Wegen der Corona-Krise finden zwar keine Veranstaltungen statt, trotzdem gibt’s Kritik
Nabu hat Osterfeuer-Brauch im Visier

Bünde (WB). Osterfeuer? In Zeiten der Coronavirus-Pandemie nicht unbedingt das drängendste Thema, sollte man meinen. Immerhin haben Landrat Jürgen Müller und alle neun Bürgermeister im Kreis am 12. März entschieden, alle gesellschaftlichen, kulturellen und sportlichen Veranstaltungen, die von den Städten und Gemeinden im Kreis Herford organisiert werden, abzusagen. Darunter fallen auch ausdrücklich Osterfeuer und ähnliche traditionelle Veranstaltungen.

Mittwoch, 08.04.2020, 15:40 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 15:42 Uhr
Eher wie eine Müllverbrennung wirkten im letzten Jahr einige Osterfeuer in Kirchlengern. Foto: Nabu

Trotzdem beschäftigt dieses Thema den Naturschutzbund (Nabu) und den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Beide hatten sich bereits zu Jahresanfang an die Kommunen Kirchlengern, Hiddenhausen und Spenge gewandt, um darauf zu verweisen, dass es in Sachen Osterfeuer aus Sicht der Umweltorganisationen noch Missstände auf kommunaler Ebene gibt. Beispielsweise existiere in Kirchlengern keine ordnungsrechtliche Regelung zum Abbrennen sogenannter Brauchtumsfeuer.

Wenige Ausnahmen

„Die Entwicklung hat uns inzwischen aber überrollt”, sagt Nabu-Kreisvorsitzender Friedhelm Diebrok mit Blick auf die aktuelle Lage. Allerdings: Dieses Thema stehe jedes Jahr wieder auf der Tagesordnung, insoweit sei die Kritik der Naturschutzverbände auch in Zeiten des Coronavirus nicht fehl am Platz. Doch was ist Nabu und BUND konkret ein Dorn im Auge? „Nicht der ‚böse‘ Nabu, sondern die Gesetze schreiben vor, dass nichts mehr im Freien verbrannt werden darf”, informiert Diebrok. Grünabfall sei auf dem eigenen Gelände oder in einer Kompostierungsanlage zu entsorgen – und damit sei nicht das Verbrennen gemeint. Von dieser Regelung gebe es einige genau definierte Ausnahmen – und eine sei das Brauchtums- oder Osterfeuer.

„Niemand hat etwas gegen Bewahrung von Traditionen oder Brauchtumsfeiern, auch der Nabu nicht”, betont Diebrok. Diese Feuer müssten aber frei zugänglich sein, ferner gehe man davon aus, dass sie zahlreiche Menschen anziehen. „Es reicht nicht aus, dass sich ein Handvoll Familien aus der Nachbarschaft versammeln.” Den vielen privaten Feuern anlässlich des Osterfeuers sollte künftig Einhalt geboten werden, fordern deshalb Nabu und BUND. Während beispielsweise in Rödinghausen klare Regeln (ordnungsbehördliche Verordnung) in Sachen Osterfeuer vorliegen würden, die von Mindestabständen zu Gebäuden, möglichen Veranstaltern bis hin zum Tierschutz reichten, gebe es in Kirchlengern auf kommunaler Ebene in dieser Sache nichts. „Manche Lokalpolitiker sehen in den privaten Feuern kein großes Problem, sondern Bürgerwille”, so Diebrok. Dabei müsste man in den Rathäusern die Gesetzeslage eigentlich kennen, gebe es doch eine eindeutige Gerichtsentscheidung des OVG Münster aus dem Jahr 2004. In Kirchlengern würden nach Angaben der Verwaltung seit 2003 jährlich 47 Osterfeuer genehmigt. „Das sind doch nicht alles Brauchtumfeuer. Da geht es doch um Abfallbeseitigung”, sagt Freyja Diebrok, stellvertretende Nabu-Kreisvorsitzende.

Nabu blickt genau hin

Im vergangenen Jahr habe man sich die Osterfeuer in Kirchlengern einmal angeschaut, viele fotografiert und Regelverstöße dokumentiert. „Das reicht vom Abbrennen von Osterfeuern in absurd kleinen Gärten, am Waldesrand oder an unzugänglich Stellen.” Daneben würden teilweise auch einfach Müll oder die Überbleibsel von Renovierungsarbeiten verbrannt. Zudem würden viele Privatfeuer nicht umgeschichtet – die Tiere darin würden verbrennen. „Hinter einem Feuerwehrhaus haben wir am Tag nach dem Abbrennen noch gesehen, wie immer wieder Flammen aus den Resten hervorschlugen - ohne dass jemand sich darum kümmerte.”

Als man die Gemeindeverwaltung darauf hingewiesen habe, habe die sehr entspannt reagiert, so Freyja Diebrok. Eine Kontrolle der Osterfeuer finde praktisch nicht statt. Die Naturschutzverbände hätten deshalb den Antrag gestellt, eine entsprechende Regelung zum Abbrennen von Osterfeuern zu erlassen und diesen Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung zu nehmen, so Friedhelm Diebrok. Wann diese allerdings stattfinden werde, stehe erst einmal in den Sternen.

Haufen für Tiere lassen

In diesem Jahr wird es keine Osterfeuer geben. Öffentliche Osterfeuer fallen unter das Verbot der Corona-Schutzverordnung, nach der sämtliche öffentliche Veranstaltungen und Versammlungen untersagt sind. Das private Verbrennen von Pflanzenabfällen ist ohnehin seit Jahren (und nicht nur zu Ostern) verboten und stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die vom Kreis Herford mit einem Bußgeld von mindestens 100 Euro geahndet wird. Von den Verboten nicht betroffen ist lediglich das Verbrennen von geeignetem und entsprechend abgelagertem Brennholz in Kaminöfen oder Feuerschalen im privaten Bereich („Gemütlichkeitsfeuer”) Aber auch hierbei dürfen keinesfalls Abfälle verbrannt werden.

Da die Osterfeuerhaufen diversen Tierarten als Lebensraum dienen, ist es aus Rücksicht auf die Tierwelt wünschenswert, die Haufen trotz Ausfall des Osterfeuers erst einmal liegen zu lassen. Denn bedingt durch die warmen Tage im Februar und März kann schon mal ein Zaunkönig, Rotkehlchen oder eine Heckenbraunelle den Haufen für das Osterfeuer als Biotop für die Brut belegt haben. Oder der Igel, Spitzmäuse oder sogar ein Hase oder Kaninchen sind eingezogen.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7362667?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514621%2F
Klos „kein Typ der Extreme“
Trainer Uwe Neuhaus mit Fabian Klos
Nachrichten-Ticker