Polizei findet tausende Dateien – Staatsanwalt: „Das ist ganz unterste Schublade“
Kinderpornos gehortet: Bewährungsstrafe für Bünder (59)

Bünde (WB). Der Mann auf der Anklagebank wirkt unscheinbar. Er hat einen gut bezahlten Bürojob, einen erwachsenen Sohn, ist nicht vorbestraft. Aber er hat Kinder- und Jugendpornos gehortet: tausende Bilder und Videos. Dafür hat ihn das Bünder Amtsgericht zu einer zwölfmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt – ausgesetzt zur Bewährung.

Montag, 09.12.2019, 15:30 Uhr aktualisiert: 10.12.2019, 07:06 Uhr
In seinem Plädoyer wies der Staatsanwalt auf eine ganze Kinderporno-Industrie hin, für die vor allem Kinder im Ausland missbraucht würden. Mit der Sammlung von Kinder- und Jugendpornos habe auch der Bünder diese Maschinerie unterstützt. Foto: dpa

Staatsanwalt Guido Hartmann braucht am Montagvormittag etwa sieben Minuten bis er die komplette Anklageschrift verlesen hat. Mehrere Datenträger – Festplatten, CD-Roms, Handys, ein Laptop, ein PC – mit belastendem Material hatte die Polizei demnach bei einer Hausdurchsuchung im November 2018 bei dem 59-Jährigen sichergestellt. Rund 3400 Fotos und Videoclips finden die Ermittler.

Auch Kleintiere bei Missbrauch gezeigt

Doch der Vertreter der Anklage geht noch weiter ins Detail. Er schildert, was genau in einigen der gefundenen Filmen zu sehen ist. Manche sind nur 30 Sekunden lang, andere fast 50 Minuten. Viele zeigen, so der Staatsanwalt, den Missbrauch von gerade einmal vierjährigen Mädchen durch Erwachsene. Auf vier Bildern würden zudem Kleintiere in sexuelle Handlungen an den Kindern mit einbezogen. „Das ist ganz unterste Schublade“, wird Hartmann später in seinem Plädoyer sagen.

Schon zu Beginn der Verhandlung räumt der Beschuldigte die ihm zur Last gelegten Vorwürfe – also den Besitz kinder- und jugendpornografischer Schriften – ein, er entschuldigt sich auch dafür, spricht von „Sammelwut“. „Aber mein Mandant sagt, er hatte im Vorfeld einen Großteil der Daten gelöscht“, so der Verteidiger des Mannes. Seiner Meinung nach sei in der Anklage nicht aufgeschlüsselt, wie viele Dateien die Fahnder tatsächlich auf den Datenträgern fanden und wie viele der gelöschten Bilder und Fotos sie später wiederherstellten. „Wenn etwas gelöscht ist, besteht in dem Sinne kein Besitz mehr“, meint der Anwalt mit Blick auf einen Großteil der Daten.

Auch Dateien gelöscht

Auch der Angeklagte gibt an, das Betriebssystem auf seinem PC vor geraumer Zeit neu aufgesetzt und dazu die gesamte Festplatte überspielt zu haben. Trotzdem hätte die Polizei dort noch belastende Bilder und Videos gefunden. Möglicherweise seien Sicherungsdateien nicht gelöscht worden, mutmaßt der 59-Jährige.

Nach Auffassung des Amtsrichters und des Staatsanwalts ist diese Tatsache jedoch letztlich unerheblich. Die Dateien seien nicht zufällig heruntergeladen und sofort wieder gelöscht worden. Der Beschuldigte habe sich aber eine regelrechte Sammlung angelegt, so der Richter. Schließlich zieht der Verteidiger seinen Einwand zurück.

„Diese Straftaten zerstören Kinderleben“, betont Staatsanwalt Hartmann. Es gebe eine ganze Industrie, die hinter der Erstellung und Vermarktung von Kinder- und Jugendpornos stecke – und die auch der 59-Jährige mit dem Konsum der Bilder und Filme unterstützt habe. Der Ankläger erkennt zwar an, dass sich der Bünder mittlerweile Hilfe bei einer Therapiegruppe geholt habe: „Aber erst nach der Hausdurchsuchung. Sie werden fast 60. Das hätten Sie schon vorher machen sollen.“ Aufgrund des Geständnisses, einer guten Sozialprognose („Wenn Sie sich weiterhin Hilfe holen“) und weil sich der Angeklagte bislang nichts hat zu Schulden kommen lassen, fordert der Staatsanwalt eine siebenmonatige Haftstrafe auf Bewährung. Als Auflage soll der Bünder 5000 Euro an eine Organisation zahlen, die Kindern hilft und seine Therapie fortsetzen. Sein Verteidiger will eine geringere Strafe erwirken.

Richter geht über Forderung hinaus

Am Ende geht das Gericht in seinem Urteil über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Maß hinaus. „Hinter jedem Bild steckt ein Missbrauch in schlimmster Art und Weise. Es ist unerträglich sich das anzusehen“, sagt der Richter. 2000 Euro muss der Büroangestellte als Auflage an die Aktion Kinderschutz zahlen und weiterhin therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.

Weil der 59-Jährige und die Staatsanwaltschaft auf Rechtsmittel verzichten, wird das Urteil noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

Kommentare

Mathias Anderer  wrote: 10.12.2019 11:54
Sehr verdächtig
Es ist schon erschreckend, dass mittlerweile sogar Staatsanwälte Kinderschänder unterstützen, indem ein dermaßen lächerliches Strafmaß gefordert wird! Wer in solchen Fällen nicht die Höchststrafe fordert, macht sich verdächtig!
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