Ayman Zribi und seine Kumpels holen zentnerweise Unrat aus der Else – Stadt lobt Aktion
Die Müllschwimmer von Bünde

Bünde (WB). Eine Schreckschusspistole, ein Einmachglas mit Kot und jede Menge Schrott: Mit seinen Kumpels hat Umweltaktivist Ayman Zribi in den vergangenen acht Tagen knapp 500 Kilo Unrat aus der Else gefischt. Wegen der Corona-Krise hat der Bünder Berufsschüler derzeit nur wenig Unterricht – und dafür jede Menge Zeit für den Naturschutz.

Mittwoch, 03.06.2020, 06:24 Uhr aktualisiert: 03.06.2020, 06:30 Uhr
Auch ein Baustellenschild haben Noel Halfe (links) und Ayman Zribi geborgen und kurzzeitig in der Else aufgestellt: „Damit man sieht: Hier wird gearbeitet.“ Foto: Daniel Salmon

Mit Gummihandschuhen und Neoprenschuhen ausgestattet watet der 17-Jährige auch am Dienstagmorgen wieder durch das flache Wasser des Flusses. Dieses Mal sind er und seinen beiden Freunde Noel Halfe (17) und Liam Swierzy (18) unter der Brücke in der Nähe des Freibads im Einsatz. Gemeinsam ziehen sie einen alten Autoreifen ans Ufer, schmeißen ihn auf einen Haufen alter Plastikplanen. „Das ist echt eine Sauerei, was die Leute alles in den Fluss werfen“, sagt Zribi. Rund 194 Kilogramm Müll werden er und seine Freunde an diesem Tag aus der Else bergen.

Infos über Instagram

Sogar eine Schreckschusspistole fanden die Müll-Taucher im Wasser.

Sogar eine Schreckschusspistole fanden die Müll-Taucher im Wasser. Foto: Daniel Salmon

Vor knapp zwei Wochen kam dem jungen Bünder, der eigentlich das August-Griese-Berufskolleg in Löhne besucht, die Idee für seine Gewässerreinigung. „Ich saß am Rathaus an der Else, plötzlich kam eine Schoko-Verpackung vorbeigeschwommen. Ich dachte mir: Hier im Fluss treibt so viel Müll rum, das kann man so nicht lassen“, erzählt Zribi. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern hatte der Sprecher der Bünder Fridays-for-Future-Aktivisten für diese Jahr jede Menge Aktionen geplant. „Aber wegen Corona fielen die ja nun alle ins Wasser. Daher will ich nun auf diesem Wege auf das Thema Natur- und Klimaschutz aufmerksam machen.“

Ayman Zribi besorgte sich Taucherbrille und -messer, schützende Schuhe, zog sich eine Badeshorts an und sprang vor acht Tage beim Hundestrand am Elsebruch das erste Mal ins Wasser. „Da habe einige Flaschen, Hundebälle und Plastiktüten rausgezogen“, erinnert er sich. Knappe vier Kilo wog sein erster „Fang“. „Da habe ich dann einfach weiter gemacht, bin immer weiter die Else rauf“, so Zribi, der von seiner Aktion über Instagram berichtete und so einige Mitstreiter fand, die ihn beim Müllsammeln unterstützten – und immer mehr Dinge aus der Else zogen, die da eigentlich nicht reingehören. „Dabei haben wir uns schon Sonnenbrände und Schnittverletzungen zugezogen, und an die Wassertemperatur muss man sich gewöhnen. Aber die Aktion macht viel Spaß.“

Lob vom Bürgermeister

Zentnerweise Müll haben Zribi und seine Mitstreiter bereits aus dem Fluss geborgen.

Zentnerweise Müll haben Zribi und seine Mitstreiter bereits aus dem Fluss geborgen. Foto: Daniel Salmon

Ab und zu stoppen Passanten, schauen den Müllschwimmern bei ihrer Arbeit zu. „Die sagen dann, dass wir das voll super machen und wir ihren Respekt haben. Manche fragen aber auch, ob wir was ausgefressen haben und Sozialstunden ableisten müssen“, sagt der junge Umweltaktivist und lacht. Am Ende eines jeden Tages wiegt er den geborgenen Unrat, entsorgt kleinere Teile in den Müllbehältern der Stadt. „Die größeren Sachen, lasse ich zunächst unter den Brücken liegen. Da muss ich mir noch was für überlegen.“ Auf Anfrage dieser Zeitung sagte die Bünder Stadtverwaltung den Müll-Tauchern nun Hilfe bei der Entsorgung zu. Bürgermeister Wolfgang Koch bedankte sich für den Einsatz von Zribi und seinen Kumpels und will die Abholung des Unrats veranlassen.

Zwar will der 17-Jährige in den kommenden Tagen nun erst eine kleine Pause einlegen („Meine Kraft schwindet so langsam“). „Aber dann mache ich weiter“, verspricht Ayman Zribi.

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