Gymnasium fühlt sich im Stich gelassen – Schüler nutzen Platz in den Pausen
Maskenpflicht auf dem Marktplatz?

Bünde (WB). Mit ausgefeilten Konzepten versuchen Schulen derzeit, Infektionen mit dem Coronavirus zu vermeiden. So gibt es die Maskenpflicht in den Klassenräumen und auf den Pausenhöfen. Voraussetzung für die Umsetzung dieser Schutzmaßnahmen ist allerdings, dass die Schulleitung auch über das Hausrecht verfügt. Was passiert, wenn dies nicht der Fall, zeigt sich derzeit beim Gymnasium am Markt (GaM).

Dienstag, 10.11.2020, 05:50 Uhr
Teile des Marktplatzes werden vom GaM als Pausenhof genutzt, obwohl es sich um eine städtische Fläche handelt. Die Schulleitung möchten nun, dass die Stadt für diesen Bereich eine Maskenpflicht anordnet, um das Infektionsrisiko zu verringern. Foto: Daniel Salmon

Hier können Schüler während der Pause auch einen Teil des Marktplatzes aufsuchen. Der liegt unmittelbar vor der Haustür. Besonders Oberstufenschüler nutzen diese Gelegenheit. Allerdings: Etliche verzichten darauf, eine Maske zu tragen, obwohl man dicht beiander steht. Der Schulleitung ist dieses Verhalten ein Dorn im Auge. Dagegen machen kann sie derzeit aber wenig. Der Grund: Beim Marktplatz handelt es sich um eine städtische Fläche.

„Das Gymnasium am Marktverfügt als innerstädtische Schule nur über relativ wenig Grundfläche“, beschreibt Thomas Holste-Malavasi, kommissarischer Leiter des GaM, die Situation an seiner Schule. Mit Blick auf die Corona-Pandemie sei man aufgefordert, die einzelnen Jahrgänge zu separieren. „Das ist in den Pausen schwer möglich, weil wir einfach die Flächen nicht haben.“ Der Bereich vor der historischen Schulaula werde schon seit jeher als Ausweichfläche genutzt, gehöre aber zum Marktplatz. „Die jungen Leute wissen, dass es sich dabei nicht um Schulgelände handelt und sie die Maske abnehmen dürfen, wenn sie den Mindestabstand einhalten. Das tun aber nicht alle.“

Für das GaM habe sich dadurch eine paradoxe Situation ergeben. Während auf dem Innenhof alle Masken tragen würden und man genau auf die Einhaltung dieser Maßnahme achte, sei der Schule auf dem Teilstück des Marktplatzes die Hände gebunden. Mit Blick auf das Infektionsgeschehen mache das überhaupt keinen Sinn: „Wenn der Mindestabstand nicht eingehalten wird, muss die Schutzmaske getragen werden.“ Bereits viermal habe er in einem Rundschreiben an die Schülerschaft und die Eltern darauf hingewiesen. „Ich kann aber nichts tun, da ich auf dem Markt kein Hausrecht habe.“

Bereits vor zwei Wochen hat sich Holste-Malavasi deshalb an das städtische Ordnungsamt gewandt. Sein Vorschlag: für diesen Bereich des Marktplatzes an Schultagen die Maskenpflicht einzuführen. Kommunen hätte diese Möglichkeit für Bereiche, die als hochfrequentiert gelten.

Die Antwort des Ordnungsamtes auf sein Ansinnen bezeichnet Holste-Malavasi als sehr zurückhaltend. „Man sagte mir, man habe nicht die Kapazitäten, um das zu kontrollieren.“ Stattdessen solle die Schule darauf hinwirken, dass die Vorgaben eingehalten würden. „Ich schicke doch niemanden aus dem Kollegium auf den Markt und spiele dort die Abstandspolizei“, weist er diesen Vorschlag entrüstet zurück. Sobald die Maskenpflicht erlassen worden sei, könne er das auch gegenüber der Schülerschaft deutlich machen. „Ich bin überzeugt, dass sich die Schüler dann auch daran halten.“ Bünder, die diesen Bereich passierten, würden sich inzwischen die Frage stellen, ob das GaM die Situation nicht im Griff habe. „Das fällt alles auf uns zurück – und dabei haben wir hier keinen Einfluss.“

Er richte deshalb die dringende Bitte an die Stadt, die Maskenpflicht auf dem Marktplatz einzuführen. Denn vor allem montags und mittwochs, wenn die Leistungskurse der Oberstufe stattfinden würden, sei dieser Bereich hochfrequent. „Andere Städte können das doch auch. In Bielefeld beispielsweise wird so etwas regelmäßig kontrolliert.“

Dass das Corona-Schutzkonzept des GaM ansonsten stimmig und wirksam sei, hätten die vergangenen Wochen gezeigt. „Wir haben 960 Schüler. In der vergangenen Woche hatten wir sechs Fälle von Coronainfektionen in Lehrer- und Schülerschaft. Alle haben sich nicht etwa in der Schule angesteckt, sondern im familiären Umfeld“, so Holste-Malavasi. In einer solchen Situation würde das Gymnasium umgehend Sitzpläne über Nahkontakte an die betreffenden Ämter weiterleiten. Die Nahkontakte kämen dann unter Beobachtung.

Und wie beurteilt die Stadtverwaltung diese Situation? Auf eine Anfrage dieser Zeitung teilte die Pressestelle mit, dass eine zeitnahe Beantwortung aufgrund zahlreicher Krankheitsfälle in den zuständigen Ämtern nicht möglich sei.

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