55-Jähriger aus Kirchlengern musste sich vor Gericht verantworten Waffen geerbt, Bewährungsstrafe kassiert

Kirchlengern/Bünde (WB). »Unwissenheit schützt vor Strafe nicht«: Zu dieser Erkenntnis ist jetzt auch ein 55-jähriger Kirchlengeraner gelangt. Wegen der alten Schusswaffen seines toten Stiefvaters hat ihm das Bünder Amtsgericht eine Freiheitsstrafe aufgebrummt.

Von Daniel Salmon
Dass er für den Besitz einiger der noch verbliebenen Waffen, die er von seinem Stiefvater geerbt hatte, eine behördliche Erlaubnis brauchte, will der 55-jährige Angeklagte nach eigenem Bekunden nicht gewusst haben.
Dass er für den Besitz einiger der noch verbliebenen Waffen, die er von seinem Stiefvater geerbt hatte, eine behördliche Erlaubnis brauchte, will der 55-jährige Angeklagte nach eigenem Bekunden nicht gewusst haben. Foto: dpa

Dabei ist der gelernte Kfz-Mechaniker nach eigenem Bekunden alles andere als ein Waffennarr: »Ich habe mit so etwas eigentlich gar nix am Hut«, gab der Angeklagte, der am Donnerstagmittag ohne Anwalt vor Gericht erschienen war, zu Protokoll.

Fest steht allerdings: Am Abend des 25. August vergangenen Jahres standen drei Polizisten vor der Wohnungstür des Mannes. »Und zwar im Rahmen einer gefahrenabwehrrechtlichen Durchsuchung«, wie die Vertreterin der Staatsanwaltschaft erklärte. Warum die Beamten ausgerechnet bei dem Verdächtigen auftauchten, wurde in der Verhandlung nicht erörtert.

Waffenschrank stand offen

In einem Waffenschrank, der auch noch offenstand, stieß das Trio unter anderem auf eine halbautomatische Kurzwaffe, zwei weitere Pistolen sowie 30 Schuss Manövermunition. Für deren Besitz ist allerdings eine behördliche Erlaubnis nötig, über die der Kirchlengeraner nicht verfügte. Neben einer größeren Anzahl weiterer, allerdings nicht erlaubnispflichtiger Waffen zogen die Polizisten besagte Gegenstände ein. Das brockte dem Mann schließlich eine Anklage wegen unerlaubten Waffenbesitzes ein.

Doch wie war der Kirchlengeraner überhaupt in den Besitz der Waffen gekommen? »Das waren die Sachen von meinem Stiefvater. Der war etwas ›braun‹ angehaucht und hat alles, was mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun hat, gesammelt«, erklärte der 55-Jährige. Nach dem Tod des Stiefvaters – das sei 2009 gewesen – habe der Angeklagte die Waffen geerbt.

Großteil der Sammlung bereits abgegeben

Einen Großteil der Sammlung (»Langwaffen und so«), für den eine Waffenbesitzkarte vonnöten war, hatte der Kirchlengeraner schon vor Jahren bei der Polizei abgegeben. Die Behörde hatte den Mann im Vorfeld angeschrieben, eine Liste der registrierten Waffen mitgeschickt: »Und die hatte ich auch alle abgeliefert.« Von den verbliebenen Waffen habe er dann gedacht, dass er diese ohne Erlaubnis besitzen dürfe. Eine Fehleinschätzung (»Mich interessieren solche Sachen einfach nicht«), wie der Kirchlengeraner nun feststellen musste. An die Richterin gewandt, meinte er: »Stampfen Sie die Waffen ein, mit den Dingern habe ich nichts als Ärger gehabt. Ich will die nicht wiederhaben.«

Sechsmonatige Bewährungsstrafe

Während die Anklage eine siebenmonatige Freiheitsstrafe – ausgesetzt zur Bewährung – und als Auflage 80 Sozialstunden forderte, beließ es die Richterin bei einem milderen Urteil. Weil der Angeklagte bislang strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten war, sich zudem geständig und reuig (»Sie haben Unrechtsbewusstsein gezeigt«) zeigte, verurteilte sich den 55-Jährigen zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe.

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