Zunahme an Leerständen beunruhigt Händler – Kaufleute fordern Unterstützung der Stadt Angst vor der Abwärtsspirale

Bünde  (WB). Zieht der stationäre Handel auf Dauer den Kürzeren? Wer die Einkaufsstraßen der Städte in der Region besucht, könnte diesen Eindruck gewinnen. Leerstände häufen sich – und das selbst in sogenannten 1a-Lagen wie der Bünder Eschstraße. Handelt es sich um die übliche Fluktuation oder spielen hier andere Faktoren eine Rolle? Wie sich die Situation aus Sicht des heimischen Einzelhandels darstellt, erläutert im Gespräch mit dem WB Georg Kruthoff, Geschäftsführer der Handel Bünde GbR.

Von Hilko Raske
Nach Ansicht von Georg Kruthoff ein Schandfleck: der ehemalige Verkaufspavillon von Althoff Moden.
Nach Ansicht von Georg Kruthoff ein Schandfleck: der ehemalige Verkaufspavillon von Althoff Moden. Foto: Daniel Salmon

Entscheidungen in den Konzernzentrale

C&A hat die Stadt bereits verlassen, Zeeman wird folgen, und auch Esprit ist spätestens zum Jahresende nicht mehr am jetzigen Standort zu finden. Diese Entwicklung sei durchaus beunruhigend, so Kruthoff. „Ein Problem, das wir nicht beeinflussen können, ist die Veränderung der Verkaufsstrategien von Handelsketten“, sagt der Geschäftsführer der örtlichen Werbegemeinschaft. „Die Vorstände dieser Unternehmen  sind auf Entscheidungen von Unternehmensberater fixiert, die sich für eine Stadt von mittlerer Größe wie Bünde negativ auswirken.“

So schließe C&A allein in Deutschland 100 Filialen. „Die werden wir nicht wieder zurückbekommen.“ C&A mache sich, so seine Meinung, selber Konkurrenz durch das eigene Onlinegeschäft. „Wenn der Umsatz in diesem Bereich stimmt, werden kleine und mittlere Filialen nicht mehr benötigt.“ 

Bei Zeeman, so Kruthoffs Einschätzung, verhalte es sich ähnlich.  Sollte  es zu dauerhaften Leerständen in den Premiumlagen kommen, sei dies eine sehr bedenkliche Entwicklung. Dabei spielten aber neben Entscheidungen in Konzernzentralen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle. „Wie ist eine Immobilie zugeschnitten – und wie sieht es aus mit der Ladenmiete?“

Alternative Nutzungen ins Auge fassen

Sollten sich bestimmte Immobilien auf Dauer nicht für den Einzelhandel vermieten lassen, könnten auch andere Nutzungen ins Auge gefasst werden. Kruthoff verweist hier auf die Alte Apotheke, die in einigen Monaten als Café wiedereröffnet werden soll. „Für ein solches Vorhaben sehe ich gute Chancen. Ein klassisches Café fehlt in der Innenstadt. Das könnte zu einem Anziehungspunkt werden.“

Die Fußgängerzone, wie sie sich heute darstelle,  sei auf zwei sogenannte Ankerzentren ausgelegt: „Das ist zum einen das Bünder Modehaus und zum anderen der Woolworth-Komplex.“ Durch die Umgestaltung des Woolworthgebäudes werde der Bereich am Museumsplatz wieder an Attraktivität gewinnen. Zudem wolle sich Rossmann  ansiedeln und auch Woolworth selber werde dort künftig zu finden sein. Generell aber lasse sich ein Branchenmix, wie er oftmals gewünscht werde, nicht wirklich steuern. „Dafür ist Bünde einfach nicht groß genug.“ 

„Stadt in der Pflicht“

Zur Steigerung der Attraktivität sieht Kruthoff deshalb auch die Stadt in der Pflicht. „Was wir auf alle Fälle vermeiden müssen, ist, dass eine Negativspirale einsetzt: schwindende Umsätze im Einzelhandel, sinkende Investitionen, Aufgabe eines Geschäftes, weitere Leerstände.“ Zwar würden die Basics in Bünde eindeutig stimmen. „Wir haben eine super Parkplatzsituation und derzeit noch eine sehr ansprechende Einkaufsmeile.“ Aber Politik und Verwaltung müssten sich der Frage stellen, wie sie Gewerbe und Handel unterstützen könnten, um auf Dauer Sympathiepunkte gewinnen zu können. „Wenn man nichts macht, kann eine Stadt Probleme bekommen“, befürchtet Kruthoff mit Blick auf umliegende Städte im Kreis Herford.

Zwar sei Bünde nach wie vor eine der schönsten Städte im Kreisgebiet und der Region. „Wenn du aber erst einmal abgehängt bist, wird es schwierig, Geschäfte mit Magnetwirkung wieder hierher zu bekommen.“ Und die Selbstheilungskräfte von Handel und Gewerbe seien nicht so groß, dass man ohne Unterstützung auskomme.

Problemkind Bahnhofstraße

Gibt es in Bünde schon Bereiche, in denen der Einzelhandel abgehängt ist? „Die Bahnhofstraße zwischen Bolldammbrücke und Kreuzung Kleiner Bruchweg ist weitestgehend tot.“ Vor allem einige Gebäude im Bereich Bahnhofstraße/Ernst-Reuter-Straße/Lettow-Vorbeck-Straße könne man nur als Schandfleck bezeichnen, betont Kruthoff. „Dieses Areal müsste dringend überplant werden. Da ist ziemlich viel Potential drin.“ Der derzeitige Anblick sei leider nur demotivierend.

In der Bahnhofstraße zwischen Bolldammbrücke und Bahnhof seien in den 1960er und 1970er Jahren zusätzliche Verkaufsflächen geschaffen worden, die heutzutage nicht unbedingt benötigt würden. „Interessant wäre es zu wissen, ob hier nicht eine Umnutzung als Wohnraum im Erdgeschossbereich möglich ist.“

Kommentar von Hilko Raske

Vorweg gesagt: Bünde ist eine Perle im Vergleich zu einigen umliegenden Städten im Kreis Herford. Aber hier gilt, dass man sich auf Erreichtem nicht ausruhen darf. Will man die Anziehungskraft, die Bünde derzeit noch als Shoppingziel besitzt, erhalten, ist nicht nur der Handel gefragt. Unterstützung durch die Stadt – und nicht nur ideeller Art – ist das Gebot der Stunde. Deshalb sollten Einzelhandel und Verwaltung ausloten, wo der Schuh drückt und wo Hilfe Not tut.

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