Bünder soll mit 2,7 Promille im Blut Auto gefahren sein – Anwalt will Polizisten als Zeugen hören
Promillefahrer-Prozess vertagt

Bünde (WB). Fortsetzung folgt: Der Prozess gegen einen Bünder, der mit reichlich Promille im Blut mit seinem Auto ins Krankenhaus und wieder zurück nach Hause gefahren sein soll, ist vertagt worden. Der Anwalt des Mannes zweifelte unter anderem das Prozedere der Polizei in dem Fall an.

Dienstag, 04.02.2020, 06:03 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 06:10 Uhr
Warum der Angeklagte die Notaufnahme aufsuchte kam in der Verhandlung am Montag nicht heraus. Foto: Daniel Salmon

Kaum mehr als zehn Minuten dauerte die Sitzung am Montagmorgen in Saal 1 des Bünder Amtsgerichts, dann konnten sich alle Beteiligten schon wieder anderen Aufgaben zuwenden. Zumindest kam es zur Verlesung der Anklageschrift. Laut der Vertreterin der Staatsanwaltschaft soll der 34-Jährige am Morgen des 18. November 2018 – das war ein Sonntag und noch konkreter: Volkstrauertag – in seinem Seat zur Notaufnahme des Lukas-Krankenhauses gefahren sein. Dabei habe er unter anderem mit seinem Wagen die Straße Im Südbrock passiert.

2,72 Promille um 13.11

Gegen 10.30 Uhr, so die Anklägerin, sei die Behandlung in der Klinik beendet gewesen, der Angeklagte soll sich hinter das Steuer seines Seat gesetzt und wieder nach Hause gefahren sein. Später sei die Polizei auf den Mann aufmerksam geworden – wie genau das geschah, wurde am ersten Verhandlungstag nicht thematisiert. Bei zwei Blutproben, die dem Bünder gegen 13.11 Uhr und 13.40 Uhr am vermeintlichen Tattag entnommen wurden, sei allerdings eine Blutalkoholkonzentration von zunächst 2,72 und später dann 2,62 Promille festgestellt worden. „Damit ist man auf jeden Fall fahruntüchtig“, kommentierte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft: „Der Angeklagte hat sich daher als ungeeignet zum Führen zum Kraftfahrzeugen erwiesen.“

Gericht stimmt Vertagung zu

Wie der Verteidiger monierte, hatte laut Aktenlage aber angeblich niemand gesehen, dass sein Mandant den Wagen an jenem Sonntagmorgen tatsächlich bewegt hatte. Der 34-jährige Gebäudereiniger selbst wollte sich zur Sache gar nicht einlassen. Zudem zog der Rechtsanwalt in Zweifel, ob der Bünder – angesichts des hohen Alkoholwerts in der Blutbahn – überhaupt ordnungsgemäß von den Polizisten belehrt wurde beziehungsweise belehrt werden konnte: „Die Frage ist, konnte er das überhaupt verstehen?“, so der Verteidiger. Lediglich in der polizeilichen Vernehmung habe sich sein Mandant damals gegenüber den Beamten zu den Vorwürfen eingelassen.

Daher bestand er darauf, die Ermittler zu dem Fall zu hören. Die Ordnungshüter waren am Montagmorgen nicht als Zeugen geladen gewesen. Sowohl Gericht als auch Staatsanwaltschaft stimmten dem Ansinnen der Verteidigung zu. In der Sache wird daher ein neuer Termin anberaumt.

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