Nach mehr als 80 Jahren Betrieb: Abschiednehmen vom Freibad
Ein letzter Sprung ins alte Becken

Bünde  (WB). Einatmen, Armzug, Beinschlag – unter Wasser ausatmen: Seit 60 Saisons zieht Hans Wippermann täglich seine Bahnen im Bünder Freibad. »Das war heute das letzte Mal«, sagt der 66-Jährige, blickt sich am Beckenrand um und zeigt versonnen auf den markanten Sprungturm, in dessen Schatten das ganze Wochenende über Abschied genommen wird.

Montag, 09.09.2019, 05:30 Uhr
Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, vor der Schließung noch einmal ins Schwimmerbecken zu springen. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Denn nach mehr als 80 Jahren hat das Freibad ausgedient und wird durch einen Neubau ersetzt ; erste Arbeiten sollen bereits in diesem Jahr beginnen. Dementsprechend ist es diesmal alles andere als ein normaler Saisonabschluss, sondern ein Abschied für immer. Kein Wunder, dass ein Gefühlsmix irgendwo zwischen Wehmut und Aufbruchstimmung überall auf dem Gelände zu spüren ist.

Seit 1958 regelmäßig am Schwimmen

So wie Hans Wippermann verbinden zig Bünder jahrzehntelange Erinnerungen an ihr Freibad. »Wir waren in den 60er-Jahren ›die Jungs‹ von Bademeister Fritz Heepmann, der den Sprungturm für uns kurz vor Schluss noch einmal öffnete, wenn wir die Wiese aufgeräumt hatten«, gibt der Stammgast ein Beispiel. Für ihn sei der seit einigen Jahren teilgesperrte Turm eines der Wahrzeichen Bündes. Martha Karnatschke, die hier seit 1958 regelmäßig schwimmt, stimmt ihm zu: »Früher kamen Leute aus dem ganzen Kreis hierher, um vom Zehner zu springen – man sollte den Turm als Denkmal erhalten«, so die 83-Jährige.

Wen man an diesem Wochenende auch fragt, trotz des Abschiedsschmerzes ist man doch froh, dass ein neues Freibad gebaut wird. »Das ist in heutigen Zeiten alles andere als selbstverständlich«, sagt ein weiterer Stammgast.

Schiffsmodellfreunde zeigen ihre Boote

Nicht nur Schwimmer bewegen sich an den beiden Tagen im Freibadbecken. Die Schiffsmodellfreunde Hücker Moor, Mitglieder befreundeter Vereine aus Osnabrück und Espelkamp sowie Gäste lassen am Samstag ihre ferngesteuerten Boote über das Wasser gleiten – mal gemächlich, mal rasant. »Das sind originalgetreue Modelle von Seenotrettungsbooten, die in der Nordsee unterwegs sind«, erklärt Uwe Wallenhorst vom Schiffsmodellbauclub Osnabrück und deutet mit seiner Fernsteuerung auf vier Boote mit der charakteristischen roten Bemalung.

Abseits vom Wasser findet sich eine RC-Car Teststrecke sowie ein Bastelangebot der Firma Revell und auf der Liegewiese die Stände des Familienflohmarktes. »Wie in den Vorjahren ist hier alles perfekt organisiert, allerdings könnten es insgesamt mehr Besucher sein«, gibt Patricia Wilfling am frühen Nachmittag ein Zwischenfazit. Das Plantschen in Kleidung und das Abschwimmen der heimischen Vereine steht Sonntag auf dem Programm, bevor als allerletzte Badegäste Hunde in das Becken dürfen. »Ein weinendes und ein lachendes Auge – das trifft es schon sehr gut«, sagt Badleiterin Kerstin Lech abschließend. »Viele Gäste sind traurig, dass sie jetzt eine Weile ohne Freibad auskommen müssen, freuen sich aber auf den Neubau.« Wie emotional dieser Abschied für viele Bünder sei, habe sie neben den Gesprächen auch daran gemerkt, dass das ganze Wochenende über sehr viele Erinnerungsfotos gemacht worden seien.

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