Nach 21 Jahren als Bekleidungstechnikerin findet die Bünderin Judith Nölting ihren Traumjob
Die Hufpflegerin

Bünde (WB). 21 Jahre hat sie bei Gerry Weber mit Stoffen gearbeitet. Jetzt verdient Judith Nölting ihr Geld mit Zange, Messer und Feile. Die Bünderin hat im November ihre Ausbildung zur Hufpflegerin abgeschlossen, ist seit Dezember mit ihrem gepackten Wagen unterwegs. Sie kürzt und korrigiert Pferdehufe – vom Minipony bis zum dicken Kaltblüter.

Samstag, 07.12.2019, 05:45 Uhr aktualisiert: 08.12.2019, 09:22 Uhr
Sie sind seit vielen Jahren ein Team: „Paddy“ und Judith Nölting. Die ersten Versuche als Hufpflegerin hat sie bei ihrem Tinker gemacht. Foto: Kathrin Weege

„Das ist zwar ein Knochenjob. Aber es gibt keinen schöneren Beruf auf der ganzen Welt“, schwärmt die Bekleidungstechnikerin.

Es war nicht die Krise beim Haller Modeunternehmen oder etwa die Kündigung. „Ich bin von selber und ganz freiwillig gegangen. Ich wollte einfach etwas Neues machen. Hufpflegerin war mein Traum“, erzählt die 43-Jährige.

Knochenjob: kräftig und mit Druck feilen

Sie holt ihren Tinker „Paddy“ aus seinem Auslauf, reinigt ihm die etwas schlammigen Füße. Dann nimmt sie das Messer und entfernt vorsichtig das alte Horn im Innenbereich des Hufs, mit der Zange knipst sie die zu lange Außenwand kürzer, anschließend wird mit einer großen Feile alles geglättet. Und das ist anstrengender, als man meinen können. Da muss kräftig und mit etwas Druck gefeilt werden, damit die Hornspäne überhaupt fallen. „Meine ersten Arbeitsversuche habe ich bei meinen eigenen beiden Pferden ‚Paddy‘ und ‚J. D.‘ gestartet“, sagt die Bünderin, die auf dem ehemaligen Hof Ernstmeier in Randringhausen lebt. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Hufpfleger und einem Schmied? „Ich beschlage nicht – mache also keine Eisen – arbeite nur mit Barhufern“, erklärt sie.

Alles unter Berücksichtigung der Biomechanik

Bevor sie sich das erste Mal an die Hufe eines Pferdes macht, schaut sie es sich im Stand und dann in Bewegung an. „Ich sehe nach Fehlstellungen der Gliedmaßen und überlege, wie man hier korrigieren kann – alles unter Berücksichtigung der Biomechanik“, so Judith Nölting. Wie ein Pferd mit Hufeisen geht auch ein Barhufer etwa alle sechs bis acht Wochen zur „Fußpflege“. Um diese gut leisten zu können, braucht die Bünderin festen Untergrund und am besten ein Dach über dem Kopf. Die Besitzer müssen bei der Arbeit dabei sein – aus Versicherungsgründen.

130 Kunden werden gebraucht

130 Kunden brauche sie, um von ihrer Arbeit leben zu können. Im Umkreis von 50 Kilometern sind neue Kunden also willkommen. Sie sei zuversichtlich, diesem Stamm an Pferdefreunden gewinnen zu können. „Auch Schmiede, die ja auch Hufpflege anbieten, sind rar in der Gegend“, weiß Nölting, die auch Tipps in Sachen Hufpflege, -schuhe und Fütterung gibt. Neben dem Kürzen und Behandeln von Fehlstellungen hilft sie auch Pferden, die unter Rehe oder Strahlfäule leiden. „Viele unterschätzen diese Krankheiten“, sagt sie. Klar sei der Schritt aus der Festanstellung in die Selbstständigkeit mit einem Risiko verbunden. „Es ist es aber wert – für meinen Traum“, sagt Nölting, die seit ihrer Kindheit immer Pferde um sich hatte.

Gerade im Winter erscheint der Job als Hufpflegerin recht ungemütlich, wenn man bei Wind und Wetter draußen ist. „Das macht mir aber nichts aus. Wenn ich einen Fuß fertig habe, ist mir schon richtig warm“, sagt Judith Nölting.

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