzielle Siedlungsfläche zur flexiblen Nutzung dargestellt. Das heißt, von diesen 178,3 Hektar können 59 Hektar zu Neubaugebieten werden. Im Stadtteil Ahle ist es beispielsweise die Fläche hinter dem Combi-Markt, in Spradow zwischen Meyerhofstraße und Stettiner Straße bis zum Bürgerwald. Besonders ins Auge sticht aber die möglich Wohnbebauung in Hunnebrock, Hüffen, Werfen und Bustedt. Praktisch alles südlich der Autobahn zwischen der Käthe-Kollwitz-Straße im Westen, dem Bustedter Holz im Osten und der August-Bebel-Straße im Süden ist hier als mögliches Siedlungsgebiet ausgewiesen.

Ein Unding, wie Freyja Diebrok meint. „Ein ernsthaftes Ringen um eine nachhaltige Flächennutzung der Stadt Bünde ist anhand der Darstellung im Regionalplan-Entwurf und an der Art, wie derzeit gebaut wird, nicht zu erkennen“, sagt sie. Neubaugebiete dürften nicht nach maximalem Gewinn, sondern nach maximaler Vorsorge in Hinblick auf Demografie und Klimawandel errichtet werden, stellt sie die Position des Naturschutzbundes klar. Dabei sei man keineswegs gegen Fortschritt: „Bünde muss sich entwickeln können.“ Aber wer sich heutige Baugebiete ansehe, erkenne die Ignoranz der Verantwortlichen gegenüber dem Klimawandel. „Mit der Art, wie wir bauen, sind wir in einer Sackgasse angelangt. Zudem wird am Bedarf vorbei gebaut.“ Die Stadt müsse neue Ideen zulassen und sich fragen, ob Einfamilienhäuser und permanenter Flächenfraß die Antwort auf künftige Herausforderungen seien.

Kommentar von Hilko Raske

59 Hektar – dieser Bedarf an Neubaugebieten ist für Bünde für die nächsten 20 Jahren errechnet worden. Als Grundlage sollen Prognosen über die demografische Entwicklung gedient haben. Wer diese Erklärung hört, gerät ins Staunen. Die Zahlen des statistischen Landesamtes NRW sprechen da nämlich eine ganz andere Sprache. Danach hatte die Stadt 2017 – also zwei Jahre nach der Aufnahme von vielen Flüchtlingen – den Höchststand an Einwohnern erreicht: 45.712. Seitdem sinkt sie allmählich. So waren es 2018 45.521 Einwohner, 2019 dann 45.187. Aus diesen Zahlen eine Zunahme der Einwohnerzahl in den kommenden 20 Jahren herzuleiten, erscheint doch gewagt. Es wäre einmal interessant zu erfahren, für wen 59 Hektar an Neubaugebieten benötigt werden sollen.

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