Räume der aufgegebenen Filiale in Bünde stehen voll Wasser
C&A-Schließung: Folgen für übrigen Einzelhandel befürchtet

Bünde (WB). Die überraschende Schließung der C&A-Filiale an der Bünder Bahnhofstraße könnte auch Auswirkungen auf die übrigen Läden in der Fußgängerzone haben.

Samstag, 05.10.2019, 06:00 Uhr
Diese Kundin kann’s kaum fassen: Die C&A-Filiale in der Innenstadt ist plötzlich geschlossen. Auf dem kleinen Bild ist einer der Gründe erkennbar: Durch die Decke dringt Wasser in den Verkaufsraum. Die Aufnehmer können die Menge nicht mehr fassen. Foto: Salmon

Das befürchtet zumindest Georg Kruthoff. Auch der Geschäftsführer der Handel Bünde GbR war von den am Mittwochabend bekanntgewordenen Plänen der Modekette, ihren Standort in der Elsestadt aufzugeben, völlig überrumpelt worden: »Es gab im Vorfeld absolut keine Anzeichen dafür.«

Geschäfte mit Magnetwirkung

Wenn es nun nicht gelinge, nach Abschluss der Arbeiten am Woolworth-Komplex in den nun frei werdenden Räumen »ein Geschäft zu etablieren, das ein ähnliches Sortiment hat wie C&A, dann wird es für den gesamten Handel in der Bünder Innenstadt schwierig«. Seiner Ansicht nach habe die C&A-Filiale am unteren Ende der Eschstraße zusammen mit dem Bünder Modehaus am oberen Ende eine Art Magnetwirkung auf Besucher für die gesamte City gehabt, von der auch die übrigen Geschäfte profitiert hätten: »Und wenn einer dieser Magnete wegfällt, wird das Auswirkungen auf den Publikumsverkehr in der Eschstraße haben. Zumal C&A besonders jüngere Käuferschichten angezogen habe. Zugleich geht Kruthoff davon aus, dass die 1a-Lage der früheren C&A-Verkaufsfläche auch andere attraktive Geschäfte anlocken könne.

Das sagt der Einzelhandelsverband OWL

»Das ist schon ein herber Verlust«, bringt es Axel Berger, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands OWL und zuständig für die Kreise Herford und Minden-Lübbecke, auf den Punkt. Der Weggang von C&A werde sich wohl nicht von heute auf Morgen bemerkbar machen.

»Klar ist aber: Kunden wünschen eine große Auswahl. Daher ist ein Filialist weniger als Konkurrent für andere Einzelhändler zu sehen. Vielmehr ist er ein Magnetbetrieb. Je mehr Auswahl eine Innenstadt bieten kann, desto eher machen sich die Kunden auf den Weg«, sagt auch Berger.

Eine Bauphase sei immer eine Belastung für ein Geschäft. »Ein Filialist kann so etwas aber weit besser überbrücken als ein einzelnes Geschäft. Daher verwundert mich der komplette Weggang ein wenig. Ob es vielleicht andere Probleme gab – das wäre aber reine Spekulation«, meint Berger.

Wasser tropft von der Decke

Dass das Einkaufen und Arbeiten in dem Geschäft an der Bahnhofstraße kaum noch möglich war, zeigt ein Blick durch die Scheiben der Eingangstür. Ein Teil der Deckenvertäfelung ist an einer Stelle abgenommen. Aus der Höhe tröpfelt an mehreren Stellen Wasser in die Tiefe und platscht in eine längst übergelaufene Wäschewanne.

Soweit man in den dunklen Laden schauen kann, ist ein Großteil des Fußbodens nass. Jacken, Hosen und Pullover hängen noch auf den Warenständern – ein Teil der Kleidung dürfte ebenfalls vom eindringenden Wasser in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Kunden enttäuscht

Vor der Eingangstür steht am Freitagmittag eine Passantin. Ungläubig rüttelt sie an den Türgriffen. »Ich konnte gar nicht glauben, dass C&A wirklich geschlossen hat«, sagt die junge Frau und fährt fort: »Das ist wirklich schade und ein Verlust für die Innenstadt. Ich habe hier echt gerne eingekauft. Auch viele meiner Freunde und Verwandten waren richtig schockiert, als sie von der Schließung erfahren haben.«

Wie berichtet, hatte sich C&A kurzfristig zu diesem Schritt durchgerungen, nachdem die Verkehrs- und Betriebssicherheit der Filiale wegen des massiven Umbaus des so genannten Woolworth-Komplexes nicht mehr gewährleistet gewesen sei.

Der Besitzer der Immobilie, der Projektentwickler Amandla, war für eine Stellungnahme am Freitag nicht zu erreichen.

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