Geschäftsführerin der Bünder Traditions-Diskothek hofft auf Ende der Corona-Krise
Harte Zeiten für die „Höhe“

Bünde  (WB). „Wir waren die Ersten, die schließen mussten, und wir werden die Letzten sein, die wieder öffnen dürfen.“ Nicole Glösemeier, Geschäftsführerin der Bünder Traditions-Diskothek „Höhe“, hat in den vergangenen Monaten miterleben müssen, wie gerade ihre Branche durch die Corona-Krise in die Knie gezwungen wurde. Während der Einzelhandel, die Gastronomie, aber auch Fitnessstudios allmählich wieder den Weg zurück in die Normalität gehen, bleiben Diskotheken nach wie vor geschlossen. Was vor Corona wie selbstverständlich zum Clubleben dazu gehörte, gilt nun als Gefahr: viele Leute über Stunden auf engem Raum. Die Konsequenzen sind für Diskotheken-Betreiber fatal – sie bangen um ihre Existenz.

Freitag, 31.07.2020, 05:55 Uhr aktualisiert: 01.08.2020, 14:42 Uhr
Sie gilt als eine der ältesten Diskotheken Deutschlands: die „Höhe“. Seit dem 13. März ist der Betrieb coronabedingt aber eingestellt. Foto: Hilko Raske

Ganz so dramatisch stellt sich die Situation für Nicole Glösemeier nicht dar. Immerhin befindet sich die „Höhe“ in Familienbesitz. Somit muss keine Pacht bezahlt werden – für viele Diskothekenbetreiber ein großer Kostenfaktor. Trotzdem war der Lockdown für sie und ihr Team ein tiefer Einschnitt. „Am 13. März – zufällig ein Freitag – bekamen wir von der Stadt einen Anruf, dass wir mit sofortiger Wirkung den Betrieb einstellen müssen“, erinnert sie sich. 23 Mitarbeiter waren zu diesem Zeitpunkt beschäftigt. „Viele arbeiten schon seit Jahren für uns.“ Alle mussten in eine Zwangspause geschickt werden. Da sie selber nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt sei, gebe es für sie keine Unterstützung durch den Staat beispielsweise in Form von Kurzarbeitergeld, sagt Nicole Glösemeier. Und was Zuschüsse für Betriebskosten betreffe, habe sie die eine oder andere Überraschung erlebt. „Wir müssen eine sogenannte Diskothekenversicherung abschließen. Die Versicherungssumme, die nicht gerade niedrig ist, zahlen wir immer im Januar für das ganze Jahr. Da der Lockdown aber erst Mitte März in Kraft getreten ist, konnte ich das nicht geltend machen. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mich mit Sicherheit für eine monatliche Ratenzahlung entschieden“, sagt sie. Aber auch positive Erlebnisse habe es gegeben. So habe die GEMA die Zahlung von Gebühren ausgesetzt.

Im März habe sie noch gehofft, dass die „Höhe“ nach einigen Wochen wieder öffnen könne. „Anfangs fragt man sich, wann dieser Albtraum vorbei ist. Ich habe fast täglich jeden Podcast zum Thema Corona gehört, mir immer die neuesten Informationen dazu angeschaut. Aber inzwischen hat man sich irgendwie daran gewöhnt.“ Die ersten Wochen habe sie für Renovierungsarbeiten genutzt. „Man macht ja die fantastischen Sachen, wenn man auf einmal soviel Zeit hat – ob es das Aufräumen des Werkzeugkellers ist oder Tapezieren und Streichen.“ Inzwischen habe sie aber einen vorübergehenden Job angenommen, um die laufenden Kosten der Diskothek zu decken. Als Selbstständige habe man es in ihrer Branche derzeit sehr schwer – „Wir können ja praktisch nichts machen.“ Und wie soll es weitergehen? „Wir haben immer wieder Anfragen, ob nicht geschlossene Gesellschaften unsere Räumlichkeiten mieten dürfen. Das ist aber im Fall von Diskotheken nicht erlaubt.“ Öffnen könnte man die Wilhelmshöhe schnell – wenn der Gesetzgeber es denn wieder zulassen würde. Aber wahrscheinlich müsse dafür erst einmal das Coronavirus besiegt werden.

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