Bünder Gymnasiasten auf den Spuren des Terroranschlags von Utøya
GaM startet Erasmus-Plus-Projekt

Bünde (WB).In Zeiten zunehmender Nationalismen in Europa hat sich das Gymnasium am Markt (GaM) das Ziel gesetzt, Kontakte ins europäische Ausland zu intensivieren und mehr Schülern Gelegenheit zu eröffnen, in länderübergreifenden Projekten zu arbeiten und Austauscherfahrungen zu machen. Mit fünf anderen Schulen in Stockholm (Schweden), Fredrikstad (Norwegen), Rho (bei Mailand/Italien), Cambrai (Frankreich) und Valladolid (Spanien) haben Lehrer ein Erasmus-Plus-Projekt bei der EU beantragt.

Mittwoch, 04.03.2020, 15:00 Uhr
Die Vertreter der beteiligten Schulen beim „Student Meeting“ in Norwegen, darunter auch das Bünder Gymnasium am Markt.

Es trägt den Namen Evanos (European Values from North to South), dauert zwei Jahre und wird vollständig von der EU finanziert. Ziel ist, zu erforschen, welche Werte uns in Europa verbinden und wie diese in den verschiedenen Ländern der Union wahrgenommen und umgesetzt werden.

Gelebtes Miteinander

Für die sechs Austauschbegegnungen setzten die gastgebenden Schulen einen Schwerpunkt. Das GaM hat sich das Thema (Soziale) Inklusion und Exklusion gewählt.„Das passt gut zu unserer Schule. Das gelebte Miteinander zeichnet uns als Schule aus“, erläutert der stellvertretende Schulleiter, Thomas Holste-Malavasi, der den Kontakt zu den beteiligten Schulen hergestellt hat.

Dass das Thema bei den 15- bis 17-Jährigen am Gymnasium gut ankommt, zeigte das hohe Interesse der Schüler bei der Bewerbung um einen der begehrten Plätze im EVANOS-Team. „Insgesamt hatten wir mehr als doppelt so viele Bewerber wie freie Plätze. Aufgrund der Rahmenvorgaben durch das Erasmus-Verfahren mussten wir aber eine Auswahl von 35 Teilnehmern treffen. Wir freuen uns über die gute Beteiligung, weil dies auch zeigt, dass die Jugendlichen durchaus ein Interesse an Europa haben“, erklärt Ulla Knüppel, eine der Organisatorinnen des Projekts.

Thema: „politischer Extremismus“

Inzwischen hat sich eine 35-köpfige Gruppe in den Jahrgangsstufen 9 und EF gebildet, welche an den verschiedenen Themen arbeitet und den europäischen Gedanken stärker in die Mitte der Schule rücken möchte.

Bereits im November 2019 hatten sich die verantwortlichen Lehrkräfte aus allen beteiligten Schulen zu einer viertägigen Arbeitsphase in Stockholm getroffen, um sich besser kennenzulernen, die Arbeit der nächsten zwei Jahre zu planen und die „Student Meetings“ vorzubereiten.

Sieben Schüler des GaM reisten, begleitet von den Lehrern Annabel Bunte und Bastian Igelbrink, nach Norwegen. Der inhaltliche Schwerpunkt dieses ersten Treffens war „politischer Extremismus“ und wie Norwegen mit diesem Thema umgeht. Nachdem der erste Tag als so genannter Kennenlerntag mit unterschiedlichen sportlichen und Teambuilding-Aktivitäten organisiert war, konnten die Schüler am zweiten Tag in Oslo in die inhaltliche Arbeit einsteigen.

Viel gelernt in einer Woche

Nach einem Besuch im Wikingermuseum besuchte die Gruppe die norwegischen Parlamentarierin Elise Waagen, die am 22. Juli 2011 auf Utøya (Ferieninsel in der Nähe von Oslo) das Sommerlager der AUF (Jugendorganisation der norwegischen Arbeiterpartei) mitbetreute, als Anders Behring Breivik dort bei einem Terroranschlag 69 Menschen ermordete.

Viele Schüler haben in der Rückschau diese Gesprächsrunde als beeindruckendes Erlebnis beschrieben. „Es ist unglaublich, mit wie viel Respekt diese Politikerin über Abgeordnete einer anderen Partei in ihrem Parlament spricht. Dies wäre in meinem Land nicht möglich“, sagte Lorenzo, einer der italienischen Schüler.

Vertieft wurde die Thematik der Erfahrung und des Umgangs mit politischen Extremismus im „22nd of July Center“, das sich im Regierungsviertel befindet. „Meines Erachtens sind wir in dieser Woche dem übergeordneten Bildungsziel, unsere Schüler zu mündigen Staatsbürgern zu erziehen, ein großes Stück näher gekommen“, bekräftigt Annabel Bunte. Auch Schüler bestätigen, dass sie nicht oft so viel und so intensiv in einer einzigen Woche gelernt hätten.

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