Nach schlechter Lieferando-Bewertung: Kunde (33) bedroht Imbissbetreiber – Bewährungsstrafe
Streit um kalten Döner landet vor Gericht

Bünde (WB). Ein angeblich kalter Döner, eine schlechte Essenskritik auf dem Internetportal Lieferando, ein streitbarer Imbissbetreiber und ein Hang zu Messern haben einem 33-Jährigen Bünder eine sechsmonatige Freiheitsstrafe – ausgesetzt zur Bewährung – eingebrockt.

Freitag, 02.10.2020, 06:00 Uhr
Weil sein bestellter Döner kalt war und er das in seiner Lieferando-Bewertung vermerkte, war der Angeklagte mit dem Inhaber des Lieferdienstes in Streit geraten Foto: dpa

Es ist nicht das erste Mal, dass der Mann, der sich seit frühester Jugend für Waffen begeistern kann, vor dem Amtsgericht der Elsestadt steht. 2017 hatte er an gleicher Stelle eine zwölfmonatige Freiheitsstrafe kassiert. Damals ging es um schwere Körperverletzung, begangen mit einem Messer. Am Donnerstagmorgen wirft ihm die Staatsanwaltschaft „nur“ Bedrohung vor. Tatwaffe ist ein sogenanntes Neck-Knive mit einer fünf Zentimeter langen Klinge.

Zugetragen haben sich die Ereignisse, die Gegenstand der rund eineinhalbstündigen Verhandlung sind, am zweiten Weihnachtsfeiertag des vergangenen Jahres, zur Mittagszeit. Wie die Staatsanwältin ausführt, hatte sich der Angeklagte an jenem Tag einen Döner bei einem Bünder Pizza-Lieferdienst bestellt, dafür das Internetportal Lieferando genutzt. Ein Fahrer brachte die Bestellung auch prompt vorbei. Nach Meinung des 33-Jährigen war das Essen aber kalt: „Ich musste es in der Mikrowelle aufwärmen.“ Dieses Manko vermerkte er später bei einer Bewertung auf Lieferando.

Gastronom fährt in „Protzkarre“ vor

Die Kritik schien dem Imbissbetreiber (22) nicht zu schmecken. Laut Anklageschrift suchte er seinen Kunden zu Hause auf. Es kam zum Streit, bei dem der Bünder ein Messer zückte und seinen Kontrahenten bedrohte. Der Lieferservice-Inhaber flüchtete aus dem Mehrparteienhaus. Der Angeklagte setzte dem Fliehenden kurz nach und drohte, dass er ihm „eine Kalaschnikow in den Arsch rammen“ werde.

Gleich zu Prozessbeginn räumt der 33-Jährige die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zwar ein, liefert aber auch eine eigene Version des Tattages. So habe der Imbissbetreiber ihn nach der schlechten Lieferando-Rezension mehrfach angerufen. „Ich sollte die Bewertung wieder löschen, weil sie geschäftsschädigend sei. Das konnte ich aber gar nicht. Er wurde dann aggressiv, wollte bei mir vorbeikommen, um die ganze Sache zu klären.“ Der Gastronom sei dann mit seiner „Protzkarre“ vorgefahren.

Während der folgenden Diskussion soll er laut dem Angeklagten beleidigend geworden sein und eine Faust gehoben haben: „Ich dachte, er schlägt zu.“ Der Angeklagte habe sich in einer Gefahrensituation gesehen, sein Messer gezogen und dem Opfer damit gedroht. „Ich kann nicht riskieren, mich in eine Schlägerei zu begeben. Das kann potenziell tödlich für mich enden“, so der 33-Jährige, der tatsächlich an einer schweren chronischen Erkrankung leidet, daher erwerbsunfähig sei, unter gesetzlicher Betreuung steht und teils auf ambulante Unterstützung angewiesen ist. Der Gastronom sei daraufhin geflohen.

Anklage fordert kurze Haftstrafe

Das Opfer stellt den Hergang etwas anders dar. „Ich wollte ihm das Geld zurückgeben, wenn er die schlechte Kritik wieder löscht.“ Bedroht oder beleidigt haben will er seinen unzufriedenen Kunden nicht. Allerdings offenbart der Imbissbetreiber während der Beweisaufnahme auch einige Erinnerungslücken, spricht unter anderem von einem 30 Zentimeter langen Brotmesser als Tatwaffe, reagiert auf Nachfragen von Pflichtverteidiger Andreas Stuke gereizt. Kurios: Zwar schilderte der Mann den Vorfall kurz nach seiner Flucht vor dem Angeklagten der Polizei, anzeigen wollte er 33-Jährigen aber nicht. „Es war ja nichts passiert. Die Beamten sagten aber, sie müssten von sich aus tätig werden.“

Letztlich sieht die Staatsanwältin die Vorwürfe gegen den 33-Jährigen als bestätigt an, plädiert aufgrund des Geständnisses und einer günstigen Sozialprognose für den Angeklagten aber auf eine kurze Freiheitsstrafe von drei Monaten – ausgesetzt zur Bewährung – sowie 80 Sozialstunden. Die Richterin geht in ihrem Urteil am Ende über diese Forderung hinaus und verfügt zudem, dass der Bünder keinerlei Waffen – egal ob erlaubnispflichtig oder nicht – mehr besitzen darf. Sie merkt zudem an, dass die ganze Situation zumindest teils auch vom Imbissbetreiber provoziert wurde. Es sei unklar geblieben, warum er die Internet-Bewertung zum Anlass nahm, einen Kunden zuhause aufzusuchen.

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