64-Jähriger soll junges Mädchen begrapscht haben, doch das verstrickt sich in Widersprüche – Freispruch
Sexuelle Nötigung nicht zu beweisen

Bünde (WB/bex). Weil er 17-jähriges Mädchen begrapscht haben soll, hat sich am Freitag ein 64 Jahre alter Bünder vor Gericht verantworten müssen. »Ich sehe die Frau heute zum ersten Mal«, erklärte er der Herforder Amtsrichterin Alea Blöbaum. Da sich die heute 19-Jährige im Zeugenstand in Widersprüche verwickelte, folgte ein Freispruch.

Samstag, 07.09.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 07.09.2019, 12:44 Uhr
Der 64-Jährige wurde am Amtsgericht Herford freigesprochen. Foto: Moritz Winde

Die junge Frau, die mittlerweile in Bochum wohnt, hatte gegenüber der Polizei angegeben, am 20. April 2018 in der Bahnstraße in Bünde von dem Mann sexuell angegangen worden zu sein. Gegen 21 Uhr sei sie dort in Suizidabsicht unterwegs gewesen. »Ich wollte vor einen Zug springen.« Zuvor habe es »eine Krise« in ihrer Wohngruppe in Bünde gegeben, zu der sie jedoch nichts mehr sagen konnte.

Weggestoßen und geflüchtet

Sie habe dann letztlich von der geplanten Selbsttötung Abstand genommen. Als sie an der Bahnstraße entlang gegangen sei, habe sie ein Mann angesprochen. Er habe gefragt, ob sie nicht mit ihm »heute Nacht kuscheln« wolle. Sie habe das verneint, kurze Zeit später habe sie der Mann am Handgelenk gefasst, gegen einen Zaun gedrückt und unter ihr knielanges Kleid gefasst. Zudem soll er versucht haben sie an den Brüsten zu begrapschen. Sie habe den Angreifer wegstoßen und flüchten können.

Er habe damit nichts zu tun, hatte der Angeklagte im Ermittlungsverfahren zu Protokoll gegeben. Er habe an dem Abend mit Bekannten Adolf Hitlers Geburtstag gefeiert und Karten gespielt. »Das mit dem Hitler-Geburtstag war nur ein Witz«, sagte er am Freitag vor Gericht. »Es war ja der 20. April.« Zwei seiner Bekannten (30/33) erklärten im Zeugenstand, dass man den ganzen Abend gemeinsam Karten gespielt und folglich das Haus nicht verlassen habe. »Von Silvester bis Mitte Mai haben wir das jeden Abend gemacht – ausnahmslos.«

Auch Anklage fordert Freispruch

Da sich die 19-Jährige vor Gericht weder daran erinnern konnte, ob sie an besagtem Abend ein Kleid trug, das Haus, aus dem der angebliche Täter kam, falsch beschrieb und diesen selbst auch nicht genau identifizieren konnte, beantragte auch die Anklage einen Freispruch vom Vorwurf der (versuchten) sexuellen Nötigung. Der folgte prompt. Die Landeskasse trägt die Kosten.

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