Handel Bünde zieht Antrag zurück – Umsatzeinbußen bis zu 50 Prozent befürchtet
Kein verkaufsoffener Sonntag

Bünde  (WB). Einen verkaufsoffenen Sonntag, wie ihn die Handel Bünde GbR für den 29. November beantragt hatte, wird es nicht geben. Einen entsprechenden Antrag, über den der Stadtrat in seiner Sitzung am 5. November entscheiden müsste, ist von der Kaufmannschaft zurückgezogen worden.

Dienstag, 03.11.2020, 22:11 Uhr aktualisiert: 03.11.2020, 22:20 Uhr
Die Fußgängerzone nach dem zweiten Lockdown: Deutlich weniger Passanten sind unterwegs. Das bekommt der Einzelhandel zu spüren. Foto: Hilko Raske

„Der Verkaufssonntag sollte in Kombination mit der Eröffnung von ‚Weihnachtliches Bünde‘, einem Laternenumzug und einem Posaunenkonzert stattfinden. Diese Veranstaltungen wird es nicht geben. Somit fällt der Anlassbezug weg. Deshalb wird es am 29. November keinen verkaufsoffenen Sonntag geben“, sagt Christoph Lanvers, Mitglied im Beirat der Handel Bünde GbR. Lanvers verweist darauf, dass man sich bei diesem Verkaufssonntag nicht am Erlass des NRW-Wirtschaftsministeriums orientiert habe, der es den Kommunen erlaubte, Sonntagsöffnungen auch ohne Verbindung zu Festen oder Märkten zu genehmigen, um den Einzelhandel in Zeiten der Corona-Pandemie zu stärken. Dagegen hatte in den vergangenen Monaten wiederholt die Gewerkschaft Verdi geklagt. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster war der Argumentation der Gewerkschaft gefolgt und hatte zahlreiche Verkaufssonntage verboten. „Wir werden uns sicher nicht noch einmal in die Situation bringen, dass Verdi klagen kann“, so Lanvers.

Der „Lockdown light“ habe spürbare Auswirkungen auf den Bünder Einzelhandel, stellt Lanvers fest, der Geschäftsführer und Mitinhaber des Bünder Modehauses ist. „Die Menschen sind aufgefordert, so wenig Kontakte wie möglich zu haben. Das macht sich in der Innenstadt bemerkbar.“ Die Fußgängerzone sei relativ leer. Auch die Umsätze seien wieder im Sinkflug – ein Minus von 30 bis 50 Prozent zeichne sich ab. Als der erste Lockdown im Frühjahr verordnet wurde, habe man mit Umsatzeinbrüchen von bis zu 50 Prozent gerechnet. „Gottseidank ist das dann nicht so arg eingetreten. Vom Sommer an sah es sogar wieder relativ gut aus, die Branche hat gehofft, mit einem blauen Auge davonzukommen.“ Inzwischen habe sich das Blatt aber gewendet.

Große Teile des Einzelhandel – abgesehen von Ausnahmen wie Baumärkte, die Lebensmittel- und Möbelmärkte – müssten sich auf negative Folgen einstellen. Man hatte eigentlich mit einer Rückkehr zur Normalität im Januar gerechnet. „Das verschiebt sich nun alles bis zur Mitte des kommenden Jahres, bis dahin ist mit Umsatzeinbußen zu rechnen.“ Er wünsche sich, dass dann auch ein Impfstoff zur Verfügung stehe.

Aber hat der Handel jetzt nicht die Möglichkeit, in den kommenden Wochen erneut Verkaufssonntage ohne Anlassbezug zu veranstalten? Immerhin will das Land NRW fünf verkaufsoffene Sonntage in der Vorweihnachtszeit erlauben. So steht in der neuen Schutzverordnung, die vorerst für den November gilt, folgender Absatz: „Zur Vermeidung von Infektionsgefahren durch einen unregulierbaren Kundenandrang an den Wochenenden vor und nach Weihnachten dürfen Verkaufsstellen des Einzelhandels ausnahmsweise zur Entzerrung des Einkaufsgeschehens am 29. November, 6., 13. und 20. Dezember 2020 sowie am 3. Januar 2021 ihre Geschäfte auch sonntags im Zeitraum zwischen 13 und 18 Uhr öffnen.“ Oder, anders ausgedrückt: Verkaufsoffene Sonntage dienen dem Infektionsschutz.

Lanvers sieht das erst einmal skeptisch. „Für uns besteht keine Notwendigkeit, als Erste vorzupreschen“, sagt er. Handel Bünde wolle abwarten, um zu sehen, wie beispielsweise Verdi und die Verwaltungsgerichte das bewerten. „Es macht keinen Sinn, wenn wir kurzfristig Verkaufssonntage bewerben, nur um zu hören, dass Verwaltungsgerichte sie im letzten Moment verbieten.“

Unschöne Szenen

Die Corona-Pandemie habe aber nicht nur wirtschaftliche Folgen. Auch bei der Kundschaft sei es mit Blick auf die Maskenpflicht zu einigen unschönen Szenen gekommen. „Einige Kunden betreten unser Geschäft ohne Maske mit dem Verweis auf ein ärztliches Attest. Wenn ich dann darauf bestanden habe, dass dennoch eine Maske getragen werden muss, bin ich teilweise beschimpft worden und habe beispielsweise zu hören bekommen, dass man bei uns diskriminiert wird.“ Das Bünder Modehaus dürfe man in der jetzigen Zeit nur mit Maske betreten, stellt Lanvers klar. „Unsere Mitarbeiter stehen acht Stunden mit Maske auf der Fläche. Da kann man auch mal erwarten, dass ein Kunde die für 20 Minuten aufsetzt. Wer das nicht will, auf den müssen wir verzichten“, so Lanvers.

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