Kruthoff: Corona und fehlende Laufkundschaft sind das Problem – CS Trading eröffnet
Immer mehr Geschäfte müssen schließen

Bünde (WB). „Ihr Teeladen“ gibt nach 16 Jahren zum 31. Dezember auf, die Leseecke und Esprit werden schließen. Die Gaststätte Themenwechsel ist schon dicht. Jetzt steht fest: Auch das Bekleidungsgeschäft Bonita wird seinen Standort in Bünde aufgeben. Und die Corona-Krise wird es wohl für die weiteren Geschäfte sehr schwer machen.

Mittwoch, 21.10.2020, 05:58 Uhr aktualisiert: 21.10.2020, 06:02 Uhr
In das einstige Ladenlokal von Easy Living zieht für mindestens drei Monate CS Trading ein – ein Geschäft für Küchen- und Gastronomie-Bedarf. Foto: Kathrin Weege

Doch woran liegt es? Ist es allein die Corona-Pandemie? „Zum einen fehlt die Frequenz an Laufkundschaft“, sagt Georg Kruthoff von Handel Bünde. Auf der anderen Seite sieht er eine Hauptursache sehr wohl bei Corona. „Das Problem ist die Relation von Einnahmen und Ausgaben. Auch in Corona-Zeiten haben die Geschäftsleute weiter laufende Kosten wie die Miete“, ergänzt er. In einigen Fällen mögen Vermieter den Mietern entgegengekommen, die Regel ist es aber sicher nicht. „Gleichzeitig besuchen immer weniger Kunden die Läden – aus Sorge vor einer Infektion oder weil sie im Internet einkaufen“, so Kruthoff. Beschweren sich die Bürger über Leerstände in der City, müsse man sagen: „Sie haben nicht genug eingekauft“, bringt es Kruthoff auf den Punkt.

Mieten von 450 bis über 3900 Euro

Die Mieten in der Eschstraße variieren von 450 bis über 3900 Euro. Zu finden sind diese Preise auf Internetplattformen, wo die Ladenlokale angeboten werden. So muss man beispielsweise für das Geschäft, in dem noch die Modekette Esprit ist – diese Filiale schließt auch bald – 3900 Euro zahlen. Auch das Ladenlokal, aus dem sich zu Jahresbeginn der Textildiscounter Zeeman verabschiedet hat, ist zu haben: 3000 Euro für 300 Quadratmeter. „Natürlich kann ich auf der anderen Seite auch die Vermieter verstehen, die in ein Objekt investiert haben und ihre Finanzierung mit den Mieten aufrecht erhalten müssen“, sagt Kruthoff. Viele der Ladenlokale seien modern und attraktiv, es gäbe aber immer noch einige, wo renoviert werden müsste.

„Zu lange Einkaufsstraße“

Kruthoff sieht zudem ein Problem in der langen Einkaufsstraße von 1,8 Kilometern (von Esch- bis zum Ende der Bahnhofstraße). „Experten sagen, dass das für Bünde und das Umland deutlich zu viel ist. 700 Meter wären angebracht.“ Diese Länge entspräche dem Stück von der Elsebrücke in der Bahnhofstraße bis zum Bünder Modehaus. „Ich hatte einen Antrag gestellt, dass der Bebauungsplan geändert wird. Von der Elsebrücke bis Wasserbreite soll auch Wohnraum zulässig werden – nicht nur Geschäfte“, erklärt Kruthoff. Diesem Antrag hatten in der Ratssitzung am 3. September alle Fraktionen zugestimmt.

CS Trading eröffnet

Es gibt aber auch gute Nachrichten für die Eschstraße. Marcus Cloer eröffnet im einstigen „Easy Living“ einen Laden für Küchen- und Gastronomie-Bedarf. CS Trading geht am 30. Oktober an den Start. „Wir haben Pfannen, Töpfe, Messer und Geräte im Angebot. So ein Geschäft fehlt in der Innenstadt noch“, sagt Cloer. Zunächst will er nur drei Monate öffnen. „Für gewöhnlich sind wir viel auf Messen unterwegs – vor allem im Bereich Jagd – und haben außerdem einen Online-Shop. Doch Messen haben in diesem Jahr kaum stattgefunden.“ Da kam dem Bünder, dessen Geschäft schon 15 Jahre besteht, die Idee, es mit einem festen Standort in der City zu versuchen. Schon jetzt bleiben Passanten vor dem Schaufenster stehen und blicken ins Innere. „Noch sind nicht alle Waren eingeräumt“, sagt der 57-Jährige und freut sich auf die Eröffnung.

Kommentar

„Geht in der Stadt einkaufen – sonst können die Läden nicht überleben!“ So einfach ist die Rechnung. Eigentlich. Doch ein Stück weit kann man die Bürger verstehen, wenn sie in Pandemie-Zeiten lieber online shoppen. Das erscheint sicherer. Doch wer auch nach Corona eine lebendige City erleben möchte, der muss vor Ort einkaufen. Gerade jetzt. Schließlich haben die Geschäftsinhaber alles für die Sicherheit der Kunden getan. Es wird auf Abstände geachtet, Desinfektionsmittel steht bereit. Und jeder sollte selber aufpassen, dass er in der Innenstadt Abstand hält – manchmal muss man sich dann eben etwas gedulden, wenn gerade jemand anders vor einem Schaufenster steht.

 

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