Kreis prüft derzeit die Genehmigungsanträge – „Linke“ protestiert
Bordell in der Bünder City geplant

Bünde (WB/pab). Das sechste Bordell auf Bünder Stadtgebiet könnte in absehbarer Zeit an der Bahnhofstraße eröffnet werden. Der Antrag zur Genehmigung wird derzeit noch vom Kreisordnungsamt geprüft. Der Kreisverband der „Linken“ hat sich gegen die Planungen ausgesprochen.

Montag, 26.10.2020, 05:46 Uhr aktualisiert: 26.10.2020, 05:50 Uhr
Der Antrag zur Genehmigung eines weiteren Bordells in Bünde wird derzeit noch vom Kreisordnungsamt geprüft. Es wäre das sechste Etablissement dieser Art im Stadtgebiet. Die Linke fordert einen Stopp der Pläne. Foto: dpa

Im Rahmen des Antragsverfahrens werden beispielsweise hygienische Bedingungen vor Ort geprüft, das Betriebskonzept und Sicherheitsmaßnahmen für die Prostituierten, teilt die Kreisverwaltung mit. „Werden hierbei bestimmte Kriterien nicht erfüllt, wird eine Genehmigung nicht erteilt.“

Die „Linke“ stellt sich generell gegen die Eröffnung weiterer Bordelle im Kreisgebiet und begründet dies unter anderem mit einer Forderung nach einem entschiedeneren Vorgehen „gegen organisierte Kriminalität“. Das geht aus einer Pressemitteilung des Kreisverbandes hervor.

„Bünde braucht ein Frauenhaus“

Es gäbe „keinen Grund“, weitere Genehmigungen auszusprechen, so der Sprecher des Stadtverbandes Bünde der Linken und Mitglied im Stadtrat, Alexander Kalteis und verweist darauf, dass bereits fünf Bordelle in Bünde existieren. „Die Linke fordert den Rat der Stadt Bünde und den Kreis Herford auf, hier keine weiteren Genehmigungen zu erteilen. Statt Prostitution weiteren Raum zu geben, ist es wichtiger, den Frauen die Ausstiegsmöglichkeiten aufzuzeigen und auch den Weg in Frauenhäuser zu öffnen. Bünde braucht ein Frauenhaus, das auch für die Opfer von Menschenhandel und Prostitution Platz hat und kein zusätzliches Bordell.“

Dazu teilte die Kreisverwaltung mit: „Der Prostitutionsbetrieb wird durch den Kreis Herford bzw. das Ordnungsamt des Kreises Herford genehmigt. Der Bünder Stadtrat hat auf ein solches behördliches Genehmigungsverfahren keinen Einfluss.“

Die Sprecherin des Kreisverbandes der Linken, Inge Höger, äußerte sich: „Die Beratungsstelle Theodora schätzt, dass 95 Prozent der Prostituierten zur Gruppe der Armutsprostitution aus Mittel- und Osteuropa gehören. Für diese Frauen ist Prostitution kein Beruf, wie so gerne behauptet wird, sondern sie sind Opfer der Verhältnisse und werden in der Regel zur Prostitution gezwungen.“

Prostitution in Deutschland werde „von organisierter Kriminalität beherrscht“. Deshalb solle der Landrat als Chef der Kreispolizeibehörde „gegen Frauenhandel, Sexsklaverei und organisierte Kriminalität im Rotlichtmilieu vorgehen und keine weiteren Bordelle genehmigen“.

Verschiedene Arten der Prostitution

Birgit Reiche, Leiterin der Beratungsstelle Theodora, relativiert diese Mitteilung: Die Beratungsstelle vertrete nicht die Position, dass ein Verbot von Prostitution oder von Bordellen der richtige Weg sei.

Es gäbe einerseits die große Gruppe der Frauen, die Opfer der Lebensverhältnisse ihrer Herkunftsländer seien und die Schwierigkeiten hätten, auf dem Arbeitsmarkt dort Fuß zu fassen. Einige dieser Frauen würden versuchen, für sich und ihre Kinder ein besseres Leben zu ermöglichen und wählten dazu auch eine Zeit lang die Prostitution.

Und es gibt eine Gruppe der Opfer von Menschenhandel, die Opfer von Straftatbeständen: „Den Rückschluss, dass, wer Bordelle verbietet, auch organisierte Kriminalität bekämpfe, halte ich für einen Mythos“, so Reiche gegenüber dieser Zeitung. Auf diese Art würden die unterschiedlichen Gruppen von Menschen, die sich prostituieren, in einen Topf geworfen.

Bei Kontrollen ist „Luft nach oben“

Die Beratungsstelle „Theodora“ positioniert sich neutral zu der Möglichkeit, dass ein weiteres Bordell in Bünde eröffnet wird. Statt eines Verbots bedürfe es der Kontrollen, dass die vorhandenen Regeln gemäß dem Prostituiertenschutzgesetz eingehalten werden – Regeln, die etwa die Hygiene und das Arbeitsrecht betreffen.

Auch müssten Kontrollen durchgeführt werden, um mögliche Täter von Verbrechen gegen Prostituierte zu überführen. Bei der Anzahl dieser Kontrollen sei „Luft nach oben“, der auf Personalmangel bei den zuständigen Kriminalpolizeibehörden zurückzuführen sei.

Neben der Notwendigkeit, dass Behörden die Einhaltung der Gesetze kontrollieren, so Reiche, brauche es eine „vernünftig abgesicherte soziale Arbeit“. Beratungsstellen wie „Theodora“ oder „Nadeschda“ (für Opfer von Menschenhandel) versuchen, in den Status einer dauerhaften Finanzierung durch Kommunen zu gelangen.

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