Bünder Paar soll nach „Zufallsbegegnung“ Bußgeld zahlen – und setzt sich zur Wehr
Ärger über „Corona-Knöllchen“

Bünde (WB). Diese Zufallsbegegnung kommt Saskia M. (Name geändert) teuer zu stehen: Weil sie nach einem Spaziergang mit ihrem Freund zufällig einen Bekannten traf, erhielt sie einen Bußgeldbescheid. „Ich finde das ungerecht“, sagt die 20-Jährige, die sich nun gegen das Corona-Knöllchen zur Wehr setzt.

Samstag, 23.05.2020, 08:04 Uhr aktualisiert: 23.05.2020, 08:10 Uhr
Mit vier weiteren Personen soll sich Saskia M. getroffen haben. „Das stimmt aber nicht“, sagt die 20-Jährige. Foto: Daniel Salmon

Konkret sollen die Bünderin, ihr Partner und der gemeinsame Bekannte gegen das Ansammlungsverbot von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit verstoßen haben. Zugrunde liegt diesen Vorwürfe die Corona-Schutzverordnung, die während des 11. April in Kraft war.

An jenem Ostersamstag hatte Saskia M. mit ihrem Freund den Familienhund an der Else ausgeführt. „Gegen 21 Uhr waren wir dann wieder am Rathaus-Parkplatz an der Ortstraße angekommen, wollten gerade in unser Auto steigen, als wir unseren gemeinsamen Bekannten sahen“, erinnert sich die Bünderin an jenen Tag zurück. Auf Sicherheitsabstand – Saskia M. spricht von zwei bis drei Metern – habe man sich kurz unterhalten: „Das waren maximal zwei bis drei Minuten.“

Bußgeld und Gebühren: 228,50 Euro

Während dieser Zeit wurden aber zwei Mitarbeiter des Ordnungsamt-Außendienstes der Stadt Bünde auf die Situation aufmerksam. „Die haben uns angesprochen und gesagt, wir hätten eine Ordnungswidrigkeit begangen, und dann unsere Personalien aufgenommen. Dass es sich um eine ungeplante Zufallsbegegnung mit unserem Bekannten handelte, hat die gar nicht interessiert“, sagt die 20-Jährige, die derzeit eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin absolviert. „Von Berufs wegen weiß ich daher auch, wie wichtig Sicherheitsabstände sind. Und das Treffen war echt nur zufällig und ganz kurz. Man sagt zum anderen ja nicht: ‚Komm, geh weiter, ich will jetzt keinen Kontakt zu dir‘“, so Saskia M., die sich von den Stadtangestellten in der Situation mehr Fingerspitzengefühl erhofft hätte.

Einige Tage später flatterte bei der jungen Frau dann ein Bußgeldbescheid der Stadt ins Haus: 228,50 Euro soll sie demnach für die „Zufallsbegegnung“ zahlen. Was die Bünderin überraschte: In dem Schreiben der Stadt war plötzlich davon die Rede, dass sie mit vier weiteren Personen auf dem Parkplatz an der Ortstraße angetroffen worden sei. „Das stimmt aber nicht. Zwar saß in etwa 30 bis 40 Metern Entfernung noch ein anderes Pärchen auf einer Bank. Aber mit denen hatten wir nichts zu tun. Und ich weiß auch nicht, ob die von den Leuten vom Ordnungsamt überhaupt angesprochen wurden“, echauffiert sich die 20-Jährige, die – wie ihr Freund – das „Corona-Knöllchen“ nicht zahlen will.

Einspruch eingelegt

In einer Antwort an die Stadt schilderte sie ihre Sicht der Dinge – die aus Sicht der zuständigen Sachbearbeiterin jedoch noch entlastend wirke. „Ich habe dann im Rathaus angerufen, da sagte man mir aber, ich solle Einspruch einlegen und dann ginge die Sache vor Gericht“, so die Bünderin. Sie fragt sich zudem: „Anfang der Woche hat die Polizei 17 Jugendliche auf einem Schulhof in Herford erwischt, die gegen die Corona-Auflagen verstoßen haben. Und das haben die schon zum zweiten Mal getan und erst eine Ermahnung und dann ein Bußgeld kassiert. Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit?“

Während ihr Bekannter das Bußgeld schon bezahlt hat („Er hatte keine Lust auf den ganzen Stress“), wollen es Saskia M. und ihr Freund auf eine Konfrontation mit der Stadt ankommen lassen. Am Freitag brachte sie ihren Einspruch im Rathaus vorbei. Sie geht zudem davon aus, dass die Ordnungsamtsmitarbeiter wissentlich zu viele Personen in dem Bußgeldbescheid angegeben haben: „Möglicherweise, damit sie in der Sache mehr Erfolg haben. Das ist dann aber doch ein Falschaussage!“

Eine Stellungnahme der Stadt zu dem Fall lag bis Redaktionsschluss am Freitag noch nicht vor.

Kommentare

Ewald Schulte  wrote: 25.05.2020 15:41
Hat sie denn auf das Anhörungsschreiben reagiert?
DJTom72  wrote: 23.05.2020 10:23
Die Kleinen....
hängt man, die Großen läßt man laufen....
Fingerspitzengefühl in Zeiten klammer Kassen kann man leider nicht erwarten. Die Verhältnismässigkeit zu dem Fall mit den Jugendlichen in Herford ist in der Tat nicht gegeben. Hier scheint es reine Willkür in der Auslegung der sog. ‚Regeln‘ zu geben. Da würde ich es locker auf einen Rechtsstreit ankommen lassen, schade das der Bekannte schon eingeknickt ist, damit gibt er ja quasi seinen Verstoss schon zu. Wenn ich hier mit dem Hund Gassi gehe, wäre ich bei Ahndung aller Verstösse bestimmt schon reich geworden....
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