Stadt und Planungsbüro aus Hannover befragen Bünder im Internet für neuen Verkehrsentwicklungsplan
Wo es auf den Straßen kritisch wird

Bünde (WB) -

Seit März befasst sich das Hannoveraner Planungsbüro SHP-Ingenieure mit der Verkehrssituation in Bünde. Anhand von Radtouren oder Verkehrszählungen haben sich die Mitarbeiter ein Bild verschafft. Ihr Ziel: Straßen, Wege und den Öffentlichen Personennahverkehr besser und sicherer zu machen.

Mittwoch, 25.11.2020, 05:15 Uhr aktualisiert: 25.11.2020, 10:29 Uhr
Hier wird‘s eng für Radfahrer und Fußgänger: Das Planungsbüro schlägt vor, den Bahnhofstunnel probeweise für Autos und Lkw zu sperren. Foto: Daniel Salmon

Die Stadt Bünde und SHP setzen für den neuen Verkehrsentwicklungsplan besonders auf Meinungen und Hinweise der Bürger. Sie können sich ab Donnerstag bis zum 26. Dezember an einer Umfrage im Internet auf der Seite der Stadt beteiligen.

„Der bestehende Plan ist aus 2012. Wir wollen jetzt auch Umwelt- und Naturschutz verstärkt einfließen lassen“, sagte Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger in einer Videokonferenz mit dem Unternehmen.

Auf den Prüfstand kommen alle Bereiche: Auto- und Fahrradverkehr, Fußwege, Busse, das Unfallgeschehen der vergangenen drei Jahre und selbst Parkmöglichkeiten. „Es geht unter anderem darum, einen effizient organisierten Kfz-Verkehr gezielt zu lenken“, nannte SHP-Geschäftsführer Jörn Janssen ein Beispiel. Immer wichtiger in der Verkehrsplanung werden E-Bikes. Janssen: „Der Radverkehr nimmt an Bedeutung zu, E-Bikes fahren schnell. Dafür braucht man größere und breitere Flächen“, ergänzte er.

Ein Team um SHP-Projektbearbeiterin Melissa Latzel hat sich schon mehrfach in Bünde mit einer Lenkungsgruppe – bestehend aus Vertretern von Politik, Verwaltung, Polizei und Interessenvertretern etwa von Fridays for Future – umgeschaut. „Wir haben zum Beispiel von 5 bis 21 Uhr den Verkehr gezählt und 22 Knotenpunkte in Bünde ausgemacht“, berichtete Latzel.

Ein Ergebnis: Den Bahnhofstunnel passieren in dieser Zeit etwa 900 Fahrzeuge pro Fahrtrichtung sowie etwa 900 Radfahrer. „Wir haben das selbst getestet. Auf dem Rad fühlt man sich da nicht sicher“, sagte die Projektbearbeiterin.

SHP möchte die Stadt Bünde hier ermuntern, im Sommer 2021 für einen Zeitraum von drei Monaten den Tunnel für Lkw und Pkw zu sperren, um zu sehen, ob und wie sich der Verkehr auf anderen Straßen verteilen lässt und so mehr Sicherheit im Tunnel herrscht. SHP-Geschäftsführer Janssen betonte, dass es für verbesserte Angebote auch etwas Mut braucht: „Man muss dem Autoverkehr schon mal auf die Füße treten.“

Bei einer Sternfahrt sei zudem die Situation für Radfahrer analysiert worden. Erkenntnis: „Es gibt viele Konfliktstellen an den großen Knotenpunkten.“ Als Beispiele nannte Latzel Kreisverkehre, der zu schmale Rad- und Gehweg an der Klinkstraße mit zusätzlichen Störquellen wie herausgestellte Mülltonnen oder die Linksabbiegesituation von der Engerstraße aus Richtung Norden in die Kurt-Schumacher-Straße. „Manchmal ist für Radfahrer schwierig zu erkennen, wo der Weg weitergeht“, sagte Melissa Latzel.

Eines der Ziele des neuen Bünder Verkehrsentwicklungsplan ist, „unnötige Autofahrten“ auf bis zu fünf Kilometer langen Strecken zu reduzieren. Jörn Janssen weiß: „Dieses Thema spielt sich im Kopf der Leute ab. Das ist ein längerer Prozess.“ Helfen könnte eine qualitätsvolle Radwegstruktur.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7693867?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514621%2F
Lockdown bis 14. Februar - Abschied von der Alltagsmaske
Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (l, SPD) und der CSU-Vorsitzende Markus Söder kommen zur Pressekonferenz im Bundeskanzleramt.
Nachrichten-Ticker