Gegen Übergriffe im Sport: Heimische Vereine stellen an neue Trainer und Übungsleiter besondere Anforderungen
„Nur mit Führungszeugnis“

Bünde (WB) -

Mehr Schutz und Sicherheit für Kinder und Jugendliche auch in Bünder Vereinen – das fordert die CDU im Bünder Stadtrat. Und hatte deshalb den Antrag gestellt, dass die Stadtverwaltung Sportvereine, die eine eigene Kinder- oder Jugendabteilung haben, an einen „Runden Tisch“ bittet. Der zuständige Sportausschuss votierte kürzlich einstimmig für diesen Antrag. Doch wie sehen es die Bünder Sportvereine selber? Das WESTFALEN-BLATT hat bei einigen nachgefragt.

Sonntag, 10.01.2021, 05:15 Uhr aktualisiert: 10.01.2021, 05:20 Uhr
Um Übergriffe auf Kinder und Jugendliche zu vermeiden, orientieren sich einige Bünder Sportvereine inzwischen am Ehrenkodex des Landessportbundes. Foto: Heidrun Riese/dpa

 

Etwa 1300 Kinder und Jugendliche treiben Sport beim Bünder Turnverein Westfalia (BTW). „Das Thema ist für uns nicht neu“, sagt BTW-Geschäftsführer Maxim Wasiljew. Er jedenfalls sei erstaunt gewesen, dass es in der Bünder Kommunalpolitik derzeit beraten werde. Bereits vor drei Jahren sei das Thema innerhalb des Landessportbundes (LSB) ganz groß diskutiert worden.

Der LSB habe einen Ehrenkodex formuliert, der sich an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sport richte, die mit Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen arbeiteten oder sie betreuten. Der Ehrenkodex enthalte zwölf Verpflichtungen. „Dieses Formular unterschreiben alle hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter des BTW“, sagt Wasiljew. Man habe mit diesem Ehrenkodex sehr gute Erfahrungen gemacht. Zusätzlich fordere der Verein ein polizeiliches Führungszeugnis, wenn neue Trainer eingestellt würden. „Von den Übungsleitern und den hauptamtlichen Kräften ist das gut aufgenommen worden, keiner hat es moniert.“

Bislang sei beim BTW auch noch kein einziger Fall von Gewalt in physischer, psychischer oder sexueller Art aufgetreten. „Aber es ist sicherlich ein Thema, über das man immer wieder sprechen sollte.“

Jürgen Bungert, Vorsitzender der Turngemeinschaft Ennigloh (TGE), verweist darauf, dass alle TGE-Übungsleiter sich ebenfalls am LSB-Ehrenkodex orientierten. Die Ziele des Ehrenkodexes seien auch in der TGE-Satzung verankert. Zudem gebe es in der TGE einen Beauftragten, der sich um dieses Thema kümmern würde und als Ansprechpartner zur Verfügung stehe.

„Von jedem neuen Übungsleiter fordern wir darüber hinaus seit einigen Jahren ein polizeiliches Führungszeugnis. Wenn jemand sich weigert, signalisiert er uns damit, dass er möglicherweise keine weiße Weste hat. Dann braucht er für uns nicht zu arbeiten“, stellt Bungert klar.

Die meisten hätten allerdings Verständnis für diese Vorgehensweise. Unterstützung erhalte man dabei von der Stadt Bünde. Die Beantragung eines Führungszeugnisses sei normalerweise gebührenpflichtig – „wir erhalten es aber kostenfrei.“

Beim VfL Holsen sind etwa 200 Kinder aktiv. Schwerpunkt ist Fußball, es gibt aber auch zwei Mutter-Kinder-Turngruppen und eine reine Kinderturngruppe. Wie beurteilt Thilo Schwarz, 1. Vorsitzender des VfL Holsen, den Vorstoß der CDU? „Wir arbeiten grundsätzlich nur mit Trainergespannen sowie Betreuern“, sagt er. Beim VfL gelte: „Es soll nie ein Erwachsener mit Kindern allein in der Kabine sein, spätestens wenn es ums Umkleiden geht, verlassen die Erwachsenen die Kabine.“ Pro Altersklasse habe der VfL Holsen zudem zwei Koordinatoren, die die Trainer entlasten würden und das Gespräch mit den Eltern suchten. Nach Einschätzung von Schwarz seien es oftmals die Eltern, die ihre Sprösslinge arg unter Druck setzten. „Oftmals haben die Eltern vollkommen überzogene Erwartungen. Das ist teilweise schon grenzwertig – und das spiegelt sich auch in der Erwartungshaltung gegenüber den Trainern wider.“ In solchen Fällen von Leistungsdruck würden die Koordinatoren eingesetzt, um ein klärendes Wort mit den Eltern zu reden.

Was mögliche Übergriffe betreffe – „da haben wir kein Papierstück, keine Vorlage.“ Wichtig sei, dass erst gar keine Gelegenheiten dazu entstehen würden. Sollte die Stadt in der Sache zu einem „Runden Tisch“ einladen, werde der VfL Holsen gerne daran teilnehmen, betont Schwarz.

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