Beim Teilabriss des Bünder Bahnhofsgebäudes ist eine ruhige Hand gefragt
Feinarbeiten mit dem Baggergreifer

Bünde (WB). Für ein Pressefoto steigt zwar noch Bürgermeister Wolfgang Koch in die Kabine des tonnenschweren Abrissbaggers. Die eigentliche Arbeit überlässt das Stadtoberhaupt aber den Experten des Meller Unternehmens Rolker. Denn beim Abbruch des Mittelteils des Bünder Bahnhofs ist eine ruhige Hand gefragt.

Samstag, 10.10.2020, 05:20 Uhr aktualisiert: 10.10.2020, 05:50 Uhr
Bürgermeister Wolfgang Koch hat im großen Abbruchbagger des Meller Abrissunternehmens Rolker Platz genommen – allerdings nur für das Pressefoto. Die eigentliche Arbeit überlässt er lieber den Spezialisten. Foto: Daniel Salmon

Schließlich soll im Zuge der Sanierung nicht das komplette Empfangsgebäude dem Erdboden gleichgemacht werden. Die beiden markanten und stadtbildprägenden Giebelbauten bleiben erhalten, dürfen während des Abbruchs somit nicht beschädigt werden. „Dank der Türme behält der Bahnhof seine bekannte Silhouette und somit seinen Wiedererkennungswert“, erklärt Mario Schurbohm vom Lübbecker Planungsbüro BKS Architekten, von dem die Entwürfe für den teilweisen Neubau stammen. Laut BKS-Bauleiter Ulrich Stach müsse der Baggerfahrer daher sein ganzes Können in die Waagschale werfen: „Da ist echte Filigranarbeit gefragt.“

Teilabriss des Bünder Bahnhofs

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  • Teilabriss des Bünder Bahnhofs
Foto: Daniel Salmon
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Aber nicht nur schweres Gerät kommt zum Einsatz. „Die Stahlträger, die die Giebelbauten mit dem mittleren Gebäudeteil verbinden, werden freigelegt und dann mit einem Brennschneider durchtrennt“, so Stach. Zudem würde die Maßnahme von einem Abbruchstatiker begleitet.

Bürgermeister Koch ist einfach nur froh, dass es am Bahnhof endlich wieder vorangeht. Denn wie berichtet, waren die Arbeiten zwischenzeitlich ins Stocken geraten. Ursprünglich sollte mit dem Abriss schon in diesem Frühjahr begonnen werden. Aber der Termin verschob sich. Dann sprang auch noch das ursprünglich beauftragte Abbruchunternehmen ab. Koch: „Aber zum Glück haben wir schnell Ersatz gefunden.“

Fertigstellung Ende 2021

Auswirkungen auf den ursprünglichen Zeitplan gab es aber trotzdem. So geht man vonseiten der Stadtverwaltung aktuell davon aus, dass das neue Gebäude erst Ende 2021 eingeweiht werden kann . Bislang hatte man den Frühsommer kommenden Jahres angepeilt.

Bei den Verzögerungen habe aber auch die Corona-Krise eine Rolle gespielt, wie Günther Berg, Vorstand der Bünder Kommunalbetriebe, denen das Gebäude gehört, ausführt. Demnach habe sich das Pandemiegeschehen auch auf die Beschaffung wichtiger Bauelemente, die teils im Ausland gefertigt werden, negativ ausgewirkt: „Da kann es in dieser Zeit schon zu monatelangen Lieferzeiten kommen.“ Auch Architekt Schurbohm betont mit Blick auf die nun angestrebte Zeitschiene sämtliche Puffer seien aufgebraucht. „Es handelt sich um ein altes Gebäude. Wenn man so etwas umbaut, muss man immer mit Unwägbarkeiten rechnen.“

Wie – und ob überhaupt – sich die längere Dauer der Maßnahme auf die veranschlagten Kosten von rund 2,4 Millionen Euro auswirke, stehe noch nicht abschließend fest, so Günther Berg. Bis jetzt seien 30 Prozent des Budgets verbraucht: „Und erst im Januar werden wir die restlichen Gewerke ausschreiben. Dann können wir sagen, ob es Kosten-Über oder -Unterschreitungen gibt.“

Trotz aller Widrigkeiten ist sich Bürgermeister Koch sicher, dass der fertige Bahnhof in knapp einem Jahr ein würdiges Entrée für die Stadt abgeben werde.

So geht es nun weiter

Laut Architekt Mario Schurbohm werden die Abbrucharbeiten noch bis Ende dieses Monats andauern. Ab November sollen dann die Rohbauarbeiten starten, die sich bis in den April 2021 hinziehen werden. Die Neubauten zwischen und neben den Giebeltürmen werden mit Corten­stahl verkleidet.

Der besondere Clou der Fassade: In den Wänden befinden sich Löcher, durch die Tageslicht in die Halle dringen kann. „Und nachts dringt die Bahnhofsbeleuchtung nach außen. Das wird ein toller Anblick“, ist sich Mario Schurbohm sicher. Die Optik der Fassade soll zudem an die Form von früheren Zigarrenpressen erinnern – eine Hommage an die Tabakindustrie, die Bünde lange prägte.

Die jeweils obere Etage der Giebeltürme wird zurückgebaut. Das Innere des – barrierefreien – neuen Bahnhofs erhält somit einen großzügigeren Charakter. Fest steht, dass Karlchens Backstube einen Teil der Immobilie anmietet. Daneben gibt es den DB-Ticketshop, der derzeit in einem Container untergebracht ist. Für einen weitere Ladenfläche (100 Quadratmeter) wird noch ein Pächter gesucht. „Das könnte eine Bahnhofsbuchhandlung sei oder etwas ähnliches, das Bahnreisenden einen Mehrwert bietet“, sagt KBB-Vorstand Günther Berg.

 

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