SPD-Bürgermeisterkandidatin befürwortet Bebauung am Feldmarkfriedhof
„Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum“

Bünde  (WB). Die SPD in Bünde befürwortet die Bebauung auf der Reservefläche des Feldmarkfriedhofes. Dabei solle jedoch sichergestellt werden, dass mehrheitlich Sozialwohnungen entstünden und der Baumbestand geschont werde, sagt SPD-Bürgermeisterkandidatin Susanne Rutenkröger. „Ich kann die Bedenken und Sorgen von Bürgern und des Naturschutzbundes im Hinblick auf die geplante Bebauung gut nachvollziehen“, so Rutenkröger. Allerdings solle der Naturschutz nicht gegen die Bedürfnisse von finanziell schwächeren Menschen ausgespielt werden. Das Ziel der SPD sei es daher, sozialen Wohnungsbau und Naturschutz in Einklang zu bringen.

Dienstag, 04.08.2020, 18:00 Uhr
SPD-Bürgermeisterkandidatin Susanne Rutenkröger sieht die Notwendigkeit weiterer Sozialwohnungen. Foto: Carolin Bittner

Die Zahl der preisgebundenen Wohnungen würde jedes Jahr abnehmen. Seien es 1990 noch 768 gewesen, gebe es heute nur noch 444 Sozialwohnungen in Bünde. Zeitgleich wachse allerdings die Zahl derer, die einen Anspruch auf eine solche Wohnung hätten. „Betroffen sind da vor allem Rentner und Menschen, deren Einkommen nicht immer für die Miete reicht wie etwa Friseure oder Paketboten“, so Rutenkröger. Für diese Personengruppen werde es von Jahr zu Jahr schwerer, bezahlbaren Wohnraum – auch hier in Bünde – zu finden.

Aber richtig sei auch, dass die Grünflächen, die Parks und Waldstücke in der Stadt und um sie herum, geschützt und am besten vergrößert werden müssten. „Deswegen ist es wichtig, dass bei der Bebauung des Areals besonders Rücksicht auf den Baumbestand genommen werde“, so Rutenkröger. Deshalb seien die Standorte und Arten der Bäume für zukünftige Investoren auch schon erfasst worden. Ebenso sollte die Bebauung am besten in klimaneutraler Bauweise erfolgen. Vorteile des Standortes seien dabei, dass erforderliche Versorgungsleitungen und die notwendige Infrastruktur schon vorhanden sind.

Betrachte man darüber hinaus die Stadt als Ganzes, sehe man, dass auf Friedhöfen im Rahmen des Naturschutzes einiges passiere. „Auf Antrag der SPD-Fraktion wurden für 2020 erstmals Gelder bereitgestellt, um auf den Freiflächen der 14 Bünder Friedhöfe neue Bäume zu pflanzen.“ Zudem sei der Bürgerwald in Spradow und eine Blumenwiese angelegt worden.

„Die Politik und insbesondere die SPD hat sich den Beschluss nicht leicht gemacht, aber dem wachsenden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum muss dringend begegnet werden“, erklärt Rutenkröger. Wenn man den Menschen in Bünde bezahlbaren Wohnraum bieten wolle, müsse man zwangsläufig auch bauen. Dabei sei es für die SPD wichtig, alle Aspekte im Blick zu halten. Dabei gehe es sowohl um den Naturschutz als auch um soziale Benachteiligungen, den Wohnungsbau und die Entwicklung der Quartiere. Was den Wohnungsmarkt in Bünde betreffe, seien Maßnahmen wie die Bereitstellung der Britensiedlungen oder Projekte wie „Jung kauft Alt“ zwar wichtige Bausteine, aber alleine könnten sie den Bedarf an preiswerten Wohnraum nicht decken.

„Allerdings muss man in Zeiten des Klimawandels jede politische Entscheidung auch hinsichtlich ihres ökologischen Fußabdrucks bewerten“, so Rutenkröger und betont, dass noch kein Bauplan für das Areal existiere. Es gebe also noch die Möglichkeit, über die Art und Weise der Bebauung zu entscheiden.

Kommentare

Schüngel Bernd  wrote: 10.08.2020 11:57
Zum Artikel "SPD will am Feldmarkfriedhof weitere Wohnungen bauen"
Es ist durchaus zu verstehen, dass die SPD entsprechend ihrer politischen Agenda den sozialen Wohnungsbau mit Priorität vertritt und deshalb nicht gerne von der Beschlussfassung zur Bebauungsplanung zum Feldmarkfriedhof zurücktritt. Aber die Ausführungen von Frau Rutenkröger dazu in den Beiträgen im WB vom 04.08. und der NW vom 05.08.20 waren wenig überzeugend. Ähnlich wie Ingolf Radtke das in seinem Kommentar (NW 07.08.) dazu auch kritisierte, ist die Behauptung, die Naturschützer würden die Bedürfnisse der sozial schwächeren Bevölkerungsgruppen in Bünde nicht anerkennen, abwegig und diffamierend, weil sie durch keinen einzigen Beitrag von Seiten der Bebauungsgegner belegt werden kann.

Außerdem ist die Argumentationsbasis von Frau R. sehr engsichtig, wenn sie die Bedeutung von Stadtgrün nur auf den Aspekt Umweltschutz einengt, denn damit wird die volle Bedeutung von Grünflächen für eine Stadt bei weitem nicht hinreichend erfasst. Natürlich ist im Fall Feldmarkfriedhof auch der Umweltschutzaspekt ein ganz wichtiger Gesichtspunkt, der für den Erhalt des Geländes spricht, doch es gibt andere genauso bedeutende Motive, die gleichermaßen Argumente gegen eine Bebauung liefern. Und was dabei besonders wichtig ist, es werden davon vor allem auch soziale Aspekte berührt.
Grünflächen in der Stadt sind für alle Menschen und für das soziale Miteinander in der Stadt essentiell. Gerade auch für sozial schwächere Bevölkerungsgruppen, die kaum über eigenen Gartenbesitz verfügen, sind öffentliche Grünflächen ein wichtiger Bestandteil ihrer Lebensqualität. Grünflächen verbessern das physiologische und psychische Wohlbefinden der Menschen, bieten Ausgleich für Alltagsstress, sind Orte für sportliche Aktivitäten und Gruppenerlebnisse, sind Lernorte und Erfahrungsräume kultureller Identität und noch Vieles mehr.
Wenn PolitikerInnen also beschließen Teile einer intakten Grünfläche, wie beim Feldmarkfriedhof, zu bebauen und damit Grünfläche vernichten, sollten sie sich im Klaren sein, dass das mit enormen auch sozialen Verlusten erkauft wird. Wenn überhaupt etwas gegen den soziale Wohnungsbau ausgespielt sein sollte, so ist es nicht der Umweltschutz, sondern Stadtgrün mit allen seinen essentiellen Funktionen für die soziale Stadtgemeinschaft insgesamt. Dass hier ein soziales Grunbedürfnis nach Wohnen, dessen Berechtigung keiner der Bebauungsgegner leugnet, durch Zerstörung eines anderen, bestimmt nicht weniger wichtigen Grundbedürfnisses auf eine lebenswerte und nachhaltige städische Lebensqualität ausgetauscht werden soll, kann keine Lösung für intelligente und zukunftsbezogene Stadtplanung sein.
Im Grünbuch Stadtgrün, herausgegeben vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Berlin 2015, S.9) heißt es: „Grün in der Stadt“ ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer modernen, nachhaltigen und integrierten Stadtentwicklungspolitik.
Um das Ziel, den sozialen Wohnungsbau in Bünde voranzubringen, mag es zwar der billigste und einfachste Weg sein, wenn dafür ein Stück Grünfläche des Friedhofgeländes geopfert wird, für eine nachhaltige und zukunftsgerichtete Stadtpolitik, ist das kein überzeugendes politisches Handeln. Frau Rutenkröger, werden Sie und ihre Partei ihrem eigenen politischen Appell, der derzeit auf ihren Wahlplakaten zu lesen ist, gerecht! Dort heißt es vielversprechend: “ Bünde braucht einen Neuanfang“.
Gut wäre, wenn der Neuanfang nicht nur auf neue Personen hin gedacht ist, sondern auch auf deren inhaltliche Positionen. So könnte z. B. schon bei der nächsten Ratssitung der Stadt Bünde bezüglich der vor drei Jahren getroffene Entscheidung zur Bauplanänderung am Feldmarkfriedhof ein Neuanfang eingeleitet werden. Fangen sie also an.
Bernd Schüngel
Mitglied des BUND
Christian H.  wrote: 05.08.2020 15:03
Warum nicht brachliegende Flächen oder leerstehende Gebäude nutzen?
Bei all den Überlegungen, die dort angeblich angestellt wurden um unbedingt auf/neben dem Friedhof neue Sozialwohnungen zu schaffen, frage ich mich wieso naheliegende Lösungen nicht herangezogen werden? Zumal ohnehin noch fraglich ist zu welchem Anteil dort überhaupt Sozialwohnungen entstehen werden, da diese natürlich den Preis der übrigen Wohnungen drücken werden.

So fallen mir adhoc folgende Optionen/Alternativen ein:
- der stillgelegten Heidesportplatz (gleiche Entfernung/Anbindung zur Stadt wie das Friedhofsgelände)
- das alte Cordesgelände (liegt schon ewig brach), wobei die Nähe zur Stadt deutlich höher wäre
- die vielen leerstehenden bzw. nicht mehr genutzten Gewerbeflächen in der Bahnhofstraße

In der Bahnhofstraße könnte man Sanierungsmöglichkeiten prüfen. Falls diese sich nicht lohnen, könnte gut über Abriss und Neubau nachgedacht werden. Hierdurch könnte ggf. auch die Eschstraße belebter werden. Die Bahnhofstraße an sich ist Richtung Stadt doch bereits seit langem ausgestorben. Gerade sozial Benachteiligte und lältere Menschen könnten von der guten Anbindung und kurzen Wegen profitieren.

Das gleiche gilt für den nicht mehr genutzen Sportplatz. Wenn man hier für die Jugendlichen keine Alternative schaffen möchte, könnte dieser ebenfalls bebaut werden.

Das alte Cordes Gelände wird ebenfalls seit langem nicht genutzt. Was spricht hier gegen Sozialwohnungen?
Die Anbindung an Stadt und öffentliche Verkehrsmittel ist dort ebenfalls hervorragend.

Wenn man weiter sucht, werden sich bestimmt auch noch weitere Möglichkeiten auftun. Ziel kann es allerdings nicht sein, ständig auf Kosten der Natur und zum Wohle des Geldbeutels immer mehr Gründflächen zu planieren.

Das schöne an Bünde ist doch, dass hier und da auch noch mal Grünflächen zu finden sind (wenn auch selten) und es eben nicht die gewöhnliche "Stadt" ist. Wenn Leute hier herziehen, dann doch gerade weil sie nicht in Städten wie Herford oder Bielefeld leben möchten, sondern sich hier und da auch einfach mal Ruhe wünschen.

Achja wir hätten auch noch ein halb totes Industriegebiet in Ennigloh, welches mit einer vernünftigen Bebauung und Anbindung an den Linienverkehr ebenfalls belebt werden könnte.

Frau Rutenkröger möge bitte einmal von ihren polemischen Ross absteigen und stattdessen mal die Fakten sichten. Ich weiss, dass aktuell wieder Politik gemacht wird, aber solche Schlussfolgerungen/Aussagen zu treffen um ein par Punkte bei den sozial Benachteiligten Wählern zu Gewinnen ist dann doch ein wenig bemitleidenswert.
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