Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger rechtfertigt abrupten Abbruch der Aktion „Weihnachtliches Bünde“
Kein „zweites Bielefeld“ erwünscht

Bünde (WB). -

Der abrupte Abbruch der Aktion „Weihnachtliches Bünde“ hat für verärgerte Schausteller, einen Shitstorm im Internet und viele offene Fragen gesorgt. Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger hat ihre Entscheidung am Montag in einer spontan einberufenen Pressekonferenz begründet.

Dienstag, 01.12.2020, 05:52 Uhr aktualisiert: 01.12.2020, 08:46 Uhr
Auch im Interview mit einem lokalen TV-Sender rechtfertigt Susanne Rutenkröger ihre Entscheidung. Foto: Daniel Salmon

 

Unterm Strich seien es demnach mehrere Faktoren gewesen, die die Rathauschefin veranlasst hätten, die an die Handel Bünde GbR erteilte Genehmigung für die in der Innenstadt aufgestellten Verzehrbuden so kurzfristig zu widerrufen: „Ich habe es mir nicht leicht gemacht und ich hätte es mir anders gewünscht“, beteuert Rutenkröger.

Wie berichtet, hatten die Schausteller ihre in der City verteilten Buden keine 48 Stunden, nachdem sie diese aufgemacht hatten, am ersten Advent auf Geheiß der Bürgermeisterin unverzüglich abbauen müssen.

Vor allem ein Medienbericht sowie der Hype um die Stände in der Bünder City in den Sozialen Medien hätten den Ausschlag gegeben, dass sich Susanne Rutenkröger noch am Samstagabend mit dem Krisenstab des Kreises zu dem Thema beraten habe. „Ich war erstaunt über die Berichterstattung vom vergangenen Samstag und dass die Stände bis zum 31. Dezember in der City bleiben sollten. Ein solcher Termin war nicht abgesprochen.“

In den Sozialen Medien sei daraufhin regelrecht Werbung gemacht worden, nach dem Motto „Kommt alle nach Bünde, hurra es ist Weihnachtsmarkt“, so Rutenkröger. Es habe die Befürchtung bestanden, dass sich die City der Elsestadt mitten im Pandemiegeschehen zu einem Anziehungspunkt für Besucher aus der ganzen Region entwickele.

„Auf Facebook war auch schon die Rede davon, dass die Abstandsregeln in der Fußgängerzone nicht eingehalten wurden. Und wir haben hier bei uns keine Maskenpflicht“, betont die Bürgermeisterin. Szenen wie beim Black-Friday-Andrang in der Innenstadt von Bielefeld mit zahlreichen Corona-Verstößen habe man vermeiden wollen. Es sei wichtig, Kontakte zu reduzieren, um das Infektionsgeschehen im Griff zu behalten. „Wir müssen unsere Bürger in diesen Zeiten schützen“, so Rutenkröger.

Ursprünglich habe sie die Aktion „Weihnachtliche Bünde“ mit Blick auf das Pandemieentwicklung und nach einer Besprechung mit den übrigen Bürgermeistern im Kreis Herford abgesagt. „Wir hatten uns kreisweit nämlich darauf verständigt, keine weihnachtlichen Aktionen stattfinden zu lassen.“

Schließlich habe die Rathauschefin sich aber mit Handel-Bünde-Geschäftsführer Georg Kruthoff darauf verständigt, eine abgespeckte Version der Adventsmeile ohne Alkoholausschank zuzulassen, die auch eigentlich gar nicht als „Weihnachtliches Bünde“ habe firmieren sollen. Die Genehmigung für die Aufstellung der Verzehrstände resultierte noch von Anfang September, als Susanne Rutenkröger noch nicht im Amt war und die Infektionskurve im Griff schien.

„Damals war das jetzige Pandemiegeschehen noch nicht absehbar.“ Aber auch diese Sondernutzungsgenehmigung sei nur auf Widerruf erteilt und zudem mündlich am vergangenen Mittwoch modifiziert worden – vor allem was die zeitliche Schiene und die Zahl der genehmigten Verzehrstände anging. Auch ein Karussell sei nicht genehmigt worden.

Rutenkröger betont, dass es ihr wichtig sei, Schausteller und Einzelhändler zu unterstützen: „Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir aktuell in besonderen Zeiten leben. Bevor eine nicht steuerbare Situation wie in Bielefeld entsteht, galt es, eine Entscheidung zu treffen und das habe ich am Sonntag dann getan.“ Allen Beteiligten sollte bekannt gewesen sein, dass die Sondernutzungserlaubnis jederzeit widerrufen werden könne. „Ich weiß nicht, was da mit den Schaustellern kommuniziert wurde“, so Rutenkröger.

Sie erklärt, dass es nach dem Abbau der Stände nicht nur Kritik gegeben hätte, sondern die Verwaltungschefin auch positive Reaktionen auf ihre Entscheidung bekommen habe.

Offener Brief der Einzelhändler

In einem offenen Brief hat sich der Beirat der Handel Bünde GbR am Montag an Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger gewandt und den Entzug der Genehmigung für die Verzehrbuden in der Innenstadt kritisiert. So sei das weihnachtliche Einkaufen in Bünde in enger Abstimmung mit Rutenkröger geplant und umgesetzt worden. „Aufgrund der aktuellen Situation haben wir uns von vorneherein dazu entschlossen, keinen Weihnachtsmarkt stattfinden zu lassen, sondern lediglich einer sehr begrenzten Anzahl an Schaustellern mit ausreichenden Abständen einen Platz zur Verfügung zu stellen. Den Verkauf von Alkohol haben wir ausgeschlossen. Mit diesem Konzept sollten zum einen die Schausteller unterstützt werden und zum anderen sollte dies zur Belebung, der aktuell sehr frequenzschwachen Innenstadt dienen“, so die HändlerDa die Stände weit voneinander entfernt in der Innenstadt platziert worden seien, sei es an keiner Stelle in der Innenstadt zu Ansammlungen gekommen und Abstände konnten problemlos eingehalten werden. „Wir möchten auch darauf hinweisen, dass diese Entscheidung sehr negative Auswirkungen für die Händler in der Innenstadt mit sich bringt. Auch hier bangen einige um ihre Existenz und sind von starken Umsatzeinbrüchen betroffen. Die Belebung der Innenstadt in diesem kleinen Umfang hätte zu einer verbesserten Umsatzsituation im Weihnachtsgeschäft beigetragen“, moniert der Beirat, dem neben Georg Kruthoff, Christoph Lanvers (Bünder Modehaus), Kerstin Linnenbrügger (Schuhhaus Tiemann), Rudolf Stange (Uhren Optik Stange), Thomas Edmaier (Möbel Lange) und Laura Kemena (Fashionstore, Zeitgeist, Menstore) angehören.

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