Emotionale Reaktion: Eyüp Odabasi beschimpft Wissenschaftler als „Haustürken“ – Partei reagiert
Facebook-Eklat um Grünen-Ratsherrn

Bünde (WB). Die seiner Aussage nach „emotionale“ Reaktion auf einen Facebook-Post hat dem Bünder Grünen-Ratsherrn Eyüp Odabasi einen Shitstorm eingebracht. Der 48-Jährige hatte den Begriff „Haustürke“ benutzt und so für einen Eklat im Internet gesorgt, der nun ernste Konsequenzen für den Lokalpolitiker hat.

Dienstag, 09.06.2020, 17:44 Uhr aktualisiert: 09.06.2020, 17:46 Uhr
Eyüp Odabasi bedauert den Facebook-Zwischenfall ausdrücklich und zieht Konsequenzen: Er wird bei der Kommunalwahl auf seinen Listenplatz verzichten. Foto: Daniel Salmon (Archiv)

Darum ging’s: Bereits am Sonntag hatte sich Odabasi mit dem Politikwissenschaftler und Türkeiforscher Burak Çopur, der ebenfalls Mitglied bei den Grünen ist, ein Wortgefecht auf Facebook geliefert. Ausgangspunkt der Debatte war ein Post des Esseners, in dem er den Rassismus in den USA gegenüber Schwarzen mit der Unterdrückung von Minderheiten (Aleviten, Kurden, Armenier) vergleicht.

Auf die Äußerung war Odabasi gestoßen und hatte reagiert: „Ich wollte wissen, warum er nicht auch über den Rassismus in Deutschland schreibt“, so der Grünen-Ratsherr im Gespräch mit dieser Zeitung. Und in diesem Zusammenhang hatte er – in der mittlerweile gelöschten Diskussion – Çopur als „Haustürken“ bezeichnet. Ein Schimpfwort, dass laut dem Türkei-Experten ein Begriff ist, „der von fanatischen Erdogan-Anhängern geprägt wurde und von islamisch-nationalistischen Türken gegen politisch Andersdenkende und Erdogan-Kritiker in Deutschland als Denunziation und Diffamierung genutzt wird.“ Burak Çopur warf Odabasi zudem „AKP-Sprech“ vor, bezeichnete ihn als „traurige Gestalt“.

Entschuldigung per Mail

Der Grünen-Ratsherr, der sich davon distanziert, ein Anhänger des türkischen Präsidenten zu sein, räumt ein: „Ich habe leider zu emotional reagiert, auch vor dem Hintergrund einer persönlichen Tragödie. Diesen Begriff zu verwenden, war falsch. Ich habe mich auf Facebook und per E-Mail ausdrücklich bei Herrn Çopur entschuldigt. Es war nicht meine Intention, ihn zu beleidigen.“ Eine Reaktion auf seine Entschuldigung erhielt der 48-Jährige nicht.

Stattdessen brach eine Lawine kritischer Nachrichten und Mails über ihn herein. Denn Çopur hatte bereits einen Screenshot von der Diskussion mit dem Bünder gemacht und diesen nun auf seinem Twitter-Account gepostet. Zudem wirft er Odabasi vor, dass dessen Facebook-Seite vor „türkischer Propaganda“ und der Leugnung des Genozids an den Armeniern wimmele. Er schreibt zudem: „Ich bin fassungslos, wie sich so jemand 16 Jahre lang als Grüner im Stadtrat halten konnte.“ Odabasi verwehrt sich gegen diese Vorwürfe.

Kritik vom Landesverband

Auf den Disput zwischen dem Duo war mittlerweile auch der NRW-Landesverband der Grünen aufmerksam geworden. In einer Stellungnahme äußerte sich daraufhin die Doppelspitze der Partei: Mona Neubaur und Felix Banaszak: „Die Äußerung von Eyüp Odabasi ist vollkommen inakzeptabel und widerspricht allem, wofür die Grünen in NRW stehen. Sie reiht sich ein in eine Reihe verleumderischer, die autokratische Agenda Erdogans oder den Genozid an den Armeniern verharmlosende Äußerungen von Eyüp Odabasi in der Vergangenheit, die wir verurteilen. Uns ist deshalb auch unverständlich, wieso er vor diesem Hintergrund für eine erneute Kandidatur für den Rat der Stadt Bünde aufgestellt werden konnte. Wir werden uns deshalb sehr kurzfristig an den Orts- und Kreisverband wenden und über mögliche Konsequenzen beraten.“

Eyüp Odabasi bedauert, dass sein Landesvorstand ihn vor Veröffentlichung der Stellungnahme nicht kontaktiert und ebenfalls zu einem Statement aufgefordert hatte. Der 48-Jährige betont zudem, wie ihn die ganze Diskussion um seine Person mitnimmt: „Ich habe wegen der Sache seit zwei Tagen kein Auge zugetan.“

Verzicht auf sicheren Listenplatz

Noch am Montagabend traf sich der Bünder Grünen-Stadtverband wegen des Vorfalls und reagierte. In einer Stellungnahme bedauern die Politiker ausdrücklich, „dass sich der Ratsherr Eyüp Odabasi in diffamierender Weise gegenüber Herrn Prof. Burak Çopur geäußert hat“. Zudem distanziere man sich „unmissverständlich von der autokratischen Herrschaft des türkischen Präsidenten Erdoğan und von einer Leugnung des Genozids an den Armeniern“. Weiter teilen die Bünder Grünen mit: „Um die gute Arbeit der Partei/Fraktion und den Wahlkampf damit nicht zu belasten, verzichtet Herr Odabasi aus eigener Entscheidung auf seine Spitzenkandidatur (Listenplatz 2).“ Dennoch hoffe man, dass sich der 48-Jährige mit seiner Erfahrung weiterhin in die Arbeit der Grünen vor Ort mit einbringe.

Zwar will Odabasi sein derzeitiges Ratsmandat noch bis zur Kommunalwahl am 13. September ausüben und auch sein Parteibuch behalten. Aber ihm sei klar, dass er durch seinen Listenplatzverzicht nicht mehr im neuen Stadtparlament vertreten sein werde. „Ich bin dann raus der Nummer. Mir war es aber vor allem wichtig, dass meiner Partei und ihrem Wahlkampf durch den Shitstorm gegen mich nicht geschadet wird“, sagt er.

 

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