Jens Neitzel sucht Paten, um die letzte Ruhestätte der Bünder Tabakdynastie aufzuhübschen
Steinmeister-Grab soll schöner werden

Bünde (WB). Der Todestag eines der bekanntesten Bünder hat sich jetzt zum 200. Mal gejährt: August Steinmeister. Das Familiengrab des Tabakfabrikanten auf dem Feldmarkfriedhof steht unter Denkmalschutz, ist aber sanierungsbedürftig. Das findet zumindest Jens Neitzel. Und er hat auch einen Plan, wie man die Grabstelle wieder auf Vordermann bringen könnte.

Dienstag, 01.09.2020, 05:10 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 09:08 Uhr
Steinmetz Jens Neitzel hat sich in seiner Bachelor-Abschlussarbeit der letztem Ruhestätte der Tabak-Dynastie Steinmeister gewidmet. Mithilfe von Sponsoren will er das Grab wieder in Schuss bringen. Foto: Daniel Salmon

Die einzelnen Gräber sind von Efeu überwuchert. Am Natursandstein des großen Monuments hat sichtbar der Zahn der Zeit genagt. Baumwurzeln haben die steinerne Umrandung des 16 mal 8 Meter großes Areals angehoben. „Wirklich gut sieht das nicht aus“, sagt Jens Neitzel. Er lässt seinen Blick über die Grabanlage schweifen. „Mit relativ überschaubaren Aufwand kann man das alles aber wieder herrichten. Fünf Jahre warten sollten man damit aber nicht. Sonst werden die Schäden gravierender.“

Vom Ehrgeiz gepackt

Der 54-Jährige ist Steinmetz- und Steinbildhauermeister, weiß also, wovon er redet. Seit geraumer Zeit hat er sich intensiv mit dem denkmalgeschützten Grabmal beschäftigt. „Einer möglichen Sanierung und einem dafür nötigen Finanzierungsmodell habe ich die Abschlussarbeit meines Bachelorstudiums gewidmet.“ 2016 hatte Neitzel ein Teilzeit-Studium in Konservierung und Restaurierung mit der Fachrichtung Stein und Keramik begonnen. „Mein Sohn ist bei mir im Betrieb eingestiegen. Ich hatte also mehr Zeit und dachte, so ein Studium würde mir in meinem Berufsleben noch fehlen.“

Erst habe er nur mal „reinschnuppern“ wollen, dann habe ihn aber der Ehrgeiz gepackt. „Und ich hab’s schließlich auch durchgezogen.“ Unter anderem führte ihn sein Studium auf eine archäologische Exkursion nach Ägypten.

Für seine Abschlussarbeit (Note 2,3) suchte er sich allerdings ein besonderes Thema mit Bünder Bezug aus: „Ich wollte mich mit etwas Regionalem beschäftigen. Konkret schwebte mir vor, das Thema Denkmalpflege und privates Engagement zusammenzubringen“, so Neitzel. Und so prüfte er in seiner knapp 150 Seiten starken Bachelor-Thesis die Möglichkeiten der privaten Finanzierung für die Herrichtung der restaurierungsbedürftigen Grabstelle der Tabak-Fabrikanten-Dynastie Steinmeister. Das Denkmal befindet sich im städtischen Besitz. Ein Gedenkstein erinnert an Zigarrenbaron August Steinmeister, ob er tatsächlich dort bestattet ist, ist unklar.

„Jahrzehntelang nichts gemacht“

Mehrere seiner Angehörigen haben auf dem Gelände allerdings ihre letzte Ruhe gefunden. „Es ist schade, dass das Grab einer für Bünde so wichtigen Familie in einem solchem Zustand ist. Da wurde jahrzehntelang nichts dran gemacht. Und es sind einige Mängel erkennbar. Das alles könnte man aber wieder ziemlich gut in Schuss bringen. Das ist eigentlich ein recht schönes Denkmal“, sagt Neitzel.

Sämtliche Schäden hat er in seiner Arbeit analysiert und penibel aufgelistet. Dazu hat der 54-Jährige ein ausführliches Restaurierungskonzept hat er bereits erstellt. Kostenpunkt: rund 20.000 Euro. Die etwa achtwöchigen Arbeiten würde er selber ausführen, Gewinn will dabei er nicht machen. „Wenn man das Grabmal wieder herrichten würde, hätte man lange Ruhe, man müsste es nur einmal jährlich überprüfen.“

Paten gesucht

Allerdings: Unmittelbare Nachkommen der Steinmeisters gibt es nicht, und vonseiten der Stadt sei nicht geplant, notwendige Maßnahmen zu veranlassen. Lediglich die Grundpflege der Ruhestätte werde übernommen. Daher ist der Steinmetz auf der Suche nach Paten, die sein ehrgeiziges Projekt unterstützen und die Erinnerung an einen der bekanntesten Bürger Bündes wachhalten möchten. „Das können Unternehmen sein – möglicherweise sogar aus der Tabakindustrie, die in der Region ja immer noch vertreten ist. Auch Stiftungen, Vereine oder Privatpersonen kommen infrage“, sagt Neitzel.

Dabei sei zu beachten, dass der Pate mit einer Patenschaft für ein verwaistes denkmal-geschütztes Objekt keineswegs die Rechte an dem Objekt übernimmt. „Die Rechte und die Verantwortung verbleiben in staatlicher Hand, vertreten durch die zuständige Denkmalbehörde“, so der Steinmetz. Mögliche Paten können sich bei ihm per Mail melden: info@natursteinbetrieb-neitzel.de

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