Im WB-Interview spricht Bündes Neu-Bürgermeisterin über anstehende Projekte
Roter Stuhl für Rutenkröger

Bünde (WB). In der Stichwahl konnte sie 54,9 Prozent aller Stimmen auf sich vereinigen: Mit Susanne Rutenkröger ist der Chefposten im Bünder Rathaus erstmals seit 1999 wieder in SPD-Hand. Seit Anfang dieser Woche sitzt sie in dem Büro, aus dem zuvor elf Jahre lang ihr Amtsvorgänger Wolfgang Koch (CDU) die Geschicke der Stadt leitete. Doch was für ein Gefühl ist, nun das Stadtoberhaupt zu sein? Und wie sieht der politische Fahrplan für die kommenden Monate aus? WB-Redakteur Hilko Raske fragte nach.

Donnerstag, 05.11.2020, 05:05 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 05:10 Uhr
Seit Montag sitzt Susanne Rutenkröger auf dem Bürgermeisterstuhl in Bünde. Für die kommenden Monate hat sie sich Einiges vorgenommen. Foto: Hilko Raske

 

Die erste Woche im Rathaus – wie fühlt sich das an?

Susanne: Rutenkröger: Zum einen erfüllt es mich mit Freude, es ist ein sehr gutes Gefühl. Aber ich habe auch Respekt vor der Aufgabe. Dieses Amt ist zugleich herausfordernd, spannend und vielfältig. Vor dem eigentlichen Amtsantritt habe ich schon etliche Stunden im Rathaus verbracht, um über die Dinge des laufenden Geschäfts informiert zu werden. Ich wusste auch schon, wo ich als Bürgermeisterin mein Auto parken darf (lacht). Und an meinen Schreibtisch habe ich einen roten Bürostuhl bekommen – das hat mich auch gefreut.

Sie folgen auf Wolfgang Koch, der dieses Amt elf Jahre inne hatte. Wo sehen sie seine Verdienste?

Rutenkröger: Wolfgang Koch hat sich stets dafür eingesetzt, dass Bünde ein starker Schulstandort ist, der breit und vielfältig aufgestellt ist. Das macht die Stadt für Neubürger attraktiv. Und auch die großen Bauprojekte Bahnhof und Freibadneubau hat er vorangetrieben.

Was wollen Sie als Erstes in Angriff nehmen?

Rutenkröger: Bedingt durch die Corona-Pandemie haben wir derzeit auch in Bünde eine besondere Situation. Die Infektionszahlen steigen. Wir müssen sehen, dass Schutzmaßnahmen konsequent umgesetzt und eingehalten werden. Es ist möglich, dass dafür beispielsweise mehr Personal im Ordnungsamt erforderlich ist. Eine weitere Herausforderung ist die Stadtentwicklung. Die Leerstände in der Innenstadt häufen sich. Hier werde ich das Gespräch mit der Handel Bünde GbR, aber auch mit nicht organisierten Einzelhändlern suchen. Mit Blick auf die verkaufsoffenen Sonntage, die für den Einzelhandel von großer Bedeutung sind, werde ich den Kontakt zur Gewerkschaft Verdi suchen. Und in Sachen Wirtschaftsförderung ist mehr möglich. Ich habe schon Anfragen von Bünder Unternehmen vorliegen.

Welche bauliche Maßnahme der Stadt ist aus Ihrer Sicht derzeit die wichtigste?

Rutenkröger: Neben Freibad und Bahnhof sind es die städtischen Wohnungen. Die Stadt ist im Besitz von etwa 100 Mietswohnungen. Zwei städtische Mietshäuser sollten eigentlich abgerissen werden. Die sollen jetzt aber mit entsprechenden Fördermitteln instandgesetzt werden. Bislang wurde der Eindruck vermittelt, die Stadt habe sich aus diesem Bereich verabschiedet, der Markt werde das schon regeln. So ist das aber nicht. Wir dürfen das nicht den Märkten überlassen.

Als SPD-Bürgermeisterin ist man bei vielen Projekten auch darauf angewiesen, dass man im Rat die entsprechenden Mehrheiten findet. Wo sehen Sie Schnittstellen mit anderen Fraktionen?

Rutenkröger: Wir werden im Vorfeld Gespräche führen und Mehrheiten suchen. Das Parteibuch darf dabei nicht die erste Rolle spielen. Es geht darum, Bünde voran zu bringen.

Die SPD möchte das Cordes-Gelände für kommunale Zwecke nutzen, eine Ratsmehrheit hat sich aber für eine gewerbliche Nutzung ausgesprochen. Wie geht es nun weiter?

Rutenkröger: Wir haben nicht grundsätzlich etwas gegen eine gewerbliche Nutzung. Aber bekanntlich werden für die Stadtbücherei und das Jugendzentrum Atlantis neue Standorte benötigt. Wenn jemand ein tolles Konzept für eine gewerbliche Nutzung des Cordes-Geländes, aber auch für die Bücherei und das Jugendzentrum hat, sind wir gesprächsbereit. Aber bislang ist hier viel zu wenig passiert. Guten Lösungen gegenüber sind wir aufgeschlossen.

Streitthema Feldmarkfriedhof: Plädieren Sie für eine Wohnbebauung auf dem angrenzenden, nicht genutzten Areal?

Rutenkröger: Als SPD sind wir der Meinung, dass die Stadt Eigeninitiative entwickeln muss, wenn es darum geht, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Ich kann die Argumente, die beispielsweise der Nabu gegen eine Bebauung am Feldmarkfriedhof vorgebracht hat, nachvollziehen. Aber die Fläche ist im städtischen Besitz, wir haben hinsichtlich einer möglichen Bebauung große Einflussmöglichkeiten. Zudem ist sie zentral gelegen, die Versorgungsleitungen existieren schon. Wir werden alternative Flächen prüfen – aber uns ist mit Sicherheit nicht damit geholfen, dass wir anderswo nur zehn neue bezahlbare Wohnungen schaffen.

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