+++ Update: Nach Büren nun Bünde: Youtuber machen Fund in früherer Kurklinik Ernstmeier öffentlich
Erneut Krankenakten gefunden

Bünde/Büren (WB). In OWL gibt es einen zweiten Fund von Patientenakten in einem aufgegebenen Gebäude. Nach dem früheren St.-Nikolaus-Hospital in Büren (Kreis Paderborn) ist nun die ehemalige Kurklinik Ernstmeier in Bünde (Kreis Herford) betroffen.

Freitag, 05.06.2020, 18:05 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 19:08 Uhr
2009 hatte das Kurhaus Ernstmeier Insolvenz angemeldet. Der ­Betrieb lief kurze Zeit weiter, wurde dann aber eingestellt. Seither verfällt der Gebäudekomplex. Foto: Daniel Salmon

Nach entsprechenden Berichten unter anderem im Lokalteil dieser Zeitung rückten am Freitagmorgen Mitarbeiter von Ordnungsamt und Bauhof zu der Ruine in Bünde aus. In den Räumen des seit fast zehn Jahren verfallenden Gebäudes wurden sie fündig: In zwei ­Büroräumen im Erdgeschoss sicherten sie Gästebücher und zahlreiche Kurmittelkarten. Darauf vermerkt sind Namen, Adressen und die Art der Kuranwendungen.

Aber offenbar ist diese Entdeckung nur die Spitze des Eisbergs: Denn in einem Kellerraum des von Vandalismus und Verfall gezeichneten Komplexes wurde ein weiterer Raum mit Akten gefunden.

 

„Welchen Inhalt diese Unterlagen haben, wissen wir noch nicht. Wegen des Zustands der Papiere kann der Raum nicht betreten werden. Es besteht Gesundheitsgefahr“, sagte Bündes Stadtsprecherin Doris Greiner-Rietz. Bauhofmitarbeiter wurden angewiesen, das Gebäude gegen unbefugten Zutritt zu schützen. Die weitere Vorgehensweise in dem Fall soll Anfang kommender Woche geprüft werden.

Ein Mann aus Bünde sagte dieser Zeitung, er habe den besagten Kellerraum zum letzten Mal am 18. Mai betreten. Dort gebe es Hunderte Krankenakten von Patienten, außerdem Lohnabrechnungen, Rechnungen und Kontoauszüge.

Ein Kellerraum mit hunderten weiteren Akten kann derzeit nicht betreten werden.

Ein Kellerraum mit hunderten weiteren Akten kann derzeit nicht betreten werden. Foto: Salom

Nikolaos Penteridis, Fachanwalt für Medizinrecht aus Bad Lippspringe, erklärte auf Anfrage zu dem Fund in Bünde: „Das ist ein dickes Ding, dass Krankenunterlagen da einfach rumliegen und nicht gesichert sind.“ Doch wer trägt die Verantwortung für die Sicherung solcher Daten? Frank W. Stroot, der ehemalige Insolvenzverwalter des Kurbetriebs, hatte Hauptgebäude und Bäderhaus nach eigener Aussage Ende 2012 an die Erben der ehemaligen Eignerin zurückgegeben. „Zuvor waren die Akten gesichert und danach war ich nicht mehr verantwortlich“, sagte Stroot. Der derzeitige Besitzer der Kurhaus-Ruine war für die Redaktion am Freitag nicht erreichbar.

Es besteht Gesundheits­gefahr.

Es besteht Gesundheits­gefahr. Foto: Salmon

Der Fall erinnert an tausende offenbar ungesicherte Patien­tenakten im früheren St.-Nikolaus-Hospital in Büren, das 2010 Insolvenz angemeldet hatte. Wie berichtet, hatte ein Youtuber, der sich „ItsMarvin“ nennt, den Aktenfund öffentlich gemacht. Nach eigenen Angaben habe er am 10. Mai ungehindert in das Gebäude eindringen können. Seitdem ist ein Streit entbrannt, wer für die sichere Aufbewahrung der Unterlagen zuständig ist.

Im Bürener St.-Nikolaus-Hospital lagern noch tausende Patientenakten.

Im Bürener St.-Nikolaus-Hospital lagern noch tausende Patientenakten. Foto: Oliver Schwabe

Während der frühere Klinikbetreiber, die Marseille Kliniken AG mit Sitz in Hamburg, die Verantwortung beim damaligen Insolvenzverwalter sieht, verweist dieser auf den Klinikbetreiber. Gegenüber dieser Zeitung erhob „ItsMarvin“ derweil auch Vorwürfe gegen den Sicherheitsdienst, der das Gebäude bewacht. „Das Kernproblem ist ja, dass das Krankenhaus nicht verschlossen war und die Räume nicht abgesichert“, sagt er.

Der Sicherheitsdienst weist die Vorwürfe zurück. Zwei Mal täglich würden alle Fenster und Türen kontrolliert – auch am Wochenende. Am 10. Mai seien die Türen zu den Kontrollzeiten verschlossen gewesen. Mittlerweile hat sich der Hamburger Datenschutzbeauftragte in den Fall eingeschaltet.

Kommentare

Jackie  wrote: 06.06.2020 07:47
Findet man doch überall
Mal ganz ehrlich? In unzähligen verlassenen Gebäuden liegen seit Ewigkeiten Akten, Papiere und Kontoauszüge etc. rum. Das ist doch nichts neues in der Szene. Jetzt wird auf einmal so eine Hype darum gemacht. Wie wäre es wenn die Akten von Anfang an vernichtet würden und nicht nach 10 bis 20 Jahren weil ein Youtuber es öffentlich macht. Nicht die Urbexer sind Schuld, sondern die Menschen, denen die Gebäude gehören. Aber nun hat man ja wieder einen Sündenbock gefunden.
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