Polizei ermittelt falschen Verdächtigen – 45-Jähriger vor Gericht freigesprochen
Todesdrohung im Fast-Food-Imbiss

Bünde (WB). Weil er nach einem Streit eine Angestellte der Bünder Burger-King-Filiale mit dem Tode bedroht haben soll, hat sich ein 45-Jähriger jetzt vor dem Amtsgericht verantworten müssen. Allerdings: Anscheinend war der falsche Mann angeklagt worden.

Dienstag, 04.02.2020, 07:43 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 09:26 Uhr
Der Fall soll sich bereits 2018 an der Bünder Burger-King-Filiale zugetragen haben. Wie herauskam, war der nun Angeklagte aber nur ganz am Rande in die Sache verwickelt. Foto: Daniel Salmon

Fünf Zeugen waren zur Verhandlung am Montagmorgen vorgeladen – es schien ein längerer Prozess zu werden. Aussagen musste nur eine: die vermeintlich bedrohte Restaurantmitarbeiterin (41). Nach kaum einer Viertelstunde konnte der Mann auf der Anklagebank das Gericht wieder verlassen – als freier Mann. Die Anklage wegen Beleidigung und Bedrohung wurde fallen gelassen. Scheinbar hatte die Polizei den falschen Verdächtigen ermittelt.

Die angeklagte Tat soll sich laut Vertreterin der Staatsanwaltschaft bereits am Morgen des 14. Juni 2018 zugetragen haben. Nachdem die 41-Jährige den Bünder auf dem Parkplatz des Fast-Food-Ladens darauf aufmerksam machte, dass dort nur Kundenfahrzeuge stehen dürfen, soll der Hartz4-Empfänger die Frau zunächst als Schlampe beschimpft haben. Später habe er die Filiale betreten und der Zeugin gedroht, sie umbringen zu wollen. „Das hat die Frau ernst genommen“, so die Anklägerin.

Mann streitet Vorwurf ab

Der Bünder selbst ließ zu dem Sachverhalt eine Erklärung seines Verteidigers verlesen. Demnach sei es zwar richtig gewesen, dass sich der 45-Jährige an jenem Tag auf dem Burger-King-Parkplatz aufgehalten habe. Er hatte sich dort mit einem Mann verabredet, den er über das Verkaufsportal Ebay-Kleinanzeigen kennengelernt hatte. Zwar sei es tatsächlich zu einem kurzen verbalen Schlagabtausch mit der Imbiss-Mitarbeiterin gekommen – an dieser soll aber der Unbekannte beteiligt gewesen sein, nicht er selbst. Der Angeklagte selbst sei anschließend weggefahren. Später habe er Post von der Polizei bekommen, die auf einem Überwachungsvideo das Kennzeichen des Wagens – ein roter Passat – den er fuhr, ermittelt habe.

„Daraufhin ging er dann in die Filiale und hat sich erkundigt, warum er zu Unrecht einer Straftat beschuldigt wird“, führte der Rechtsanwalt aus. Einen ersten Hinweis, dass der falsche Mann angeklagt wurde, lieferte der Amtsrichter nach Durchsicht der Akten: „Mir ist da so einiges aufgefallen, was mich stutzig gemach hat.“ Demnach hatte die Bedrohte seinerzeit bereits bei der Polizei ausgesagt, dass es ausdrücklich nicht der Mann mit dem roten Passat war, der sie bedroht und beleidigt habe.

Video zur Verfügung gestellt

Und diese Aussage wiederholte die Geschädigte auch im Zeugenstand. „Das ist nicht der Mann. Der stand zwar auch auf dem Parkplatz, aber er hat nichts damit zu tun“, sagte die 41-Jährige mit Blick in Richtung Anklagebank. „Der andere war groß, hatte braune und lockige Haare“, lieferte sie eine Beschreibung des „richtigen“ Tatverdächtigen. Zudem betonte die Frau, dass sie der Polizei auch Videoaufnahmen von dessen Auto zur Verfügung gestellt hatte.

Für Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft war die Sache damit erledigt. Hinweise, die zu dem Unbekannten führen würden, konnte der Angeklagte auf Nachfrage des Richters nicht liefern. Stattdessen müsste wohl die Polizei noch mal in dem Fall tätig werden, meinte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft nach dem fälligen Freispruch. Der 45-Jährige zeigte sich nach Prozessende erleichtert. Vor dem Gerichtsgebäude gönnte er sich gemeinsam mit den Zeugen eine Zigarette.

Ein ähnlicher Fall

Bereits 2017 hatte sich ein Mann vor dem Bünder Amtsgericht für eine Tat verantworten sollen, die er nicht begangen hatte. Ihm war vorgeworfen worden, eine Taxifahrerin mit einem Faustschlag attackiert zu haben. Allerdings: Schon kurz nach Verhandlungs­beginn nahm der Prozess eine kuriose Wendung. Der Bünder hatte die Tat von Beginn an bestritten. Stattdessen vermutete er, dass ein Namensvetter von ihm, »den ich leider auch kenne und der über 1000 Ecken mit mir verwandt ist«, die Körperverletzung begangen habe.

Und so war es wohl auch: Denn das Opfer erkannte den Angeklagten nicht als Taxi-Schläger. „Er sieht ihm ähnlich, aber er ist es nicht“, sagte die Frau damals aus. „Das ist bedauerlich, dass jetzt Sie hier sitzen. Aber anscheinend ist die falsche Person ins Visier der Polizei geraten«, wandte sich der Richter an den Angeklagten und sprach ihn frei.

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