Herforder Start-Up-Firma entwickelt Desinfektionslösung – in Bruchmühlen im Einsatz
Die Einkaufswagen-Waschanlage

Rödinghausen/Herford (WB). In drei Schritten geht’s Viren und Keimen an den Kragen: Mit dem „Deso Cube“ können Supermarktkunden ihre Einkaufswagen rundum (fast) kontaktlos desinfizieren. Eine der kleinen Waschanlagen steht derzeit am Edeka-Markt von Sven-Eric Adam in Bruchmühlen.

Donnerstag, 16.04.2020, 18:20 Uhr aktualisiert: 20.04.2020, 19:32 Uhr
In drei Schritten wird der Einkaufswagen komplett desinfiziert. Edeka-Markt-Inhaber Sven-Eric Adam war von der aus Herford stammenden Idee begeistert. Bald schon werden vor seinen drei Läden Exemplare der „Waschanlagen“ stehen. Foto: Daniel Salmon

Während Verbraucher oder Personal in den meisten anderen Läden seit Beginn der Corona-Krise selbst Hand anlegen müssen, wenn sie die Einkaufswagen reinigen wollen – etwa mit Tüchern oder Hygienesprays –, läuft dieser Vorgang vor dem Geschäft an der Bruchstraße dank des Desinfektionsgeräts der Herforder Saiko GmbH automatisch ab. Und so funktioniert’s: Der Einkaufswagen wird in die Maschine geschoben, dann drückt der Kunde zwei Sekunden auf einen Schalter. Währenddessen wird das Gefährt von drei Seiten mit Hygienemittel besprüht. Danach desinfiziert der Nutzer seine eigenen Hände, entnimmt den Wagen und geht einkaufen.

Kleine Verbesserungen

„Der Deso Cube wird sehr gut angenommen, die Leute sind echt zufrieden mit dieser Hygienelösung. Sie fühlen sich dadurch auch sicherer“, sagt Marktbetreiber Adam. Seit knapp zwei Wochen steht ein solcher „Disinfector“ – so die Bezeichnung des Herstellers – direkt vor dem Edeka-Eingang. Es ist bereits die zweite Version des Geräts. „Bei der ersten gab’s noch scharfe Kanten, die wurden dann entfernt“, so der Kaufmann. Und auch der derzeitige Deso Cube soll noch weiter verbessert werden. Adam: „Die ganze Funktionsweise soll kontaktlos werden, so dass man mit seinen Händen keine Flächen mehr berühren muss.“

Auch das Nachfüllverfahren für das Desinfektionsmittel solle verfeinert werden, ebenso wie die Stromzufuhr. „Derzeit wird der Deso Cube über ein Kabel versorgt. Das ist natürlich eine Stolperfalle. Ein Betrieb mit einem Akku wäre praktischer, da man das Gerät dann auch überall platzieren könnte“, sagt der Marktbetreiber,

Supermarkt kein sozialer Treffpunkt

Über Bekannte war er mit den Verantwortlichen von Saiko in Kontakt gekommen, beteiligte sich nach einigen Angaben an den Materialkosten für seine Demoversion. „Zu Anfang der Corona-Krise hatten wir auch erst nur Desinfektionsmittelspender bei den Einkaufswagen aufgestellt. Aber eine automatische Lösung ist natürlich viel praktischer. Ich war gleich begeistert“, sagt Adam. Nur manchmal würden Kunden den Deso Cube nicht ganz korrekt verwenden. „Die schieben den Wagen mit ihrem ganzen Einkauf da rein und desinfizieren die Ware gleich mit. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache.“ Doch der Erfolg der Einkaufswagen-Waschmaschine spreche für sich. In dem kommenden Tagen sollen daher neue Deso Cubes auch an Adams Edeka-Läden in Schwenningdorf und in Melle-Buer aufgestellt werden.

„Insgesamt haben sich die Leute mittlerweile an die Regelungen und Vorschriften im Zuge der Corona-Krise gewöhnt. Das ist alles bei den Kunden angekommen“, sagt Adam. Nur dass einige Verbraucher den Supermarkt mittlerweile wieder als sozialen Treffpunkt nutzen wollen, stört ihn. „Ich verstehe, dass die Kunden auch mal untereinander plaudern wollen. Aber das geht derzeit leider nicht so. Wir weisen sie dann freundlich darauf hin, dass sie ihre Zeit im Markt doch lieber für den Einkauf nutzen sollen“, so der Supermarkt-Chef.

Serienproduktion ab Sommer

Zehn Deso Cubes sind derzeit im Einsatz, wie Baris Karadas, einer der beiden Geschäftsführer der noch jungen Herforder Saiko Maschinentechnik GmbH erklärt: „Ein erster Prototyp stand am Marktkauf in Herford, weitere stehen in Paderborn, Schloß Holte, Lübbecke oder eben Bruchmühlen. Zwei Exemplare liefern wir nach Zwickau.“

Die Grundidee für das Einkaufswagen-Desinfektionsgerät gab’s schon vor der Corona-Pandemie. „Tests haben ergeben, dass sich auf den Griffen von Einkaufswagen immer viele Keime und Bakterien sammeln. Wir haben nach einer einfachen, hygienischen und vor allem nutzerfreundlichen Lösung gesucht, diese zu entfernen“, sagt der 39-Jährige, der zugleich Mitinhaber der Herforder Full-Service-Agentur B.O.A.T. Projects ist.

Durch die Corona-Krise beschleunigte sich die Entwicklung des Deso Cube, dazu wurde vor einem Monat die Saiko GmbH als Start-Up-Unternehmen mit sechs Mitarbeitern aus der Taufe gehoben. Getüftelt und gebaut wird in Herford. Auch die Chefs selbst legen bei der Entwicklung und Verbesserung mit Hand an. Karadas schätzt, dass der Deso Cube ab Sommer in die Serienproduktion gehen kann. „Wir verbessern jetzt immer noch etwas. Die Serien-Exemplare werden sich dann voraussichtlich vor allem in der Wertigkeit von den derzeitigen Demoversionen unterscheiden.“

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