Stadtverwaltung legt Bericht zur sozialen Lage in Bünde vor
70 Seiten voller Fakten

Bünde (WB). Wie viele Familien mit Kindern leben in Bünde? Wie hat sich die Einwohnerzahl in den vergangenen Jahren entwickelt? Und wie viele Senioren beziehen eine Grundsicherung im Alter, weil die Rente nicht reicht? Fragen zu diesem Thema liefert ein gut 70-seitiger Bericht, den die Stadtverwaltung nun unter dem etwas sperrigen Titel „Sozialmonitoring der Stadt Bünde 2019“ veröffentlicht hat. Das umfangreiche Datenwerk, das Dezernent Günther Berg gemeinsam mit den beteiligten Fachämtern im Rathaus vorstellte, soll Aufschluss geben über das soziale Leben in der Elsestadt und den Blick für mögliche Entwicklungen schärfen.

Mittwoch, 09.09.2020, 05:20 Uhr
Die Nachfrage nach Kitaplätzen in Bünde ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Das geht aus dem Sozialbericht der Stadt hervor. Foto: dpa

Es habe bereits in den vergangenen Jahren unterschiedliche Statistiken dazu gegeben – beispielsweise den städtischen Sozialreport, informierte Berg. Im vorliegenden Bericht, der künftig einmal jährlich herausgebracht werden soll, habe man aber die Bereiche Soziales, Jugend und Schule zusammengefasst. „Das ermöglicht eine Diskussion über soziale Fragen in Bünde auf Basis von Fakten.“

Den Auftakt macht im neuen Bericht die Entwicklung der Einwohnerzahlen. Die haben sich in den vergangenen 15 Jahren erstaunlicherweise nur geringfügig verändert. Konnten 2004 46.425 Einwohner gezählt werden, waren es im vergangenen Jahr 45.344. „Dieser Rückgang war zu erwarten, fiel jedoch deutlich geringer aus als zuvor prognostiziert.“ Bis zum Jahr 2040 werde in Bünde mit einem Rückgang von 3,4 Prozent gerechnet.

Das Sozialmonitoring gibt auch einen Aufschluss über die Altersstruktur in der Stadt. So ist ein großer Teil der Bünder zwischen 50 und 63 Jahre alt. Insgesamt 9042 Einwohner sind 21 Jahre oder jünger. Die Zahl ausländischer Kinder, Jugendlicher und Heranwachsender hat sich seit 2014 praktisch verdoppelt: von 487 auf 855. Der größte Stadtteil ist erwartungsgemäß Bünde-Mitte (10.690 Einwohner im vergangenen Jahr), der kleinste Muckum (679).

Interessant auch ein Blick auf Eheschließungen und Scheidungen. Sind 2012 noch 218 Ehen in Bünde geschlossen worden, waren es 2019 177. Das entspricht einem Rückgang von 18,8 Prozent innerhalb von sieben Jahren. Die Zahl der Scheidungen hat sich in diesem Zeitraum praktisch halbiert: 2012 waren es noch 99, 2019 nur noch 50.

Seit dem Jahr 2018 veröffentlicht das Jugendamt Bünde auch eine Statistik aller abgeschlossenen Verfahren zur Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung. „Und hier ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen“, sagt Christel Noltensmeier, Teamleiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes. So seien 2019 64 dieser Verfahren bearbeitet worden – der bisherige Höchststand. Zum Vergleich: 2015 waren es 27 dieser Verfahren.

Kontinuierlich gestiegen sei in den letzten Jahren die Nachfrage nach Betreuungsplätzen im U3- und Ü3-Bereich. 2019 wurden 1583 Kinder in Kitas und 147 Kinder durch Tagesmütter betreut – das sind 250 Kinder mehr als noch 2015. „Dieser Anstieg ist darauf zurückzuführen, dass eine Zuwanderung von Familien aus anderen EU-Ländern sowie durch geflüchtete Familien stattgefunden hat und außerdem ein allgemeiner Anstieg der Geburtenrate zu verzeichnen war“, heißt es im aktuellen Sozialbericht. „Wir gehen davon aus, dass der gestiegene Bedarf durch bauliche Maßnahmen abgedeckt werden kann“, so Noltensmeier. Als Beispiel nannte sie die Erweiterung an der DRK-Kita Kieselstein.

Auf das Thema Sozialhilfe bzw. Grundsicherung ging Sozialamtsleiter Stefan Bohnhorst ein. 2019 sei das erste Jahr gewesen, in dem auch die geburtenstarken Jahrgänge der Baby-Boomer in Rente gegangen seien. Man habe deshalb eigentlich damit gerechnet, dass die Zahl der Menschen, die Grundsicherung im Alter benötigen, steigen würde. Es sei aber das Gegenteil eingetreten: die Zahl sei von 276 (2018) auf 273 im vergangenen Jahr gesunken. Dieser Rückgang sei auf die Einführung der Mütterrente II ab dem 1. Januar 2019 zurückzuführen. „Ohne die Rentenreform wären es elf Personen mehr gewesen – dann hätten wir einen deutlichen Anstieg gehabt“, sagt Bohnhorst. Aufschluss gibt das „Sozialmonitoring“ auch über den Bestand an preisgebundenen Wohnungen. Der ist seit Jahren rückläufig. Waren es 2014 noch 782 Wohnungen, konnten 2019 nur noch 659 gezählt werden – ein Minus von 15,7 Prozent.

Der Bericht kann auch von der Homepage der Stadt Bünde heruntergeladen werden: www.buende.de/Rathaus-Politik/Ämter/Sozialamt.

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