33-Jähriger findet angeblich zugestellte Hermes-Sendung im Straßengraben
Wer hat das Weihnachtspaket geplündert?

Rödinghausen (WB). „Wo ist das Weihnachtsgeschenk für meine Tochter geblieben?“, diese Frage stellt sich Carsten A. (Name geändert). Denn statt im Briefkasten seiner Eltern fand er das bereits Anfang Dezember bestellte Päckchen am ersten Weihnachtsfeiertag im Straßengraben – leer. Sein Verdacht: Der Zusteller könnte etwas mit dem Verschwinden der Sendung zu tun haben.

Samstag, 04.01.2020, 06:16 Uhr aktualisiert: 06.01.2020, 14:16 Uhr
Mit dem Handy hat Carsten A. festgehalten, wie er das an seine Mutter adressierte Päckchen am zweiten Weihnachtsfeiertag in einem Straßengraben in Bieren fand. Von der Puppe für die Tochter des 33-Jährigen fehlt jede Spur Foto: Daniel Salmon

Doch der Reihe nach: Nach Aussage des Bielefelders hatten seine in Rödinghausen lebenden Eltern Anfang vergangenen Monats eine Puppe bestellt. Die sollte eigentlich für ihre Enkelin (1) unterm Weihnachtsbaum liegen. „Die besagte Sendung wurde am 6. Dezember verschickt und angeblich am Nachmittag des 12. Dezember bei einem Nachbarn zugestellt“, schildert Carsten A. in einer E-Mail an das WESTFALEN-BLATT. Ausgeliefert werden sollte das Paket durch einen Boten des Logistikdienstleisters Hermes. „Eine Benachrichtigungskarte befand sich allerdings nicht im Briefkasten meiner Eltern“, so der Bielefelder.

Videos ausgewertet

Diese Hermes-Zustellungskarten entdeckte Carsten A. in der Nähe des leeren Päckchens.

Diese Hermes-Zustellungskarten entdeckte Carsten A. in der Nähe des leeren Päckchens. Foto: privat

Dass das Päckchen überhaupt irgendwo in Rödinghausen angekommen sein soll, erfuhr seine Mutter erst, nachdem sie die Verkäuferin der Puppe kontaktiert hatte. „Ich habe von der angeblichen Zustellung erst online durch die Sendungsverfolgung erfahren“, sagt Carsten A. im Gespräch mit dieser Zeitung. Allerdings: Es gibt keinen Nachbarn mit dem im Internet angegebenen Namen: „Dies wurde mir auch durch den Postboten bestätigt. Trotzdem hat mein Vater unsere wenigen Nachbarn gefragt, ob sie eine Sendung angenommen hätten – haben sie aber leider nicht.“

Daraufhin wurde der 33-Jährige stutzig. Er wertete die Überwachungsvideos einer Kamera aus, die seine Eltern auf ihrem Grundstück im Ortsteil Bieren installiert haben. Dabei kam heraus: Auf den Filmen ist für den angeblichen Zustellungstag von einem Paketboten weit und breit nichts zu sehen. Gleichzeitig räumt A. aber ein: „Die Überwachungskamera löst nur aus, wenn sie eine Bewegung wahrnimmt.“ Ein hundertprozentiger Beweis, dass der Paketbote an jenem Tag keinen Zustellversuch unternommen habe, sei die Aufnahme laut A.’s Aussage somit nicht. „Aber zum angegebenen Zeitpunkt, das war 15.43 Uhr, müsste mein Vater eigentlich zuhause gewesen sein.“

Fund an den Feiertagen

Bis zu den Feiertagen ließ die Familie das Thema dann auf sich beruhen. Die Großeltern besorgten ein anderes Geschenk für ihre Enkelin. Am zweiten Weihnachtstag machte Carsten A. unweit seines Elternhauses bei einem Spaziergang aber eine auffällige Entdeckung. „In einem Straßengraben hatte ich zunächst elf Benachrichtigungskarten von Hermes gefunden. Bis auf eine – auf der stand ‚15 Euro‘ – waren alle leer“, erzählt der Familienvater. Einige Schritte weiter stieß er dann auf das an seine Eltern adressierte Paket. Der Sendungsaufkleber sei zwar abgerissen gewesen, aber durch weitere Angaben auf dem Päckchen habe er dieses zuordnen können. Von der Puppe für seine Tochter entdeckte er allerdings keine Spur.

„Das ist echt eine Sauerei“, sagt Carsten A., der in der Sache zwar niemanden beschuldigen will. Aber seiner Ansicht nach sei es nicht ausgeschlossen, dass der Paketbote etwas mit dem Verschwinden des Päckchens zu tun habe. Zumal der Fund der Hermes-Zustellungskarten in der Nähe des geplünderten Päckchens schon auffällig sei.

An den Logistikdienstleister habe er bereits eine Verlustmeldung geschickt, zudem eine Mail mit einer Bitte um Stellungnahme verfasst. „Ich frage mich, wie Hermes auf so einen unmöglichen Fall reagieren wird und ob meine Mutter Strafanzeige gegen den Boten stellen sollte“, sagt der 33-Jährige.

Zwar seit der Wert der Sendung mit 30 Euro überschaubar. „Aber einfach hinnehmen braucht man so etwas ja auch nicht“, meint der Bielefelder. Für sich hat er entschieden, nichts mehr zu bestellen, was mit Hermes versandt wird.

Das sagt Hermes

Mehr Unregelmäßigkeiten

Unabhängig vom konkreten Fall erklärte ein Sprecher der Herforder Kreispolizei, dass mit der erhöhten Zahl versendeter Pakete zur Weihnachtszeit auch die Anzahl der Unregelmäßigkeiten bei den Zustellungen ansteige. Der Beamte rät, bei Bestellungen etwa über das Internet eine sichere Zustellungart zu wählen, etwa eine Packstation.

...

Wegen der Angelegenheit hatte sich die Familie von Carsten A. am 27. Dezember zunächst per Mail an den Hermes-Kundenservice gewandt und den Verlust des Päckchens beklagt. Zurück kam eine automatische generierte Antwort mit dem Wortlaut: „Bitte bedenken Sie, dass ein Anspruch auf Verlustausgleich frühestens ab dem 21. Tag nach Sendungsüberlassung eintritt. Bis dahin wird Ihre Sendung zugestellt oder nach ihr recherchiert. Wir bitten Sie daher bezüglich einer Verlustbearbeitung um Geduld und bedanken uns für Ihr Verständnis.“

Auf eine weitere Beschwerde-Mail reagierte dann ein Mitarbeiter des Logistikunternehmens am 30. Dezember. Er erklärte, dass die Anfrage an das zuständige Hermes-Verteilzentrum zur Klärung weitergeleitet worden sei. Ein solcher Vorgang würde „erfahrungsgemäß“ eine Woche dauern.

Ein Hermes-Pressesprecher erklärte auf Nachfrage dieser Zeitung, den Vorgang prüfen zu wollen. Bis Redaktionsschluss am Freitagnachmittag ging keine weitere Mail des Unternehmens ein.

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