Gewinghauser Bach: Renaturierung auf dem ehemaligen Cordes-Gelände vorgesehen
Beton-Korsett soll entfernt werden

Bünde  (WB). Die Bünder Kommunalpolitik ist sich momentan uneins darüber, was mit dem ehemaligen Cordes-Gelände an der Wasserbreite geschehen soll. Während CDU und FDP sich für eine gewerbliche Nutzung des Areals stark machen, möchte die SPD dieses zentral gelegene Areal für städtische Einrichtungen nutzen. Immerhin sei die Standortfrage für ein neues Kinder- und Jugendzentrum noch ungeklärt und der Mietvertrag für die Stadtbücherei laufe in naher Zukunft aus, argumentieren die Sozialdemokraten.

Dienstag, 04.08.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 05:04 Uhr
Der Gewinghauser Bach, nachdem er die Wasserbreite unterquert hat. Die Verrohrung auf dem Cordes-Gelände soll beseitigt werden. Foto: Hilko Raske

Ein Aspekt, der in dieser Diskussion allerdings ein wenig in Vergessenheit geraten ist, ist der Gewinghauser Bach. Er läuft verrohrt über Gewerbefläche – und muss freigelegt werden. Immerhin fordern das Wasserhaushaltsgesetz und das Landeswassergesetz die Renaturierung von Bächen und Flüssen – sofern keine übergeordneten Interessen dem gegenüber stehen.

Doch wann wird überhaupt mit der Freilegung des Baches begonnen? „Nach dem Stand der Planung sowie der noch zu beantragenden Genehmigung und den danach zu beantragenden Fördermitteln ist es nicht realistisch, mit einem Baubeginn vor 2022 zu rechnen“, sagt Sabine Bartetzko vom Hauptamt der Stadtverwaltung.

Die Planung und Ausführung des Vorhabens liege – mit Unterstützung durch ein Ingenieurbüro – beim Sachgebiet Gewässer der Kommunalbetriebe Bünde. Genehmigungsbehörde sei allerdings die Untere Wasserbehörde des Kreises Herford. Da die Planung für die Renaturierung noch nicht abgeschlossen sei, könnten weder die voraussichtlichen Kosten noch die Dauer der Maßnahme genannt werden, so Bartetzko.

Werden die Rohre entfernt, wird sich das Gelände künftig deutlich anders darstellen als es jetzt noch der Fall ist. „Für die Offenlegung des Gewässers und die naturnahe Neugestaltung seines Verlaufes und seiner Aue steht eine Fläche von im Mittel etwa 25 Meter Breite zur Verfügung. Diese Breite entspricht der Breite des bereits offen gelegten Bachabschnitts, der sich unmittelbar oberhalb an das Cordes-Gelände anschließt“, sagt Bartetzko.

Entwarnung kann sie in Sachen mögliche Überschwemmungen geben. „Die Bauarbeiten selbst haben auf einen denkbaren Rückstau nur einen äußerst geringen Einfluss, zum Beispiel wenn beim Abbruch des bestehenden Bauwerkes Material ins Bachbett fällt. Entsprechende Beeinträchtigungen würden aber immer umgehend wieder bereinigt, so dass während der Bauzeit keine Verschlechterung des Abflusses zu befürchten ist“, stellt sie klar. Mit Behinderungen während der Renaturierung müssten allerdings Verkehrsteilnehmer auf der Gerhart-Hauptmann-Straße rechnen.

„Im Zuge der Offenlegung des Baches ist auch der Bau einer Mauer von der Wasserbreite bis zur Bahnunterführung entlang der Grenze zur Gerhart-Hauptmann-Straße erforderlich. Die Mauer dient als Abstützung des Gehweges und gleichzeitig als Hochwasserschutzeinrichtung. Diese Arbeiten werden ohne eine Sperrung der Straße nicht ausführbar sein.“

In der Vergangenheit sei der Gewinghauser Bach – er ist etwa 8,3 Kilometer lang – für die Wasserkraftnutzung und zur landwirtschaftlichen Nutzung sehr stark verändert worden, so dass er sich als naturfernes und für Gewässerorganismen nicht durchgängiges Gewässer präsentierte. Durch umfangreiche Uferstreifenankäufe und zahlreiche Maßnahmen – unter anderem dem Rückbau von mehr als 500 Meter Verrohrungen oder Vergrößerung von Straßendurchlässen – hätten bereits viele Beeinträchtigungen auf dem Weg zu einem naturnahen Gewässer beseitigt werden können. „Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es aber noch etlicher Grundstücksankäufe und vieler baulicher Maßnahmen“, stellt Bartetzko fest.

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