Nachbarschaftsfehde: Mann widersetzt sich Polizei – 4000 Euro Geldstrafe
Streit um „Exklusiv-Parkplatz“

Bünde (WB). Der 54-Jährige beansprucht einen öffentlichen Parkplatz vor der Haustür für sich alleine. Als sein Nachbar dort wieder mal parkt, eskaliert die Situation, die Polizei schreitet ein. Weil er sich dabei zwei Beamten widersetzt, die ihn in Gewahrsam nehmen wollen, hat Amtsrichter Henning Zurlutter den Bünder zu einer Geldstrafe verurteilt.

Montag, 02.03.2020, 16:18 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 10:14 Uhr
Bis die Handschellen klickten, hier ein Symbolbild, leistete der 54-Jährige erheblichen Widerstand. Foto: dpa

Es ist der vorläufige Höhepunkt einer seit Jahren dauernden Nachbarschaftsfehde. Der Fall könnte für den alleinstehenden Sicherheitsingenieur noch teuer werden. Denn einer der Polizisten war nach dem Vorfall vor fast drei Jahren monatelang dienstunfähig. Ein gebrochener Finger musste zweimal operiert werden.

Rechtsanwalt Achim Depenbrock, der den Beamten (43) als Nebenkläger vertritt, kündigte eine Zivilklage auf Schmerzensgeld an. Schließlich sei auch dem Dienstherren seines Mandanten, dem Land NRW, ein Schaden in Höhe von 80.000 Euro entstanden. „Aber Sie haben ja ein Haus, da kann man ja was pfänden“, sagte er in Richtung des Angeklagten.

Und genau dieses Doppelhaus in Hüffen war der Ort der Auseinandersetzung am 11. März 2017. Weil sein Nachbar (57) den Parkplatz auf dem öffentlichen Mehrzweckstreifen besetzt hatte, blockierte der Angeklagte mit seinem Auto die Carport-Zufahrt der Nachbarin (58). Pikanterweise soll es sich bei ihr um die Ex-Lebensgefährtin des 54-Jährigen handeln, die nun mit einem neuen Partner, dem vermeintlichen „Falschparker“, in der anderen Hälfte des Doppelhauses lebt. „Als das Haus im Oktober 2013 fertig war, hat sie mir eröffnet, dass sie sich von mir trennt und mit ihm dort einziehen wird“, sagte der Angeklagte. Die Gegenseite sieht das ganz anders: „Als ich sie damals kennenlernte, waren wir beide Single“, sagte ihr Partner als Zeuge.

„Pistole auf mich gerichtet“

Als die Frau am späten Nachmittag noch einmal wegfahren wollte und der Nachbar trotz Ansprache zur Aufgabe der Blockade nicht zu bewegen war, rief sie die Polizei. Die wurde zunächst auch abgewiesen. Erst nachdem ihr Lebensgefährte den vermeintlichen Exklusiv-Parkplatz geräumt hatte, gab der Nachbar die Ausfahrt frei.

Laut Anklage habe der Mann sich dann äußerst aggressiv verhalten, sei mit erhobener Faust auf den Nachbarn zugegangen. Ein Beamter ging dazwischen. „Er hat die Polizisten beleidigt“, bestätigte die Hausbewohnerin die Aussagen der Einsatzkräfte. Als diese den Mann in Gewahrsam nehmen wollten, widersetzte er sich: Zwei Beamte und er stürzten im Hauseingang. Ein Polizist brach sich einen Finger, der andere schlug mit Kopf und Schulter auf eine Marmortreppe. Erst herbeigerufene Verstärkung konnte den Mann bändigen. Er wurde ebenfalls verletzt.

Vor Gericht schilderte er den Hergang völlig anders. Er habe niemanden beleidigt, ließ er seinen Anwalt Torsten Giesecke eine Einlassung verlesen. Die Polizisten hätten ihn niedergeschlagen, gewürgt und dann sogar auf ihn eingetreten. „Ein Polizist hat eine Pistole auf mich gerichtet“, sagte er anschließend sichtlich erregt. In der schriftlichen Einlassung war davon aber nicht die Rede, lediglich von Pfefferspray, das die Beamten ihm als mögliches Einsatzmittel gezeigt hätten.

Verteidiger kündigt Berufung an

Amtsrichter Zurlutter verurteilte den 54-Jährigen wegen Nötigung (Zuparken der Ausfahrt) und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Beleidigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 4000 Euro. Vom Vorwurf der versuchten Körperverletzung (versuchter Angriff auf den Nachbarn) sprach er ihn frei. Der Verurteilte selbst hatte nach dem Vorfall die Polizisten angezeigt. Die Verfahren wurden vorläufig eingestellt.

Mit seiner angeblichen Ex-Partnerin streitet er noch in einem Zivilverfahren um 50.000 Euro, „plus Zinsen“, wie er betont. Die bisherigen „fünf bis sechs Gerichtsverhandlungen“ im Nachbarschaftstreit seien jedoch in ihrem Sinne ausgegangen, gab die Frau zu Protokoll. „Er tyrannisiert uns, seit wir dort wohnen.“ Verteidiger Giesecke kündigte Berufung an.

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