Linkes Bündnis kritisiert Wirt des Bünder Gasthofes „Leib & Seele“
Protest gegen AfD-Stammtisch

Bünde (WB). Gegen einen Stammtisch, den die „Alternative für Deutschland“ (AfD) regelmäßig im Gasthof „Leib & Seele“ in Bünde veranstaltet, formiert sich Protest. In einem offenen Brief, der dem WB vorliegt, fordern unter anderem Mitglieder des Jugendzentrums „Villa Kunterbunt“, der Bünder Stadtverband der Grünen, die Linken, die Initiative 9. November Bünde, die Jusos, „Fridays for Future“ Bünde und das „Antifaschistische Kollektiv Bünde-Lübbecke“ den Wirt des Gasthofes auf, „die AfD vor die Tür zu setzen.“

Mittwoch, 04.03.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 04.03.2020, 13:16 Uhr
Die AfD veranstaltet im Gasthof „Leib & Seele“ regelmäßig einen Stammtisch. Dagegen hat sich Protest formiert. Unter anderem fordern Mitglieder des Jugendzentrums Villa Kunterbunt, die Bünder Grünen und Jusos den Wirt auf, „die AfD vor die Tür zu setzen“. Foto: Raske

Weiter heißt es: „Seit den rechtsextremen Entgleisungen von Höcke und ungefähr jeder anderen Parteigröße ist mittlerweile jedem bewusst, was für eine Nazi-Partei die AfD ist.“ Weil sie sich bürgerlich gebe, schaffe die AfD ein Klima, das Naziterror legitimiere und bundesweit aus dem Boden sprießen lasse. „Gerade erst wurden die Rechtsterroristen im Nachbarkreis Minden Lübbecke festgenommen. Das müssen wir an dieser Stelle nicht noch einmal ausführen.“ Deshalb fordere man, Faschisten keinen Platz zu geben.

Man gehe an die Öffentlichkeit, weil der Wirt definitiv wisse, wer dort den Stammtisch abhalte und es dennoch toleriert werde. Das sei auch vom Wirt bestätigt worden. Zudem finde das Treffen immer an einem Montag statt, dem Ruhetag des Gasthofes „Leib & Seele“, „damit ungestört der Rassismus verbreitet werden kann und niemand dabei stört“.

Wirt will nicht einknicken

Bei Manfred Grönegreff, Inhaber und Wirt des Gasthofes, stößt der Brief auf Unverständnis. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Wo kommen wir hin, wenn wir eine demokratisch gewählte Partei ausgrenzen?“ Stammtische hätten auch die CDU und SPD in seinem Gasthof. „Soll ich die AfD jetzt rausschmeißen, nur weil linke Gruppen einen Brief schreiben?“ Er sehe jedenfalls nicht ein, dass er wegen eines solchen Schreibens einknicken solle, sagt Grönegreff, der sich selber als unparteiisch bezeichnet.

„AfD hat gefährliches Wahlprogramm“

Wie stehen die aufgeführten Parteien zu diesem Schreiben? „Mitglieder des autonomen Jugendzentrums ‚Villa‘ sind auf uns zugekommen, haben den Brief vorgestellt und gefragt, ob wir das auch mittragen – und das haben wir mehrheitlich beschlossen“, sagt Stefanie Janßen-Rickmann, Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bünder Rathaus. In ihren Augen habe die AfD ein ganz gefährliches Wahlprogramm. „Die AfD im Kreis Herford ist natürlich nicht die AfD Thüringen, aber die AfD distanziert sich auf Bundesebene nicht vom Rechtsextremismus. Sie lässt sich demokratisch legitimieren – ihr Programm ist aus meiner Sicht aber nicht demokratisch.“

Der offene Brief sei mit dem SPD-Kreisvorstand nicht abgesprochen, sondern auf Initiative des Juso AG Bünde verfasst worden, sagt SPD-Kreisgeschäftsführer Olaf Winkelmann. Grundsätzlich stehe der Kreisvorstand jedoch zu seiner Aussage, eine klare Kante und Abgrenzung zur AfD zu ziehen, betont Winkelmann.

AfD sieht „politisches Kesseltreiben“

In Löhne habe es einen ähnlichen Protest gegeben, sagt Herbert Weber, AfD-Fraktionschef im Herforder Kreistag. „Es ist zu befürchten, dass auf den Wirt in Bünde Druck ausgeübt wird. Falls dem so sein sollte, ist das ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Es ist ein Unding, dass einer demokratischen Partei das Recht genommen wird, sich frei zu versammeln. Die, die uns Verfassungsfeindlichkeit vorwerfen, brechen die Verfassung selber am laufenden Band“, so Weber.

Die AfD im Kreis Herford zeige keinerlei rassistische oder sonstige rechtsextreme Merkmale, betont der AfD-Fraktionschef. Er verweist auf ein Gerichtsverfahren gegen Landrat Jürgen Müller. „Im Zuge des Verfahrens hat der Landrat bestätigt, dass die AfD-Fraktion im Kreistag weder rechtspopulistisch noch rassistisch ist, sich vielmehr in die politisch-parlamentarische Arbeit voll einbringt und eine klar sachorientierte Politik betreibt.“ Was die AfD derzeit erlebe, sei ein Kesseltreiben gegen eine demokratisch gewählte Partei, kritisiert Herbert Weber.

Ähnliche Diskussionen um einen Veranstaltungsort hatte es bereits in Löhne gegeben. Da hatte ein Gastwirt die AfD nicht bewirten wollen.

Kommentare

Demokrat  wrote: 06.03.2020 23:27
Liebe Frau Deppendorf
Liebe Frau Deppendorf,

zuerst fiel mir die unterirdische Grammatik in Ihrem Kommentar auf. Dem Wirt gestehe ich wirtschaftliches Denken zu und verurteile dieses auch nicht. Ich kenne seine politische Gesinnung nicht. Wenn Sie allerdings erwarten, dass aufrechte Demokraten nun zum zweiten Mal in der deutschen Geschichte einer Partei erlauben die Demokratie zu unterwandern, sollten Sie sich freuen, das dem nicht so ist. Was Sie hier so beklagen ist die einzig richtige Antwort auf Politik die sich ausschließlich auf Ängste der Bürger gründet. Sie wohnen in einem der reichsten Länder dieser Welt und partizipieren an diesem Reichtum. Genießen Sie es doch einfach und stelle Sie sich dir Frage, wollen Sie das wirklich ändern?
Franky  wrote: 06.03.2020 10:12
Die Linksterroristen der Antifa sind besser?
Beim G20 Gipfel Autos der unbescholtenen Bürger anzünden, Polizisten ermorden wollen, die Reichen abschlachten und sich dann als Retter der Demokratie bei einer demokratisch gewählten Partei aufspielen? Und die Grünen blasen noch in dieses Horn von Terroristen? Ich fasse es nicht, wie kann man nur so eine Partei wie die verblendeten Grünen auf über 20% hieven, sind die Leute echt so blöd?
Joachim Löscher  wrote: 05.03.2020 16:00
Linke Gefahr.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.
DJTom72  wrote: 05.03.2020 00:39
Hochinteressant....
…..da ruft eine Partei wie die Linke zur Ordnung auf, gerade die Partei, die gerne 1% der Reichen erschießen lassen möchte, ach nein, sie besser in ein Arbeitslager stecken will....ganz dünnes Eis!!!
jochar  wrote: 04.03.2020 18:53
Betrachten wir mal nüchtern die Fakten
Kurz zum Faktencheck:

Ein Bünder Geschäftsmann bekommt eine Anfrage für einen Stammtisch einer verfassungskonformen Partei und sagt zu.

Bürger, Parteien und Gegner dieser Partei versuchen den Wirt dazu zu bringen, seine Meinung zu seinen Ungunsten zu ändern, weil die Partei nicht ihren Vorstellungen entspricht.

Was hat das mit Demokratie und freier Marktwirtschaft zu tun ?
Wollen wir den Wirten demnächst nach der Einführung des Rauchverbotes auch noch vorschreiben, wem sie ihr Bier verkaufen dürfen ?
Sowas ähnliches hatten wir schonmal in Deutschland ... hat sich nicht etabliert.

Ist der nächste Schritt, dass Mitglieder von Parteien, Glaubensrichtungen oder mit bestimmten Haarfarben kein Toilettenpapier mehr beim Discounter bekommen ?

Einfach mal den Kopf einschalten bevor man Parolen ruft ... und das bitte auf beiden Seiten.
Klaus  wrote: 04.03.2020 16:08
linksradikale doppelstandards
Die Linke spricht davon, Reiche zu erschießen, und kritisiert nun einen Wirt der sein Gasthof an die AfD vermietet. linksradikale doppelstandards !!!
Marion Deppendorf  wrote: 04.03.2020 15:07
Protest AFD
Ein großes Rätsel ist mir , eine demokratisch gewählte Partei die im BT sitzt , wird ständig gejagt , verleumdet und diskriminiert . Wir haben Parteien die dem Bürger massiv Schaden zu fügen in sämtlichen Bereichen , spielt alles keine Rolle , aber genau diese Parteien voran die linken gehen ständig mit Hass & Hetze gegen diese Partei .
Und dabei weiß man , was mit dieser linken Partei und ihre Gesinnung los ist . Aber das wird alles hin genommen , sie haben seinerzeit massiv den G 20 Gipfel in HH mit Millionen von Sachschaden angerichtet ..redet kein Mensch von , Polizisten wurden geschlagen und gedemütigt , alles O.K:. Aber die AFD ! Und wir wollen eine Demokratie sein ? Eine Wahl die Merkel nicht genehm ist wird soll rückgängig gemacht werden und wird solange von allen attackiert , samt Medien bis der gewählt zurück tritt . Das erinnert mich an alles , nur nicht an einer Demokratie. M.fr. Gr. M. D.
So stell ich mit keine Demokratie vor
Siegfried Thüte  wrote: 04.03.2020 13:41
linke Borniertheit?
Was kann ich schon für einen Kommentar von Sylke Rolfsmeyer, Beisitzerin im Kreisvorstand Minden - Lübbecke der AFD, erwarten?
Anderen Menschen und Organisationen "Hetze" und "typisch linke Borniertheit" vorwerfen, wenn sie sich gegen Treffen einer Partei wehren, deren Führungspersönlichkeiten, wie Björn Höcke, Faschisten sind oder wie Herr Gauland das Nazireich als Vogelschiss in der deutschen Geschichte bezeichnen.
Das verharmlosen und Leugnen rechter Gewalt sowie Hetze gegen Andersdenkende und Fremde ist Methode der AFD.
Deshalb muss auch Herr Grönegreff sich fragen bzw. fragen lassen, ob es richtig ist, der AFD Raum für ihre Treffen zur Verfügung zu stellen.
Ein Vergleich mit Stammtischen der CDU oder SPD ist so unangemessen wie der zuvor genannte Vogelschiss.

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