Bank erstattet Anzeige gegen Bünder – 29-Jähriger war wohl mit höheren Kontogebühren nicht einverstanden
Ärger nach Drohung auf Banküberweisung

Bünde (WB) -

„Die BWL-Amöbe, die so eine Scheiße verzapft und 10 Euro monatliche Kontoführungsgebühren verlangt, gehört erschossen“: Wegen dieses Satzes auf einer Banküberweisung muss sich ein Bünder bald vor Gericht verantworten. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft hat den Mann wegen Bedrohung angeklagt.

Freitag, 08.01.2021, 05:21 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 05:30 Uhr
Gleich mehrfach soll der Bünder auf seinen Überweisungen, seinen Unmut über die Anhebung seiner Kontoführungsgebühren geäußert haben. Für seine Wortwahl muss er sich bald vor Gericht verantworten – wegen Bedrohung. Foto: Daniel Salmon

 

Scheinbar wusste der 29-Jährige seinem Frust über die Anhebung der Kontogebühren seiner Bank nicht anders Ausdruck zu verleihen. Und vielleicht dachte er auch, seine unflätigen Äußerungen, die er über mehrere Monate im letzten Jahr im Feld „Verwendungszweck“ hinterließ, würden niemandem auffallen.

Taten sie aber anscheinend doch, wie Bündes Amtsgerichtsdirektor Thomas Bröderhausen erklärt: „Mitarbeiter der Bank, die die Umsatzlisten durchsahen, entdeckten die Äußerungen und nahmen sie durchaus ernst.“ Als Konsequenz erstattete die Direktbank mit Sitz in München Anzeige gegen den Bünder. Vor dem Amtsgericht seiner Heimatstadt muss dieser sich nun am 28. Januar verantworten. Wird er verurteilt, droht ihm eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe.

Doch gibt es noch mehr Bankkunden, die ihrem Ärger auf eine solch recht ungewöhnliche Weise Luft machen oder einfach nur lustig sein wollen? Das WESTFALEN-BLATT hat bei der Sparkasse Herford und der Volksbank Herford-Mindener Land nachgehakt. Während Sparkassen-Pressesprecher Peter Platz Fälle wie der des Bünders nicht bekannt sind, hat die Volksbank mit dergleichen Äußerungen bereits Erfahrungen gemacht.

Seit jeher diene die Zeile „Verwendungszweck“ auf Überweisungsträgern dazu, kurz und knapp zusammenzufassen, wofür Kunden Geld überweisen, wie Volksbank-Pressesprecher Andreas Kelch betont. Bei der Zahlung von Rechnungen komme hier oft die Rechnungsnummer zum Tragen. Bei privaten Überweisungen beweisen die Auftraggeber jedoch in seltenen Fällen fragwürdige Kreativität. Und die könne unangenehme Folgen haben.

Grundsätzlich seien Banken verpflichtet, einen reibungslosen Zahlungsverkehr sicherzustellen. Dazu gehöre auch, Unregelmäßigkeiten oder Auffälligkeiten zu erkennen und zu melden. Bei der Volksbank würden täglich mit Hilfe einer Software des Rechenzentrums alle Überweisungen kontrolliert und mit Listen auffälliger Begriffe abgeglichen, die etwa den Verdacht auf Geldwäsche, Terrorfinanzierung, Waffen- und Menschenhandel, Schmuggel oder Prostitution wecken.

Kelch: „Es kommt hin und wieder vor, dass Kunden private Überweisungen mit scherzhaften Verwendungszwecken versehen, um den Empfänger zum Schmunzeln zu bringen. Das mag den Absendern spaßig vorkommen, kann aber zu Problemen führen.“

So fallen auch der Volksbank hin und wieder Überweisungen mit kuriosen Begriffen von „Schutzgeld“ bis „Plutonium“ in die Hände. Und das ruft dann den Geldwäschebeauftragten der Bank auf den Plan. Dieser muss jeden Einzelfall prüfen und ist bei Verdachtsfällen auch verpflichtet, die Polizei einzuschalten. „Das kann bei vermeintlich kleinen Späßen unter Jugendlichen schon mal zu einer unangenehmen Überraschung führen“, sagt Kelch.

Die Volksbank gehe jeder Auffälligkeit nach und spreche durchaus auch Kunden darauf an, wenn ein offensichtlicher Missbrauch des Verwendungszwecks mehrfach vorkomme. „Immerhin bedeutet jede Prüfung eine Verzögerung bei der Abwicklung der Überweisung.“

Die meisten angesprochenen Kunden seien sehr überrascht und äußerst einsichtig. „Wir empfehlen grundsätzlich den sachgerechten Umgang mit der Verwendungszweckzeile. Man möchte doch vielleicht auch selbst noch nachhalten können, wofür man eine Überweisung tatsächlich getätigt hat.“

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