62-Jähriger stößt bei der Online-Buchung für seine Mutter auf ärgerliche Hürden und Unklarheiten
Irritation über Vergabe für Impftermine

Bünde/Rödinghausen/Kirchlengern (WB) -

Das Chaos um die Vergabe von Corona-Impfterminen verunsichert auch viele Menschen im Bünder Land. So stieß auch ein Leser dieser Zeitung (Name ist der Redaktion bekannt) beim Versuch, Termine für seine über 80-jährige Mutter und seinen Schwiegervater auf ärgerliche Hindernisse.

Mittwoch, 27.01.2021, 05:40 Uhr
Als der 62-Jährige online einen Termin für die Zweitimpfung seiner Mutter vereinbaren will, wird ihm auf dem Monitor angezeigt, dass in seiner „Region aktuell keine Termine“ mehr verfügbar seien. Auch per Telefon konnte er keinen weiteren Termin ausmachen, die Verbindung brach plötzlich ab. Foto: privat

 

„Erst am Montagabend hatte ich es im Internet geschafft, endlich einen ersten Impftermin für meine Mutter zu bekommen. Datum und Uhrzeit hatte ich ausgesucht. Ich war ich wirklich froh, das das geklappt hatte“, schildert der 62-Jährige. Als der dann aber den zweiten Termin vereinbaren sollte, fingen die Probleme an. „Mir wurde dann plötzlich angezeigt, dass für die Zweitimpfung gar keine Termine bei uns im Kreis verfügbar sind. Dabei steht in dem Schreiben vom Kreis, das meine Mutter erhalten hat, und auch im Internet, dass man schon beim Termin für die ersten Impfung zwingend einen Folgetermin nachweisen muss.“

Auch die Nacht verbrachte er vor dem Computermonitor, um noch einen weiteren Termin zu bekommen – aber Fehlanzeige. „Am Dienstagmorgen habe ich es dann telefonisch versucht. Und ich hatte einen Glückstreffer und bin durchgekommen und hatte eine Dame am Apparat. Aber plötzlich war das Telefonat dann weg. Das Netz war wohl überlastet“, schildert der 62-Jährige. Von Bekannten habe er gehört, dass diese ähnliche Probleme bei der Buchung der Impftermine hatten. „Warum macht man die Vergabe der Impftermine bundesweit zentral über eine Nummer und lässt die Landkreise das nicht organisieren? Man hätte doch 30 Mitarbeiter in unser Impfzentrum ans Telefon setzen können. Dann hätte das besser geklappt“, meint er.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in Dortmund sind die Hindernisse bei der Online-Terminvereinbarung, wie sie der Bünder schildert, bekannt. „Es gab technische Probleme, die dazu geführt haben, dass zwar Ersttermine für Impfungen vereinbart werden konnten, aber nicht die notwendigen Zweittermine einige Wochen später“, so ein KV-Sprecherin. Man sei dabei, das Problem zu untersuchen und abzustellen, damit jeder aktuell Impfberechtigte auch einen zweiten Termin bekommt. „Die Bürger, die schon einen ersten Termin haben, müssen nichts weiter unternehmen.“

Nach dem ersten Tag, an dem die über 80-jährigen Bürger des Kreises Herford einen Impftermin vereinbaren konnten, seien bis zum 1. März alle Termine für eine Erstimpfung bereits vergeben worden, heißt es dazu aus dem Kreishaus. Das bedeute konkret, dass mehr als 2700 Menschen, die über 80 Jahre alt sind, bis Anfang März im Impfzentrum – es befindet sich am Bustedter Weg in Enger – mit einer Erstimpfung versorgt werden können.

Wie der Kreis am Dienstag weiterhin mitteilte, sei aufgrund der Probleme bei der KVWL die Online-Terminvergabe für den gesamten Bereich Westfalen-Lippe vorübergehend vom Netz genommen. Per Telefon können weiterhin Termine vereinbart werden. „Da für die nun vereinbarten Erstimpfungen keine Termine für die Zweitimpfung bereit stehen, wurde die Terminbuchung für ab Anfang März ebenfalls blockiert“, teilt Patrick Albrecht von der Pressestelle des Kreises Herford mit.

Landrat äußert Kritik

Die Überlastung der Buchungssysteme für die Schutzimpfungen schaffte eine unruhige Lage und viel Verunsicherung bei den Bürgern, heißt es aus dem Herforder Kreishaus. Das habe auch zu einem massiven Anstieg an Anrufen beim Bürgertelefon geführt. Viele hätten Rat gesucht, weil sie am Telefon und im Online-Portal nicht durchkamen. Dabei sei es in den Gesprächen oft zu emotionalen Reaktionen gekommen – von Wut bis hin zu Verzweiflung und Traurigkeit. Das komplizierte Online-Anmeldeverfahren sei auch kritisiert worden.Dienstag hätten sich die Fragen zu Problemen bei der Terminvergabe für die Zweitimpfung gehäuft. Landrat Jürgen Müller findet es äußerst unglücklich, dass so viele Menschen, die dringend einen Termin vereinbaren möchten, auf so viele Schwierigkeiten stoßen: „Es sind insbesondere die Älteren, die sich durch die Impfungen neue Lebensqualität versprechen. Sie möchten häufiger ihre Familie sehen oder sich mit Freunden treffen. Für viele dieser Menschen ist es der lang ersehnte Ausweg aus der sozialen Isolation. Es sollte nicht sein, dass diese Hoffnung durch die Schwierigkeiten bei der Terminvergabe auf die Probe gestellt wird.“Der Landrat moniert: „Die Kreise und kreisfreien Städte informieren die Bürger trotz kurzfristiger und unzureichend durchdachter Planänderungen des Landes so gut es geht. Umso ärgerlicher ist es dann, dass die Kritik an überlasteten Systemen und komplizierten Anmeldevorgängen bei uns vor Ort ausgefochten wird.“

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