BTW fühlt sich für Wahlkampfzwecke missbraucht – Partei spricht von Missverständnis
Bünder Sportverein verärgert über AfD-Flyer

Bünde (WB). Der BTW Bünde, mit rund 3300 Mitgliedern größter Verein in der Elsestadt, ärgert sich über einen Wahlkampfflyer, den die AfD in Umlauf gebracht hat. Der Vorstand spricht von einem Missbrauch für Wahlkampfzwecke.

Mittwoch, 09.09.2020, 05:50 Uhr
Die Punkte 13 und 14 des Wahlprogramms der Bünder AfD finden sich nur auf den gedruckten Flyern, die nun verteilt wurden. In der Internetfassung wurden sie entfernt. Foto: Daniel Salmon

Stein des Anstoßes war das vor wenigen Tagen zunächst nur auf Facebook veröffentlichte Programm der Bünder AfD zur Kommunalwahl am 13. September. Dazu teilt der BTW mit: „Die sogenannte Alternative für Deutschland wirbt in ihrem Wahlprogramm unter anderem mit den Worten: ‚Wir stehen hinter dem Bünder Turnverein Westfalia (BTW) und unterstützen diesen.‘“ In der letzten Woche waren dann Flyer mit dem Wahlprogramm und genau jenem Wortlaut an zahlreiche Bünder Haushalte verschickt worden.

BTW ist überparteilich

„Die Verbindung des BTW mit der AfD führte bei Bürgern und vielen Mitgliedern des Vereins zu Irritationen. Nachdem das Wahlprogramm im sozialen Netzwerk entdeckt wurde, hatte sich der Verein davon auf seiner Internetseite und Facebookseite prompt distanziert“, so die BTW-Offiziellen. Da die Verbreitung des Wahlprogramms allerdings nun größere Ausmaße angenommen habe, sei eine weitere Klarstellung erforderlich. „Ich wurde tatsächlich von vielen unserer Mitglieder wegen dieser Flyer angesprochen“, erklärt Maxim Wasiljew, Geschäftsführer des BTW. Der Aufschrei sei groß gewesen, daher habe man sich dafür entschieden, in der Sache den Weg an die Öffentlichkeit zu suchen.

Zwar habe der BTW „grundsätzlich Interesse daran, dass die Politik die ortsansässigen Sportvereine, nicht nur den BTW, unterstützt“. „Dabei ist es aber Tradition, dass der BTW absolut überparteilich ist und von den jeweiligen Parteien vollkommen unabhängig agiert. Dass er von einer Partei, wie jetzt von der AfD,  vor den Karren gespannt wird, hat es in der Historie des BTW noch nie gegeben und verbietet sich auch für die Zukunft“, teilt der Vereinsvorstand daher mit. So habe der BTW weder um eine Unterstützung der AfD gebeten, noch eine solche erhalten: „Der Vorstand des BTW stellt mit Entschiedenheit klar, dass eine Unterstützung des BTW durch die AfD ausdrücklich abgelehnt wird.“

Von Druckerei falsch übernommen

Vonseiten der Bünder AfD wird in der Sache von einem Missverständnis gesprochen. „Wir haben den BTW stellvertretend für alle Bünder Vereine gemeint, die unterstützenswert sind. Wir hätten auch den FC Muckum nehmen können. Der BTW ist aber immerhin der größte Verein hier vor Ort“, sagt Vitalij Kaiser, Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland in der Elsestadt. Nachdem es aber zahlreiche negative Reaktionen in den sozialen Netzwerken wegen des Wahlprogramms gegeben habe, sei der kritisierte Passus in der Netzversion entfernt worden.

Die Verteilung der Flugblätter mit der ersten Version des Wahlprogramms habe allerdings nicht mehr gestoppt werden können. „Die Flyer mit den ursprünglichen Formulierungen waren aber bei einer Druckerei in Düsseldorf falsch übernommen und von dort aus an die Bünder Haushalte verschickt worden. Das ist blöd gelaufen“, so Kaiser.

Was auffällt: Es ist existiert im AfD-Programm bereits ein eigener Punkt, in dem die Stärkung der Bünder Vereine, der Freiwilligen Feuerwehren und des THW im allgemeinen gefordert wird.

Auch „Muezzinruf“ entfernt

In der neuen Fassung des Programms der Bünder AfD im Internet ist übrigens nicht nur die vom BTW kritisierte Passage entfernt worden. Auch ein Statement, das dazu aufruft, dass es künftig keinen Muezzinruf in Bünde geben soll, „da dieser nicht Teil der Religionsausübung ist“ und nicht zur Bünder Alltagskultur gehöre, ist lediglich auf den gedruckten Flyern zu finden.Allerdings hatte die Bünder Ditib-Gemeinde, deren Moschee gerade neu gebaut wird, auch erst kürzlich erklärt, auf einen Muezzinruf ohnehin verzichtenzu wollen.

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