Ehemaliger Bünder Chefarzt Theophylaktos Emmanouilidis hilft Flüchtlingen im Camp Moira auf Lesbos
Saubere Hände im Kampf gegen Corona

Bünde (WB). Temperaturen um die 38 Grad, kaum Schatten, Unterkünfte, die bestenfalls provisorisch zu nennen sind – die Lage im Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist trostlos. Ursprünglich für 3000 Menschen ausgelegt, leben inzwischen fast 17.000 Flüchtlinge hier. Seit Mittwoch hält sich Dr. Theophylaktos Emmanouilidis, Vorsitzender des medizinischen Hilfswerks Hammer Forum, auf der Insel auf. Der ehemalige Bünder Chefarzt unterstützt vor Ort die „Starfish Foundation“, die unter anderem die hygienischen Verhältnisse im Flüchtlingslager verbessern will. So sind an allen Bushaltestellen des Camps Wasserbehälter und Seife aufgestellt worden, damit beim Ein- und Aussteigen die Hände gewaschen werden können. Das sehen die Corona-Schutzmaßnahmen der griechischen Regierung vor. Das Hammer Forum hat die „Starfish Foundation“ mit 10.000 Euro für dieses Projekt unterstützt, weitere 5000 sollen folgen.

Samstag, 01.08.2020, 05:56 Uhr aktualisiert: 01.08.2020, 17:00 Uhr
Helfer von „Starfish Foundation“ erklären Kindern im Flüchtlingscamp, wie man sich die Hände richtig wäscht. Die Organisation will so einer möglichen Ausbreitung des Coronavirus vorbeugen.

Etwa 7000 Kinder leben im Camp

„Unter den 17.000 Flüchtlingen sind etwa 7000 Kinder – und gut 700 von ihnen sind ohne Begleitung“, berichtet Dr. Emma, wie in die Bünder nennen. Das Camp habe sich immer weiter ausgebreitet, inzwischen nehme es eine Fläche ein, die fast 40 Fußballfelder entsprechen würde. Die Außenbereiche hätten teilweise den Charakter von Slums. Im eigentlichen Camp lebten sehr viele alleinstehende Mütter mit ihren Kinder und der größte Teil der unbegleiteten Kinder. „Vor allem in den Außenbereichen kommt es immer wieder zu Streitigkeiten, aber auch zu Messerstechereien. Inzwischen haben sich einige Jugendbanden gebildet.“ Auffallend aus seiner Sicht: Die Flüchtlinge selbst, aber auch die Hilfsorganisationen hätten so etwas wie eine Infrastruktur geschaffen. Das reiche von einem Basar zum Einkaufen bis hin zu einer provisorischen Halle für Filmvorführungen.

Überwiegend Afghanen

Etwa 78 Prozent der in Moria lebenden Flüchtlinge kämen aus Afghanistan, so Dr. Emma. Etwa 7 Prozent seien Syrer, weitere 4,9 Prozent stammen aus dem Kongo. Die kleinen Geschäfte, die sich gegründet hätten, seien aber fast ausschließlich im Besitz der Afghanen. Jeder erwachsene Flüchtling erhalte monatlich 90 Euro. Für Kinder gebe es Nahrungsmittel. Für Neugeborene im Lager spende das Hammer Forum je ein Paket mit Erstausstattung. „Darin ist alles enthalten, was ein Säugling benötigt“, sagt der ehemalige Chefarzt. Im Rahmen von Familienzusammenführung seien einige Flüchtlinge in der letzten Zeit nach Holland, aber auch Bulgarien gebracht worden. „Deutschland verhält sich hier sehr restriktiv. So wird verlangt, dass Geburtsurkunden vorgelegt werden, die Flüchtlinge oftmals nicht besitzen.“

Streit mit Einheimischen

Mit den Einheimischen in der Nachbarschaft sei es zu Konflikten gekommen, als die Flüchtlinge begonnen hätten, die Olivenbäume zu fällen, um an Holz für die Öfen zu kommen. Inzwischen habe die Regierung diese Felder gepachtet und die Besitzer entschädigt.

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