Wolfgang Koch spricht über sechs Projekte, die er noch realisieren oder anschieben will
Endspurt für den Bürgermeister

Bünde (WB). Am 31. Oktober 2020 ist endgültig Schluss. Nach dann zwei vollendeten Amtszeiten in elf Jahren als Verwaltungschef der Stadt Bünde wird sich Wolfgang Koch sowohl aus dem Rathaus als auch dem Berufsleben verabschieden. Bis dahin möchte der Bürgermeister noch so einige Projekte realisieren oder auf den Weg bringen – über sechs davon spricht er mit derm WESTFALEN-BLATT.

Donnerstag, 02.01.2020, 06:24 Uhr aktualisiert: 02.01.2020, 06:30 Uhr
Das wohl letzte offizielle Bild im alten Bünder Freibad: Bürgermeister Wolfgang Koch ist zuversichtlich, dass die neue Anlage pünktlich zum Saisonstart im Jahr 2021 öffnen wird. Der Abbruch der Altgebäude beginnt voraussichtlich bereits Ende dieses Monats. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Fragt man den 63-Jährigen nach seinen konkreten Plänen für den Ruhestand, muss dieser erst einmal überlegen. Mehr Lesen, ausgedehnte Fahrradtouren oder generell spontanes Reisen, das könne er sich gut vorstellen. Klar sei, dass er im Ruhestand kein aktives kommunalpolitisches Amt ausüben wird. „Aller Wahrscheinlichkeit nach werde ich Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbandes Herford-Land bleiben und mir eine weitere ehrenamtliche Tätigkeit suchen.“ Und die dann wohl in Bünde, denn der in Rheine geborene Koch will seiner Wahlheimat auch im Ruhestand treu bleiben. Merklich spontaner antwortet der Bürgermeister, wenn er nach den Vorhaben gefragt wird, die er in seiner verbleibenden Amtszeit noch anstoßen oder verwirklicht sehen will. „Ich möchte weiter gestalten, es gibt noch eine Menge zu tun.“ Neben vielen großen und kleinen Plänen und Ideen lägen ihm einige Projekte besonders am Herzen.

Neubau Freibad

„Das wird ein tolles Ding für Bünde, ein modernes Sport- und Familienbad, in dem auch regionale Wettkämpfe durchgeführt werden können“, sagt Koch. 50-Meter-Edelstahlbecken, 5-Meter-Sprungturm sowie Nichtschwimmer- und Planschbecken, das wird sich „sehen lassen können“. Man liege sehr gut im Zeitplan, der Abbruch beginne voraussichtlich Ende Januar, die Neubauarbeiten wahrscheinlich noch im Frühjahr. Zwischen acht und neun Millionen Euro soll die Gesamtmaßnahme kosten, knapp vier Millionen Euro an Fördermitteln steuert das Land dazu. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass das neue Freibad zum Saisonstart 2021 fertig sein wird – ich werde bei der Eröffnung als Gast dabei sein und mir eine der ersten Dauerkarten kaufen.“

Neues Bahnhofsgebäude

Ebenfalls positiv gestimmt ist Wolfgang Koch beim Umbau des Bahnhofsgebäudes. Denn auch bei diesem Großprojekt geht es nach langer Planungsphase im kommenden Frühjahr endlich los. „Der Teilabbruch wird Ende des ersten Quartals 2020 beginnen, wenn es danach zügig weitergeht, könnte im Laufe des Jahres 2021 alles fertig werden.“ Koch ist vom Umgestaltungskonzept überzeugt. „Wir bekommen einen schicken neuen Bahnhof, der sowohl das gesamte Quartier als auch den Mobilitätsstandort Bünde aufwerten wird.“ Die Stadt habe im Nah- wie im Fernverkehr gute Anbindungen und bekäme mit dem neuen Bahnhof dann eine Visitenkarte, die „diesem Knotenpunkt mit großem Potenzial, der unterschiedliche Verkehrsarten miteinander verbindet“, angemessen sei. Was insbesondere Bünder Pendler und Reisende freuen dürfte: „Auch die Park & Ride-Fläche am Bahnhof soll erweitert werden.“

Lückenschluss Radweg

Wer mit dem Fahrrad von Bünde nach Enger fahren möchte, sollte den direkten Weg zwischen Hüffen und Besenkamp tunlichst vermeiden, denn auf der viel befahrenen, kurvigen Strecke gibt es keinen Radweg. Das Thema Lückenschluss auf dem etwa 1,6 Kilometer langen Abschnitt der Enger und Bünder Straße vom Ortsausgang Bünde bis zur Dorfstraße in Besenkamp begleitet Wolfgang Koch bereits während seiner gesamten Amtszeit. Nun scheint tatsächlich Bewegung in die Sache zu kommen. „Anfang dieses Jahres werden wir den erforderlichen Grunderwerb abgeschlossen haben, es waren zähe und langwierige Verhandlungen, es gab zig Probleme, aber nun haben wir es hinbekommen.“ Koch ist sehr optimistisch, noch „als Bürgermeister den ersten Spatenstich machen zu können“.

Standort für Stadtbücherei

Im September 2022 läuft der Mietvertrag für die Stadtbücherei an der Eschstraße aus. „Ich wünsche mir ein modernes Medienzentrum mit angegliedertem Stadtarchiv, das wir am jetzigen Standort aber aufgrund der dafür ungeeigneten Räumlichkeiten nicht realisieren können“, sagt Koch. Sein Favorit für den neuen Büchereistandort ist der Tabakspeicher. Ein Architektenentwurf habe gezeigt, dass dieses Vorhaben sehr gut realisierbar sei und schätzungsweise 2,5 Millionen Euro kosten würde. Das sei natürlich nicht ganz billig. Aber: „Ein Anbau an der Musikschule, neben Marktgymnasium oder Bonhoeffer-Haus, eine bereits diskutierte Alternative für den neuen Büchereistandort, würde doppelt so teuer sein“, betont Koch. Mit dem Tabakspeicher könne man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. „Es ist doch schade, dass dieses Stadtbild prägende Gebäude nur so herumsteht, mit dem Einzug der Bücherei könnten wir den Tabakspeicher zu einem Kommunikationszentrum mit Gastronomie und weiteren Angeboten entwickeln und so das Bahnhofsumfeld weiter voranbringen.“ Um rechtzeitig aus dem Mietvertrag herauszukommen, müsse im Sommer 2021 gekündigt werden. „Ich möchte noch während meiner Amtszeit eine grundsätzliche Entscheidung herbeiführen.“

Gewerbegebiet Schnellweg

Gewerbefläche ist in Bünde gleichermaßen gefragt wie rar. Mit dem neuen Gewerbegebiet Schnellweg in Holsen steht nun – nach langen Planungen – eine knapp 2,8 Hektar große Fläche bereit, die für eine Vielzahl an Investoren interessant sein dürfte. „Der Bebauungsplan ist fertig, sobald er rechtskräftig ist, werden wir mit der Vermarktung beginnen, das wird im ersten Quartal des neuen Jahres geschehen“, kündigt der Verwaltungschef an. Koch ist zuversichtlich, dass dieser Prozess während seiner Amtszeit abgeschlossen wird. „Ich denke, dass es recht schnell Interessenbekundungen geben wird, Bünde ist nicht zuletzt aufgrund der guten Anbindungen als Standort begehrt.“ Er wünscht sich viele Bewerbungen interessanter Unternehmen, sodass man „im Rathaus die Wahl“ habe.

Gestaltung Rathausumfeld

Wenn Wolfgang Koch aus den Fenstern seines Arbeitszimmers schaut, blickt er auf den Rathausparkplatz, die Lettow-Vorbeck-Straße und die Else. Vor seinem geistigen Auge tauchen aber bereits ein Rathausanbau, ein ins Stadtbild harmonisch eingefügter Platz und ein Parkhaus auf. Noch sind das nur Perspektiven und Ideen, die Neugestaltung des Rathausumfeldes ist für den Bürgermeister aber ein wichtiges Ziel für die mittelfristige Zukunft. Das hat auch pragmatische Gründe. „Wir platzen im Rathaus aus allen Nähten“, so Koch. Dass die Stadt bereits Räumlichkeiten im zurzeit im Umbau befindlichen Woolworth-Gebäude angemietet hat, sieht er nur als etwas längere Interimslösung. „Die Verwaltung benötigt auf Dauer mehr Platz, und ich wünsche mir nicht nur einen funktionalen Ersatz- oder Anbau, sondern gleichzeitig eine neue und attraktive Gestaltung des Rathausumfeldes.“ Dafür müsse das benachbarte Jugendamtsgebäude abgerissen und das gesamte Areal mit Parkplatz neu überplant werden. Ein Architektenwettbewerb soll konkrete Umsetzungsideen bringen. „Ich möchte die Sache während meiner Amtszeit noch grundsätzlich und möglichst mit Beschluss auf den Weg bringen.“

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