Fritz Hasenburger bringt Ordnung in die Sammlung des Dobergmuseums
Fossile Schätze

Bünde (WB). Versteinerte Eier von Dinosauriern, zentnerschwere mineralisierte Baumstämme oder ausgestorbene Ammoniten, die größer sind als ein Wagenrad – zur Sammlung des Dobergmuseums gehören zahlreiche bemerkenswerte Fossilien. Zu sehen bekommen Besucher allerdings nur einen Bruchteil davon, die meisten Fundstücke schlummern im Museumsarchiv. Und hier sorgt Fritz Hasenburger (66) dafür, dass diese Fossilien nicht nur der Nachwelt erhalten bleiben, sondern auch systematisch erfasst werden.

Freitag, 07.08.2020, 05:50 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 10:06 Uhr
Fritz Hasenburger mit einem Ammoniten aus Südengland. Bislang sind etwa 15 Prozent der Fossilien, die zur Sammlung des Museums gehören, digital erfasst. Foto: Hilko Raske

10.000 Exponate in Kisten

Als das Dobergmuseum vor etwa 20 Jahren eröffnet wurde, hatte das weitreichende Konsequenzen. Ein schlüssiges und modernes Konzept für die Dauerausstellung musste her. War in den Jahrzehnten davor im alten Kreisheimatmuseum alles an Fossilien ausgestellt worden, was für die Darstellung der Entwicklung der Lebewesen im Laufe der Erdgeschichte bedeutsam erschien, sollte nun alles im Zusammenhang mit dem Doberg stehen oder zumindest aus der näheren Umgebung stammen. Damit hatte man viel zu viele Ausstellungsstücke, die nicht mehr alle gezeigt werden konnten.

Die Stadt mietete deshalb ein ehemaliges Fabrikgebäude an, in dem kistenweise Exponate einfach abgestellt wurden. Allein etwa 10.000 Fossilien wanderten so in das neue Museumsarchiv. „Das Ganze geschah ohne System“, erinnert sich Dr. Rainer Ebel vom Paläontologischen Arbeitskreis Bünde. Um überhaupt so etwas wie Ordnung hinzubekommen, kümmerten sich anfangs – wenn auch nur für kurze Zeit – drei wissenschaftliche Mitarbeiter um dieses Sammelsurium. Unterstützung gab es Jahre später vom Paläontologischen Arbeitskreis. Die Helfer stießen dabei immer wieder auf Hindernisse. So fehlten an Objekten häufig Beschreibungen – oder es waren Deckel der Kartons vertauscht worden, so dass sich etwas ganz anderes darin befand. 

2017 stieß dann Fritz Hasenburger hinzu. Seit jeher hatte sich der gebürtige Wiener für Fossilien und die Paläontologie begeistert. Schon mit 14 Jahren suchte er in der Nähe von Wien in ehemaligen Ziegeleigruben nach Versteinerungen, hörte sich Fachvorträge im Naturhistorischen Museum an. 1974 verschlug es ihn nach Bünde – seine Frau stammt aus Ahle. Die Leidenschaft für Lebewesen vergangener Zeitalter brachte er aus Österreich mit. Heute ist der Rentner Lektor der Zeitschrift „Der Steinkern“, dessen Verleger Sönke Simonsen aus Jöllenbeck auch Betreiber der größten deutschsprachigen Informations- und Diskussionsplattform für Fossiliensammler ist. 

Chaos im Archiv

Als Hasenburger die Fossiliensammlung im Museumsarchiv sah, war ihm klar, dass er diesem Chaos ein Ende bereiten möchte. Er machte sich an die Arbeit – und das ehrenamtlich. „Eine unschätzbare Hilfe war dabei eine Liste, in der der ehemalige Museumsleiter Dr. Eberhard Pannkoke  seine etwa 1000 Ankäufe dokumentiert hat. Dr. Pannkoke hat in den 30 Jahren als Museumsleiter alle erforderlichen Daten festgehalten und vorbildlich dokumentiert“, meint Hasenburger.

Er begann damit, die Auflistung von Pannkoke in Form einer Excel-Tabelle zu digitalisieren,  musste aber schnell feststellen, dass oftmals Detektivarbeit gefragt war. Fehlende oder falsche Beschriftungen erforderten umfassende Fachkenntnisse. Zudem fand er immer wieder auch Bestimmungszettel, die noch aus der Zeit von Professor Friedrich Langewiesche, dem Begründer der Dobergsammlung, stammen und somit bis zu 100 Jahre alt sind. 

Fotos von Fundstücken

Hasenburger lässt sich aber nicht entmutigen. Sobald ein unbestimmtes Fundstück der Sammlung identifiziert werden kann, erhält es eine neue Inventarnummer. Ergänzt wird diese durch den Namen, die Herkunft, das Alter und den Lagerort des Fossils. Doch damit nicht genug. Hasenburger baute ein provisorisches Fotostudio im Archiv auf und fotografierte die Fundstücke, mit denen er sich beschäftigte.

Zur besseren Übersicht klebt er neben der Inventarnummer auch Fotos auf die Kartons, in denen die Fossilien aufbewahrt werden. „Reine Inventarnummern sind sehr ab­strakt. Mit einem Bild weiß man sofort, um was es sich handelt.“

15 Prozent inventarisiert

Geschätzte 15 Prozent der Sammlung hat er so inzwischen inventarisiert. „Das ist eine ziemliche Sisyphusarbeit hier“, stellt er fest. In diesem Leben, da ist er sich sicher, werde er das jedenfalls nicht mehr schaffen. Dafür sorgen auch Fundstücke, die immer noch Rätsel aufgeben – wie der riesige Kieferknochen eines Wals, der vermutlich noch aus den Beständen von Friedrich Lan­gewiesche stammt.

Kommentare

Bernd Namendorf  wrote: 10.08.2020 08:52
Inventar
Falls das Etiketten sind mit gezacktem Ra(wie Briefmarken) und Gummierung auf der Rückseite - dann hat mein Vater die in den 50ger und frühen 60gern ausgefüllt. Hab noch eine Autographe von Dr. Paetow, in der er sich beim "lieben Helmut" für die Arbeit bedankt

Im zarten Alter von von ca neun Jahren hatte ich monatelang Besuch einer sehr alten Dame. Denn Halitherium schinzii (damals langewischii) lag dort und wurde von meine Vater erstmals auf Rippen aus Plexiglas gezogen. Fehlende Teile mit einer Masse ersetzt, die Zahnärzte für Gebisse nutzen. Entgegen seinen Wünschen hatte die Vitrine im Museum keine Tür an der Stirnseite - da "durfte" er alles wieder zerlegen und in der engen Vitrine wieder aufbauen. Hat damals die Lokalpresse drüber berichtet.......

Über den Fundort gibt es unterschiedlich Angaben. Ich kenne vermutlich die richtige Stelle, aber dort selbst um 1962 ein Stück einer Rippe gefunden....

Beim Fund des Dentalium kicksii war ich seinerzeit als Kind dabei (Schicht sieben). Hat mein Vater noch vor Ort mit einer glasklaren Flüssigkeit übergossen, die erstarrte und das sehr weiche "Gestein" zusammenhielt. Das Fossil wurde dann auf der Museums-Broschüre abgebildet.

Die Sammlung hat mein Vater zur Hälfte dem Museum geschenkt - die andere Hälfte kaufte der Architekt Witte für die ungeheure Summe von ca. 12.000 D-Mark und liegt heute auch im Museum. Die bis zu 17cm langen Haifischzähne wurden aber nie ausgestellt, genau wie andere Raritäten. Wir besuchten das Museum bis zu seinem Tode jedes Jahr... er war jedes Mal enttäuscht.

Die nur recht kleine Fläche sehr harten Gesteins, auf der man solche Zähne finden konnte, ist seit Jahrzehnten verschüttet, da wurde ja mal Bauschutt abgeladen.
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