Kurhaus Ernstmeier verfällt – Dr. Rainer Ebel blickt auf seine Zeit als Arzt vor Ort zurück
Früher beliebtes Heilbad, heute Ruine

Bünde (WB). Die Fensterscheiben sind zerbrochen, Schmierereien verunstalten die Wände, verwitterte Möbelstücke liegen am Boden. Metall- und Bretterzäune sichern das ehemalige Kurhaus Ernstmeier. Was heute trostlos aussieht, war früher ein beliebter Kur- und Badeort. An die florierenden Zeiten kann sich der ehemalige Haus- und Badearzt Dr. Rainer Ebel noch gut erinnern.

Samstag, 02.11.2019, 06:00 Uhr
Dr. Rainer Ebel – hier vor dem Badehaus – kann sich noch gut an den florierenden Betrieb erinnern. Er war von 1978 bis 2008 Haus- und Badearzt bei Ernstmeier. 2010 schloss das Kurhaus nach einer Insolvenz. Foto: Kathrin Weege

Er schaut durch ein Fenster – nur noch kleine spitze Glasstücke stecken an den Rahmenrändern – des ehemaligen Badehauses.

Moorbaden

»Hier standen die zehn Holzwannen, in denen im warmen Moor bei gut 40 Grad gebadet wurde, hinzu kamen elf weitere ›Zellen‹ für Schwefelbäder«, blickt der Bünder zurück, der von 1978 bis 2008 zwischen zwei- und viermal in der Woche in der Mittagszeit als Haus- und Badearzt in die Einrichtung in Randringhausen kam. Er hatte eine Zusatzausbildung zum Badearzt absolviert und war unter anderem zuständig für die richtigen Indikationen beim Moorbaden. Während die Kurgäste – meist Senioren, die 70 Jahre und älter waren und unter Gelenkproblemen litten – in den Wannen saßen, kontrollierte ein Mitarbeiter, ob alles in Ordnung war.

Kurhaus in Bünde

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Foto: Kathrin Weege
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»Bei warmen Temperaturen kann schon mal der Blutdruck fallen«, meint Ebel, der hauptberuflich eine Praxis in der Bünder Innenstadt betrieb. Der Torf wurde zunächst vor Ort abgebaut, kam später aus Isenstedt. »Er musste zum Baden in eine besondere Form gebracht werden. Dafür gab es in einem Extra-Bau ein Rührwerk, das alles zerkleinerte, homogenisierte und mittels Schwefelwasser in eine breiige Form brachte. Es wurde auf 37 bis 42 Grad erwärmt«, so Ebel.

Florierende Zeiten

Er blickt auf das zerfallende Logier- und Badehaus – zehn Betten, Räume für Krankengymnastik und zum Baden – sowie das Hotel, in dem bis zu 43 Betten bereit standen. »Das ist schon traurig. Hier war früher richtig was los. Die Menschen reisten aus dem Ruhrgebiet an – sie kamen gerne wiederholt her – und genossen die schöne Landschaft und den Kurpark mit seiner eigenen Heilquelle«, erinnert sich der 75-Jährige. Im kleinen Park, der an das Badehaus angrenzt, sprudelt schwefelhaltiges Wasser aus einer Quelle. »Es sind konstant 50 Liter pro Minute«, weiß Ebel, hält seine Hände in den Wasserstrahl und nimmt einen Schluck. »Das schmeckt.« Das Wasser der Schwefelquellen sei für das Schwimmbad und für die Versorgung des Hotels mit Trink- und Brauchwasser genutzt worden.

So begann alles

Die Geschichte des Kurhauses begann 1928. »Damals wurden von den Colonen Heinrich Wilmsmeier und Wilhelm Ernstmeier erste Bohrungen im Quellbereich des Ostbaches auf eigenem Boden in Auftrag gegeben und Analysen des schwefelhaltigen Wassers erstellt«, schreibt Rainer Ebel in einem seiner Texte. Diese führten zu guten Ergebnissen und waren Voraussetzung für die Verwendung als Heilwasser. »Zusätzlich konnte auch das am Ostbach vorhandene Moor als Heilmittel zu Badezwecken genutzt werden finden«, so Ebel weiter. Im Laufe der ersten 25 Jahre nach der Eröffnung hätten 10.000 Kurgäste bei Ernstmeiers gewohnt. »Die Zahl der Kurgäste, die oft ambulant die Badehäuser aufgesucht haben, lag um ein Vielfaches höher.« Ernstmeier erhielt 1978 die Anerkennung als Sanatorium.

Insolvenz

Im Jahr 2009 mussten die Betreiber Insolvenz anmelden. Der Insolvenzverwalter versuchte, den Hotel- und Badebetrieb wieder in Gang zu bringen. Allerdings wurden 2010 bei den jährlichen Kontrolluntersuchungen in den Wasserleitungen Bakterien festgestellt – das bedeutete das endgültige Aus.

Stadt kauft Kurpark

Hotel und Badehaus – beide befinden sich heute noch im Privatbesitz einer Erbengemeinschaft – konnten bisher nicht veräußert werden. Anders ist das mit dem kleinen Kurpark. »Weil Randringhausen ein wichtiges und beliebtes Naherholungsgebiet ist, hat die Stadt im Dezember 2012 Teile des Kurparks gekauft. Sie hat die Verkehrssicherungspflicht für die angrenzenden Wege- und Waldflächen übernommen, damit das Gelände auch weiterhin von Erholungssuchenden und Spaziergängern genutzt werden kann«, teilt Doris Greiner-Rietz, Pressesprecherin der Stadt Bünde, mit.

Die Stadt kümmere sich zudem um die Pflege des Kurparks – in Form einer Basispflege – sowie den Betrieb des Wassertretbeckens in den Monaten Mai bis September. »Für die Absperrungen rund um das Gebäude sind allerdings die Eigentümer selber zuständig«, erklärt sie weiter.

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