Nach Stichwahl: Parteien wollen Gespräche aufnehmen
Ist Rot-Rot-Grün eine Option für den Bünder Stadtrat?

Bünde (WB). Seit Sonntagabend steht fest: Mit Susanne Rutenkröger hat nun wieder eine Sozialdemokratin im Bünder Rathaus das Sagen. Klar ist aber auch: Für ihre Ideen wird sie sich im neuen Rat, in dem sieben Parteien vertreten sein werden, Mehrheiten suchen müssen. Wäre Rot-Rot-Grün ein Option?

Montag, 28.09.2020, 18:00 Uhr
Blick in den Bünder Ratssaal: Sollten es die Corona-Einschränkungen zulassen, wird hier wieder das 48-köpfige Stadtparlament tagen. Derzeit wird der Saal nur für Ausschusssitzungen genutzt. Foto: Daniel Salmon

Jedenfalls will die SPD, die 14 Ratsmandate hat und dazu nun auch die Bürgermeisterstimme, schleunigst Sondierungsgespräche führen, um mögliche Schnittmengen mit anderen Parteien auszuloten. Gemeinsam mit den Stimmen von Grünen (neun Mandate) und den Linken (zwei Mandate) könnten die Genossen im neuen, 48-köpfigen Stadtparlament wichtige Entscheidungen jedenfalls schnell durchwinken, „Uns geht es vorrangig um Sachthemen. Und wenn es welche gibt, die man gemeinsam mit anderen Fraktionen voranbringen kann, sollte man keine demokratische Partei bei den Gesprächen außenvorlassen“, sagt die derzeitige SPD-Fraktionschefin Andrea Kieper. Zunächst wolle man in der Sache aber noch die konstituierende Fraktionssitzung abwarten. Kieper will dabei erneut als Fraktionsvorsitzende kandidieren, sagt aber auch: „Es wäre für mich aber auch kein Beinbruch, wenn ich es nicht werde.“

Linke begrüßen Wahl

Zwar haben die Grünen viele ähnliche Themen wie die SPD auf ihrer Agenda. „Und wir werden auch das Gespräch suchen“, so Fraktionssprecherin Stefanie Janßen-Rickmann, die Neu-Bürgermeisterin Rutenkröger noch am Stichwahlabend zu derem „tollen Ergebnis“ telefonisch gratuliert hatte. Eine Koalitionsaussage zugunsten der SPD schließe sie aber aus. „Ich bin persönlich der Meinung, dass man auf kommunaler Ebene sachbezogen arbeiten muss. Gleichwohl haben wir in unseren Wahlprogrammen viele ähnliche Themen, so dass wir uns gegenseitig unterstützen können.“ Auch Janßen-Rickmann wolle sich wieder um den Vorsitz ihrer Fraktion bewerben: „Ob ich gewählt werde, steht aber auf einem anderen Blatt. Wir haben viele gute Leute.“

Die Linken begrüßen „aus ideologischen Gesichtspunkten“ Rutenkrögers Wahl. „Wir hoffen, dass wir mit der SPD vor allem in sozialen Fragen zusammenkommen können“, sagt Neu-Ratsmitglied Alexander Kalteis und dürfte damit vor allem ähnliche Interessen in Sachen Sozialer Wohnungsbau meinen.

Bei der CDU hat man derzeit den Stichwahlfrust zumindest etwas verdaut. „Trotz der Niederlage bei der Stichwahl sind wir natürlich an einer konstruktiven Zusammenarbeit im Rat zum Wohle der Stadt interessiert. Bei der Ratswahl haben wir 15 von 20 Wahlkreisen direkt geholt und haben eine Verantwortung gegenüber unseren Wählern und den Bünder Bürgern“, sagt Georg Kruthoff, der sich erneut um den Vorsitz seiner Fraktion bewerben will.

UWG zurückhaltend

FDP-Ortsverbandschef Martin Lohrie sieht bei seiner Partei weiter eine große inhaltliche Nähe zur CDU. Die Liberalen (zwei Ratssitze) wollen trotzdem auch wieder eigen Akzente setzen. Angesprochen auf die neue SPD-Bürgermeisterin sagt Lohrie: „Wir müssen mal schauen, ob sie ihre Versprechungen der letzten zwei Wahlkampfwochen einhalten kann. Mir fehlt der Ansatz, wie alles finanziert werden kann, was nun künftig kostenfrei werden soll – etwas die Kita-Plätze.“

Zurückhaltend gibt sich derzeit die UWG (drei Ratsmandate) zur Bewertung der Gesamtsituation in der Bünder Polit-Landschaft: „Wir müssen in den nächsten fünf Jahre damit klar kommen“, sagt Vorsitzender Uwe Blomeier.

Seitens der AfD (drei Sitze im Rat) hätte man sich – aufgrund „inhaltlicher Gemeinsamkeiten“ beider Partien – lieber einen CDU-Bürgermeister für Bünde gewünscht. „Aber wir wünschen Frau Rutenkröger, die nun viel Verantwortung hat, alles Gute und hoffen auf eine gute Zusammenarbeit“, sagt Vitalij Kaiser, AfD-Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl.

Lukas Heimann (23) rückt in den Stadtrat nach

SPD-Neubürgermeisterin Susanne Rutenkröger war mit ihrem doch überraschend deutlichen Triumph zwar die große Siegerin des Stichwahlabends am vergangenen Sonntag. Aber es gab bei den Sozialdemokraten noch einen zweiten Gewinner, der mit einem breiten Lächeln im Gesicht in der Gaststätte Erdbrügger feierte: Lukas Heimann. Der 23-Jährige profitierte von Rutenkrögers Wahlsieg, indem er über die Reserveliste seiner Partei nun in den Rat rutschte. „Bis heute Abend war ich noch jüngstes Mitglied im Stadtparlament. Nun ist das Lukas“, sagte am Sonntag daher auch Philipp Kollmeier (SPD), der mit seinen 24 Jahren bis dahin jüngster Mandatsträger im neuen Stadtrat war.

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