Kirchenkreis Herford leitet Reformprozess ein – Synergien sollen erzielt und Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden
Aus drei Diakonien soll eine werden

Herford (WB) -

Die gemeinsame Telefonnummer täuscht. Es gibt keine einheitliche Diakonie im Kreis Herford. Das führt zu seltsamen Arbeitsabläufen, Kontrollzuständigkeiten und Kundenkontakten.

Dienstag, 02.02.2021, 05:12 Uhr aktualisiert: 02.02.2021, 05:20 Uhr
Ob die Mitarbeiterin des ambulanten Dienstes von den Diakonischen Stationen oder der Diakonischen Stiftung zum Patienten geschickt wird, ist im Kreis Herford nicht so leicht zu erkennen. Foto: Bracht

Wer sich zum Beispiel in einer der Beratungsstellen des Diakonischen Werkes (134 Mitarbeiter) über die bestmögliche Hilfe für seine an Demenz erkrankte Mutter erkundigt, wird nicht etwa automatisch an die ambulante Hilfe der Diakonische Stationen gGmbH (300 Mitarbeiter) oder an eines der Heime der Diakonischen Stiftung (800 Mitarbeiter) verwiesen. Diakonische Stationen und Diakonische Stiftung sind schließlich zwei voneinander unabhängige Einrichtungen, die auch noch beide ambulante Dienste anbieten.

In Werk, Stationen und Stiftung gibt es drei verschiedene Gesellschafter, drei verschiedene Aufsichtsräte, drei verschiedene Geschäftsführer. Die zusammengenommen 1234 bei der Diakonie beschäftigten Mitarbeiter reichen ihre Urlaubsanträge in drei verschiedenen Verwaltungen ein. Pfarrer Holger Kasfeld, Diakonie-Beauftragter des Kirchenkreises Herford, muss beim Blick in den Spiegel genau prüfen, ob er gerade den Vorstand des Diakonischen Werkes sieht oder den Aufsichtsratsvorsitzenden der Diakonischen Stiftung.

In der Synode des Kirchenkreises begründete Kasfeld die dringende Neuordnung der Diakonie nicht nur mit diesem über die Jahre gewachsenen Durchein-ander. Die Diakonie befinde sich im Wettbewerb zu anderen sozialen Dienstleistern in der Region. Pflegekräfte würden abgeworben, potenzielle Pflegefälle wanderten in neue, innovative Wohnformen ab. Superintendent Dr. Olaf Reinmuth: „Vielleicht muss in Zukunft ja nicht an jedem Ortseingang ein gelbes Haus stehen. In diesem Punkt ist uns Bonitas deutlich voraus.“

In der Synode stellte Karolin Kwickert vom Beratungsbüro Borchers und Kollegen das Ziel und den Sachstand eines schon im April 2020 vom Kirchenkreis eingeleiteten Reformprozesses dar. Ziel ist es demzufolge, bis Ende des Jahres einen konkreten Weg aufzuzeigen, wie eine „Diakonie aus einer Hand“, mit nur einem Gesellschafter, einem Aufsichtsrat, einer Leitung und einer gemeinsamen Verwaltung erreicht werden kann. Einfach beschließen kann der Kreis so etwas nicht – es sind zuvor rechtliche, steuerliche und kirchliche Bedingungen zu prüfen. Holger Kasfeld: „Einziger Gesellschafter dürfte schon vom Gesetz her der Kirchenkreis Herford werden. Doch darüber hinaus müssen auch unsere Gemeinden in die gemeinsame Diakonie eingebunden werden.“

Die am stärksten fortgeschrittene Verwaltung weist die Diakonische Stiftung auf, sie wird aller Voraussicht nach das neue Dach der vereinten Diakonie werden. Doch schon das Diakonische Werk kann da nicht einfach so angeschlossen werden, weil es als Verein organisiert ist und zunächst in eine GmbH umgewandelt werden müsste.

In der digitalen Synode äußerten Chatteilnehmer die Sorge, dass mit den angestrebten Synergieeffekten vor allem Personal abgebaut werden könnte. Dem trat Karolin Kwickert entgegen: „Die Diakonische Stiftung nimmt heute schon externe Hilfe in Anspruch, um alle Verwaltungsaufgaben bewältigen zu können. Für mich sieht es eher so aus, dass in der vereinten Diakonie noch Personal aufgestockt werden müsste.“ Bis März soll ein Feinkonzept, bis Mai ein Zwischenbericht vorliegen. Der Integrationsplan sei bis August zu entwickeln.

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