Unternehmer Grotemeier sperrt Stellflächen – Bürgermeister reagiert prompt – mit Kommentar
Zoff um Parkplatz: Stadt lenkt ein

Bünde (WB). Wegen eines jahrelangen Zoffs mit der Stadt Bünde hat Baumaschinen-Händler Uwe Grotemeier zu einem ungewöhnlichen Mittel gegriffen und einen seiner viel frequentierten Parkplätze zeitweise für die Öffentlichkeit gesperrt. Jetzt hat sich Bürgermeister Wolfgang Koch in die Sache eingeschaltet.

Dienstag, 01.10.2019, 06:33 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 12:46 Uhr
Die Aufnahme stammt vom Zwiebelmarkt-Sonntag. Vier Jahrzehnte hatten auf dem Parkplatz an der Lettow-Vorbeck-Straße die Schausteller der Kirmes ihr Quartier aufschlagen dürfen. Erstmals konnten sie die Fläche, die dem Unternehmen Grotemeier gehört, nun nicht nutzen. Foto: Daniel Salmon

Seit Ende vergangener Woche sind rund um die Stellfläche an der Lettow-Vorbeck-Straße Bauzäune aufgestellt. In dem Gebäude auf dem Areal, das ebenfalls Grotemeier gehört, befinden sich eine Filiale der Sonderposten-Kette Thomas Philipps und die Sanitärfirma Pietsch. An den dünnen Metallstangen sind knallrote Schilder befestigt, die über den Grund für Grotemeiers Maßnahme informieren.

Schilder erklären Grund für Maßnahme

Seit dreieinhalb Jahren schwelt laut Grotemeier der Streit mit der Stadt.

Seit dreieinhalb Jahren schwelt laut Grotemeier der Streit mit der Stadt. Foto: Daniel Salmon

Auf einem steht: »Da die Bünder Stadtverwaltung seit 3,5 Jahren die Nutzung eines unserer eigenen Grundstücke verhindert, müssen wir den uns zur Verfügung stehenden Platz effektiver nutzen und können leider ab sofort keine Parkplätze mehr für Externe zur Verfügung stellen.« Auf einem zweiten Schild stehen die Zeiten, ab denen die Tore zum Parkplatz geschlossen werden: freitags ab 19.30 Uhr sowie samstags ab 16.30 Uhr.

Der Stein des Anstoßes für die Sperrung liegt nur wenige Meter neben dem Gelände. »2015 haben wir das Grundstück neben unserer Firma gekauft. Dort steht auch das Gebäude der ehemaligen Kiko-Möbel-Filiale. Den Parkplatz davor wollten wir für unsere Maschinen nutzen«, erklärt Uwe Grotemeier im Gespräch mit dieser Zeitung. Doch da habe die Stadt nicht mitspielen wollen. »Der Technische Beigeordnete Herr Siepenkothen wollte uns die Genehmigung dafür nicht erteilten. Seine Argumentation: Wenn wir das Gebäude wieder für Einzelhandel nutzen wollten, bräuchten wir ja die Parkplätze.« Allerdings ziehe der Unternehmer so etwas für das alte und mittlerweile auch marode Gebäude gar nicht in Betracht. Langfristig solle der Bau sogar dem Erdboden gleichgemacht werden.

Kein Platz für Schausteller

Auf diesem Schild wird erklärt, wann der Parkplatz dicht gemacht wird.

Auf diesem Schild wird erklärt, wann der Parkplatz dicht gemacht wird. Foto: Daniel Salmon

Grotemeier: »Wir hatten sogar angeboten, uns vertraglich zu verpflichten, das Gebäude nicht zu nutzen. Das brachte aber nichts.« Um den älteren Teil des Komplexes überhaupt nutzen zu wollen, müsste der Bau feuerschutztechnisch für viel Geld saniert werden. »Aber das haben wir gar nicht vor.«

Vor allem zum Zwiebelmarkt fiel die Sperrung ins Gewicht. »40 Jahre haben wir den Parkplatz den Schaustellern unentgeltlich zur Verfügung gestellt«, so Grotemeier. Zudem hätten sich, seitdem der Platz abends abgeschlossen wird, zahlreiche Anlieger der Straße bei Grotemeier gemeldet. Diese hatten die Stellfläche mit rund 200 Parkboxen abends und nachts für ihre Fahrzeuge genutzt. »Das tut mir leid für die Leute und auch für die Schausteller. Aber wir werden das durchziehen«, so Grotemeier, der ankündigte, den Parkplatz auch unter der Woche nach Ladenschluss bei Thomas Philipps zu sperren. Der Unternehmer sagt: »In erster Linie möchte ich gut mit der Stadt zusammenarbeiten. Das muss doch auch möglich sein.«

Bürgermeister übernimmt

Stein des Anstoßes war der Parkplatz vor der ehemaligen Kiko-Möbel-Filiale. Hier wollte Grotemeier einige seiner Baumaschinen platzieren.

Stein des Anstoßes war der Parkplatz vor der ehemaligen Kiko-Möbel-Filiale. Hier wollte Grotemeier einige seiner Baumaschinen platzieren. Foto: Daniel Salmon

Fest steht: Die Stadt hat nun reagiert. Nachdem diese Zeitung im Rathaus wegen der Sache nachgehakt hatte, meldete sich Bürgermeister Wolfgang Koch. »Fakt ist, dass Herr Grotemeier einen Antrag gestellt hat, den Parkplatz am alten Möbelhaus zum Abstellen von Baumaschinen zu nutzen«, sagt das Stadtoberhaupt. Das habe der Technische Beigeordnete Andreas Siepenkothen laut Koch aber nicht genehmigen wollen. Nach Gesprächen mit Grotemeier und verwaltungsinternen Treffen habe der Bürgermeister am Montag reagiert. »Ich habe die Sache an mich gezogen und die Genehmigung unterschrieben. Ich sehe nicht ein, dass vonseiten leitender Verwaltungsmitarbeiter der lokalen Wirtschaft Steine in den Weg gelegt werden.«

Ob Grotemeier die Sperrung nun wieder zurücknimmt, ist unklar.

Kommentar

Dreieinhalb Jahre hat Unternehmer Uwe Grotemeier warten müssen, ehe er auf seinem eigenen Grundstück nun seine eigenen Baumaschinen abstellen darf. Sein Ärger über das Verhalten der Stadtverwaltung ist nur allzu verständlich.

Ebenso nachvollziehbar ist seine Reaktion darauf, die – gewollt oder ungewollt – für viel öffentliches Interesse gesorgt hat.

Natürlich müssen bei solchen Anliegen, wie sie die Bünder Firma an die Stadt richtete, auch immer gesetzliche Vorgaben beachtet werden. Allerdings hat Grotemeier glaubhaft versichert, das Gebäude nicht mehr für eine Einzelhandelsnutzung in Betracht zu ziehen. Perspektivisch solle der marode Komplex sowieso abgerissen werden.

Wozu also noch Parkplätze für Läden bereithalten, die es an der Stelle vermutlich nie geben wird? Das ist schlicht und ergreifend Unsinn.

Im Rathaus hat man das erst erkannt, als Bürgermeister Koch die ganze Angelegenheit zur Chefsache erklärt hat. Deutlich wurde durch den Vorfall einmal mehr, wie schlecht es um das Verhältnis zwischen dem Stadtoberhaupt und dem Technischen Beigeordneten Andreas Siepenkothen bestellt ist. Dass Letzterer sich jetzt gar nicht mehr öffentlich zu dem Vorfall äußern möchte, ist bezeichnend.

Bereits in der Vergangenheit waren Bürgermeister und Technischer Beigeordneter des öfteren – etwa bei öffentlichen Rats- und Ausschusssitzungen – aneinandergeraten. Diese Form der Auseinandersetzung schadet letztlich auch der Arbeit im Rathaus. Daniel Salmon

 

Kommentare

DJTom72  wrote: 01.10.2019 09:36
Hier kommt mal wieder....
....der Machtkampf zwischen dem technischen Beigeordneten und dem Bürgermeister zum tragen. Und das nicht zum ersten Mal!!! Der Herr Siepenkothen meint er wäre der Bürgermeister oder der Herrscher der Stadt, ist er aber nicht. Fingerspitzengefühl ist für ihn -auch im Bezug auf die Sitzungen zu den Straßenausbaubeiträgen- ein Fremdwort.
Ich hätte an Herrn Grotemeier‘s Stelle genauso gehandelt und gebe hier einen „Daumen hoch“ für sein Handeln!!!
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